Fürs Gespräch wird wieder der Syrer und Übersetzer Ismail Aldarwich in Vellberg gebraucht, um für die Flüchtlingsfamilie Al-Ali-Dachil zu dolmetschen. Anfang März hat die Großfamilie eine Wohnung in Talheim bezogen. Dem Ehepaar Al-Ali-Dachil ist es gelungen, mit seinen zwölf Kindern im Alter von acht Monaten bis 18 Jahren heil in Deutschland angekommen zu sein. Dass der Familienvater bei einem Bombenangriff in Damaskus ein Bein verloren hat, davon spricht er nicht.

Dass alle eine abenteuerliche Flucht überstanden haben, scheint momentan ebenfalls in den Hintergrund gerückt zu sein. Jetzt haben Kinder und Eltern ein Dach über dem Kopf und sind "überglücklich, dass sie nicht auseinandergerissen wurden, wie viele andere Familien", übersetzt Aldarwich. Nach Aufenthalten in der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen und einer Sammelunterkunft in Crailsheim hat die Familie jetzt ein Bleiberecht - zunächst für drei Jahre.

Nun heißt es, sich in der Wohnung einzuleben und den Alltag zu ordnen. Unterstützt wird die Flüchtlingsfamilie von ehrenamtlichen Helfern - etwa von Klaus Förster aus Vellberg, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. "Vieles muss organisiert werden, und wir sind froh, dass sich sowohl Bürgermeisterin Ute Zoll als auch eine Gruppe von Bürgern mit viel Hilfsbereitschaft in Vellberg engagieren", sagt er. Behördengänge, Einkäufe, Fahrdienste, das Anmelden der Kinder im Kindergarten, in der Vellberger Grundschule oder der Ilshofener Hauptschule - es gibt viel zu tun. "Wir bemühen uns, den Kindern noch möglichst viel beizubringen, bevor sie nach den Osterferien in die Schule müssen", erklärt Förster und fügt an: "Die Kinder sind enorm wissbegierig." Die dreizehnjährige Fatima freut sich schon auf die Schule, vor allem auf das Lesen.

Vor einer täglich neuen Herausforderung steht die Mutter. Sie muss große Mengen kochen und kommt mit einem Kilo Reis, Zwiebeln oder Kichererbsen nicht weit. Da muss es schon gleich ein ganzer Sack sein, um die kleinen und großen hungrigen Familienangehörigen satt zu machen. Dreimal müsse sie kochen, weil sie nur kleine Töpfe habe, erzählt sie ihrem syrischen Landsmann, der ihren Wunsch nach einem großen Kochtopf ins Deutsche übersetzt.

Für das Ehepaar Gehl in Talheim war es selbstverständlich, eine Wohnung in ihrem Haus für eine Flüchtlingsfamilie zur Verfügung zu stellen. Sie selbst kamen Anfang der 1970er-Jahre als Spätaussiedler aus Rumänien. "Wie gut und herzlich wir in Vellberg aufgenommen wurden, haben wir nie vergessen", erinnern sie sich gerne. Jetzt hoffen und wünschen sie sich, dass die Großfamilie Al-Ali-Dachil zur Ruhe kommen kann und sich gut einlebt. Vater Al-Ali hofft darauf, eine gut funktionierende Beinprothese zu bekommen, denn er möchte arbeiten können. Eines sei ihm und seiner Frau noch wichtig zu sagen, betont Ismail Aldarwich und übersetzt für das Ehepaar aus dem Arabischen: "Danke an Deutschland und allen, die uns helfen."