Untermünkheim/Chennai Tag und Nacht Seite an Seite: Öhringer Paar arbeitet im indischen Chennai

Untermünkheim/Chennai / OLGA POSSEWNIN 14.05.2013
Im Ausland leben und arbeiten - das wollten Manuel Wolf (28) und Sina Einsiedler (27) schon lange. Im Oktober konnten sie diesen Traum verwirklichen: Die beiden sind für R. Stahl anderthalb Jahre in Indien.

10.000 Kilometer Entfernung, dreieinhalb Stunden Zeit- und aktuell 20 Grad Temperaturunterschied trennen Untermünkheim, wo Manuel Wolf aufgewachsen ist, von Chennai - von Mentalität und Religion ganz zu schweigen.

Sina Einsiedler und Manuel Wolf aus Öhringen erleben diese Unterschiede seit Oktober täglich. Das junge Paar, das bei Stahl in Waldenburg angestellt ist, arbeitet bis April 2014 in Südindien. Dort hat die Firma R. Stahl, die sich auf Explosionsschutz spezialisiert hat, eine Produktionsstätte.

"Wir wollten schon vor drei Jahren ins Ausland"

Angeregt durch eine Schulung für Produktentwicklung, die Sina Einsiedler in Indien absolviert hat, entschieden sich die beiden, in den 1,2-Milliarden-Einwohner-Staat zu gehen. "Wir wollten schon vor drei Jahren ins Ausland", sagt die 27-Jährige. Dass es Indien werden würde, kristallisierte sich erst im März 2012 heraus.

In eine Bäcker-Familie hineingeboren hatte der 28-jährige Manuel Wolf nach der Schule die Option, bei seinen Eltern im Café Wolf in Untermünkheim zu arbeiten. Weil ihm dazu jedoch "das richtige Händchen" fehlte, wie er sagt, entschied er sich, eine Ausbildung zum Industriekaufmann zu machen.

An seiner Arbeit im Vertrieb für internationale Projekte schätzt Wolf vor allem den Umgang mit Menschen aus der ganzen Welt. Deshalb stellt es für ihn kein Problem dar, seit Oktober hauptsächlich auf Englisch zu kommunizieren. Seiner Freundin fiel es da schon etwas schwerer, aber "sie macht große Fortschritte", sagt er.

Bei seiner Ankunft in Indien war das Paar noch mit anderen Startschwierigkeiten konfrontiert. "Die Wohnungssuche zog sich ewig hin und wir waren oft kurz davor, zu verzweifeln", räumt Wolf ein.

Eine große Diskrepanz zwischen Deutschland und Indien sehen die beiden beim Thema Pünktlichkeit. "Die hiesige Verspätung übertrifft die sogenannte akademische Viertelstunde um ein Vielfaches, sodass ein Termin oft Stunden später als vereinbart oder überhaupt nicht zustande kommt", seufzt Wolf. Er betont aber, dass man zwischen dem, wie er und seine Freundin von der Firma aufgenommen wurden, und dem, welche Erfahrungen sie im Privaten gemacht haben, differenzieren müsse. "Die indische Produktionsstätte von R. Stahl hat uns herzlich empfangen und vorbildlich unterstützt", äußert sich Wolf lobend.

Wie sieht denn die Arbeit des 28-Jährigen und seiner Freundin im Subkontinent aus? "Ich habe die Aufgabe bekommen, ein Team für Vertriebsdokumentationen aufzubauen. Mittlerweile sind wir zu dritt. Mein Hauptaugenmerk liegt auf Angebotsausarbeitungen, Kalkulationen und Auftragsabwicklungen", teilt Wolf mit. Sina Einsiedler ist im Entwicklungs- und Konstruktionsbereich tätig.

Indien - nicht auf Dauer

Das Paar ist nicht nur im selben Gebäude beschäftigt, sondern sitzt auch nebeneinander. Zusammen wohnen, täglich bis zu anderthalb Stunden gemeinsam zur Produktionsstätte fahren und dann auch noch neun Stunden Seite an Seite arbeiten. Geht man sich nicht irgendwann auf die Nerven? "Manchmal schon, aber wir haben uns mittlerweile ganz gut arrangiert", sagt Wolf lachend.

Am 18. Mai darf das Paar zum ersten Mal nach Hause fliegen. Wolf freut sich nicht nur darauf, seine Familie und Freunde wiederzusehen. "Ein Schnitzel mit Kartoffelsalat und zum Nachtisch Mohnkuchen zu essen - das kann ich kaum erwarten", schwärmt er. Auf Dauer in Indien zu leben, käme für ihn und seine Freundin nicht in Frage.