Wallhausen Süße Früchtchen mit Tradition

Wallhausen / Luca Schmidt 06.06.2018
Weil die Familie Blumenstock aus Roßbürg früher zu wenig Fläche hatte, wurden Erdbeeren angebaut. Heute verlassen an Erntetagen bis zu zehn Tonnen der Früchte das Feld.

Seit rund einer Woche kommen Erdbeerfans aus der Region in Roßbürg bei Wallhausen auf ihre Kosten: Auf dem Feld von Familie Blumenstock darf wieder gepflückt werden. Bereits seit mehr als 60 Jahren baut der Betrieb Erdbeeren an. Dabei entstand die Idee dazu eher aus der Not heraus.

„Mein Vater hat 1955 damit angefangen. Es gab für ihn zu wenig Fläche und damit zu wenig Einkommen, um nur herkömmlichen Ackerbau zu betreiben“, sagt Landwirt Martin Blumenstock. Sein Vater habe eine Art Praktikum bei einem Betrieb mit Sonderkulturanbau gemacht und das dann hier ausprobiert. 400 Erdbeerpflanzen waren es zunächst. „Das musste alles von Hand gemacht werden und war mit sehr viel Aufwand verbunden“, sagt Blumenstock. Die Nachfrage war aber da und so habe sich der Hof gut entwickelt.

Heute werden auf 16 Hektar Erdbeeren angebaut, bis zu zehn Tonnen werden täglich geerntet. Rund 60 Prozent davon gehen an den Großhandel, 20 Prozent an Märkte in der Region und der Rest wird direkt vor Ort verkauft – entweder im Hofladen oder an die Selbstpflücker. Vier feste Mitarbeiter hat der Hof – und bis zu 120 Saisonarbeitskräfte aus Polen und Rumänien, die dann für vier bis fünf Wochen da sind.

Jeweils eine Sorte gibt es zum Selbstpflücken auf dem Feld von Familie Blumenstock – eine späte und eine frühere. Mehr wollen die Leute gar nicht, sagt Martin Blumenstock. Für die Märkte in der Region sind es fünf bis sechs Sorten, die angebaut werden.

Auch für die Zukunft gibt Blumenstock eine positive Prognose ab: „Es gibt eine starke, regionale Nachfrage.“ Dass merke er nicht nur an den Abholern, sondern auch an Märkten in der Region, die auf ihn zukommen, um seine Erdbeeren zu verkaufen. „Die Qualität muss aber stimmen, sonst kann man sie auch woanders kaufen“, sagt Blumenstock.

Denn Erdbeere ist nicht gleich Erdbeere. So gebe es in Roßbürg auch die Sorte Mieze-Schindler, die 1925 von Professor Otto Schindler aus Pillnitz gezüchtet wurde. Die Früchte sind besonders aromatisch, haben aber auch mehrere Nachteile: Sie sind anfällig für Krankheiten, der Ertrag pro Pflanze ist geringer und die Früchte faulen schneller. „Die sind aber das Beste, was es gibt und daraus kann man die beste Erdbeermarmelade der Welt machen“, sagt Blumenstock. Die Marmelade kann man übrigens auch im Hofladen kaufen.

Die Erdbeerpflanzen bekommt Blumenstock aus Norddeutschland, Italien und den Niederlanden. „Die gefrorenen Pflanzen werden bei uns im Kühlraum gelagert und einen Tag, bevor sie gepflanzt werden, aufgetaut.“ Allerdings werden bei Familie Blumenstock nicht nur Erdbeeren angebaut: Es gibt unter anderem auch Himbeeren, Kirschen, Stachelbeeren und Heidelbeeren – aber eben erst, wenn Saison dafür ist.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Darf während des Erdbeerpflückens auch genascht werden? „Drei bis vier sind kein Problem“, sagt Blumenstock: „Wenn schüsselweise probiert wird, hört der Spaß aber auf.“

Info

Im Internet ist das Unternehmen unter der Adresse www.beerenbau-blumenstock.de zu finden.

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