Rosengarten Suchen wie Indiana Jones

JAHN NITSCHKE 14.09.2013
In einem verlassenen Schuppen in Wilhelmsglück wird altes Feuerwehrgerät wiederentdeckt. Archivrecherchen des Rathausmitarbeiters Günter Seybold bringen ihre Existenz ans Tageslicht.

Irgendwann in den Siebziger Jahren, vielleicht 1971 oder 1972, fand die letzte Feuerwehrübung in Wilhelmsglück bei Uttenhofen statt. Die beiden Hanfschläuche wurden aufgerollt und zusammen mit der Wasserspritze auf dem knallroten Hydrantenkarren Baujahr 1928 gelagert, die Hydrantenschlüssel ebenso, die geschwärzten Messinghelme wurden ordentlich auf ein Regalbrett gestellt. Die Ausrüstung wurde in einem kleinen Schuppen - im Hof Wilhelmsglück integriert - eingelagert, die Schlüssel jederzeit erreichbar hinter einer Glasscheibe über der Tür postiert. Seitdem war das Gerät vergessen.

Bis Günter Seybold, Fachbereichsleiter im Rathaus Uttenhofen und Hobbyortshistoriker im Rathausarchiv, Dokumente für ein Buch über die Ortsgeschichte Uttenhofen entstaubte. "Da habe ich einen Gemeinderatsbeschluss gefunden, aus dem hervorgeht, dass wir in den Fünfzigern mal Geld für Feuerwehrgerät bewilligt haben," erinnert er sich. "Da hat man einen alten Hydrantenkarren aus Uttenhofen nach Wilhelmsglück abgeschoben. Und das Zeug musste ja noch irgendwo sein," ruft er und klingt wie Indiana Jones auf Schatzsuche. Alfred Grahm war in dieser Zeit Gutsverwalter des Hofs Wilhelmsglück und auch bei der Feuerwehrtruppe. Seybold und Grahm sind gute Freunde.

"Als ich dann den Alfred gefragt hab, ob da noch was da ist," - der Hof gehörte ursprünglich dem Haller Diak bis er 2003 verkauft wurde - "hat er sich an den Schuppen erinnert." Das war letzten Sommer. Der Schuppen war zugenagelt und der Zugang völlig verwachsen, als sie am 9. August 2012 die Zeitkapsel öffneten und sich ihnen das alte Gerät eingestaubt präsentierte. Die Schlüssel über der Tür waren längst verschwunden.

Grahm habe den Schuppen nicht vergessen und noch bis 2003 regelmäßig nachgesehen. Vielleicht sei er beim Verkauf durch das Haller Diak ausgeräumt worden. Als er und Seybold den Schuppen 2012 geöffnet hätten, sei er auch überrascht gewesen. Grund für die Einrichtung eines Feuerwehrpostens waren ein Kinder-, ein Säugling- und ein Behindertenheim in der Nähe gewesen. "In den 36 Jahren, in denen ich da war, hat es nicht gebrannt," erinnert sich Grahm. Übungen fanden trotzdem zweimal jährlich statt.

Uttenhofen hat seit 1930 eine Wasserversorgung, 1949 hat man sich der Biberwasserversorgungsgruppe angeschlossen und hat auch durch eine Leitung am Gasthaus Krone Wasser bezogen, weiß der Hobbyhistoriker Seybold. "Im Notfall haben wir noch den Kocher angezapft," meint Grahm.

"1972 kam die Gemeindereform, da wurde Wilhelmsglück in Uttenhofen integriert," spekuliert Seybold über den Grund für das Verschwinden des Schuppens aus dem Gemeindegedächtnis. Derselbe Schritt wurde 2012 für die Feuerwehr unternommen: Die Gemeinde Rosengarten schaffte die Posten in den Teilgemeinden ab und richtete eine zentralisierte Feuerwehr mit der Fertigstellung des neuen Magazins bei Westheim ein.

Von nun an kümmert sich also Westheim darum, dass in Wilhelmsglück nichts abbrennt und die Wasserspritze wird dort nicht mehr gebraucht. Aber wohin mit dem Gerät? "Wir sichern das", sagte sich Seybold letzten August - und seit das Feuerwehrmuseum Hall Anfang September den Karren, die Schläuche, die Helme und alles andere abholte, steht es dort aufpoliert und restauriert als Dauerleihgabe.

2014 verabschiedet sich Günter Seybold in den Ruhestand. "Dann habe ich Zeit, vielleicht nochmal tiefer in die Ortsgeschichte einzusteigen," überlegt er laut. Wer weiß, welche Schätze es in Uttenhofen noch zu finden gibt.