Kirchberg Tagung in Kirchberg: Globale Nachhaltigkeit durch Lebensmittelstandarts?

Blick in den Kirchberger Naturkostladen von Martin Schoffroh: Eine unübersichtliche Vielfalt von Labeln soll die Nachhaltigkeit von ökologisch und fair erzeugten Lebensmitteln garantieren.
Blick in den Kirchberger Naturkostladen von Martin Schoffroh: Eine unübersichtliche Vielfalt von Labeln soll die Nachhaltigkeit von ökologisch und fair erzeugten Lebensmitteln garantieren. © Foto: Hartmut Volk
Kirchberg / HARTMUT VOLK 01.06.2016
Eine Tagung zum Thema „Gutes Essen – arme Erzeuger“ gibt es am Wochenende im Kirchberger Schloss. International gefragte Experten werden erwartet.

Der aufgeklärte Verbraucher von heute will beste Qualität und korrekte Herstellungsmethoden bei seinen Essenszutaten. Standards und Kennzeichnung sollen durchsichtig machen, wie die Nahrungsmittel erzeugt wurden. Tierwohl soll berücksichtigt sein, die Umwelt geschont werden und die Qualität astrein sein. Dafür kosten Markenware und speziell gelabelte Produkte auch ein wenig mehr.

Der Landwirt von heute, ob in Württemberg oder in Afrika, muss sich den modernen Marktanforderungen unterwerfen. Doch sieht er auch etwas von den Zusatzerlösen? Gleichzeitig gehen die vielen Auflagen mit erheblichen Kosten für die Erzeuger einher. Wer ist der Gewinner und wer der Verlierer der neuen Ansprüche mit Siegel? Und kann man den Versprechungen der Siegel wirklich trauen?

Kleinerzeuger und arme Bauern auf der Welt können die komplizierten Verfahren, um eine „Zertifizierung“ zum Erwerb eines Siegels zu erfüllen, besonders schwer erfüllen. Arme Verbraucher in Afrika, Asien und Lateinamerika können sich die teuren Lebensmittel nicht leisten. Die modernen Märkte drohen die Masse der Lieferanten und Konsumenten auszuschließen. Wie soll man bei solcher elitären Entwicklung die Welt noch ernähren?

Der Staat hat es der Privatwirtschaft überlassen, die Nachhaltigkeit unseres Ernährungssystems selbst zu regulieren. Bestimmt werden die Standardisierungssysteme von den großen Supermarktketten der Welt. Sie wälzen die Haftungsrisiken ab auf die letzten Glieder der Nahrungskette, die Familienbetriebe in der Landwirtschaft und das kleine Nahrungsmittelgewerbe.

Die Tagung am Freitag, 3., und Samstag, 4. Juni,  an der neuen Akademie für ökologische Land- und Ernährungswirtschaft im Kirchberger Schloss setzt sich mit diesen Zusammenhängen auseinander. Sie wird veranstaltet von der Bauernschule Hohenlohe und der Stiftung Haus der Bauern. Sie beginnt um 18 Uhr mit der Begrüßung durch den Akademieleiter der Stiftung, Dr. Daniel Pohl, den Leiter der Bauernschule, Hartmut Heilmann.

Nach einem kleinen Stehimbiss gibt es eine Einführung ins Thema durch den Hausherrn Rudolf Bühler. Anschließend zeigt Dr. Ullrich Hofmann aus Genf, der über 30 Jahre hinweg bei der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf tätig war, die weltweiten Trends auf. Am Samstag ab 9 Uhr stellen zwei Autoren von „Brot für die Welt“ – Francisco Mari als Referent für  Welternährung, Agrarhandel und Meerespolitik und die Bäuerin Angela Müller – ein neues Fachbuch zum Thema vor, um 14.30 Uhr berichtet Christoph Zimmer von der BESH von den praktischen Erfahrungen im Umgang mit zertifizierten Bauern. Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Rudolf Buntzel aus Berlin, dem neuen Studienleiter für politische Ökologie an der Kirchberger Akademie.

Anmeldung noch möglich

Interessierte Verbraucher, Landwirte und Lebensmittelhändler können sich über die Stiftung Haus der Bauern unter Telefon 01 73 / 7 28 19 27 noch zu der Tagung am Freitag und Samstag anmelden. Für auswärtige Teilnehmer gibt es Übernachtungsmöglichkeiten im Schloss.

HV

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