Kirchberg Studenten bringen Friedhof auf Vordermann

Fleißig: Helmut Klingler (rechts) mit den internationalen Teilnehmern des IBG-Workcamps.
Fleißig: Helmut Klingler (rechts) mit den internationalen Teilnehmern des IBG-Workcamps. © Foto: Sebastian Unbehauen
Kirchberg / Sebastian Unbehauen 08.08.2018
Studenten aus sieben Ländern bringen ein Kleinod in Schuss – und machen sich nach Feierabend ein Bild von Hohenlohe.

Der alte Friedhof von Kirchberg ist ein echtes Kleinod – ein Freiluftmuseum sozusagen. Seit 1616 und bis 1954 wurden Bürger des Städtchens hier beerdigt. Kunstvolle Grabmale aus allen Jahrhunderten sind erhalten, die repräsentative Friedhofshalle dient als Gedenkort für die Toten der Weltkriege und die Schießscharten in der Friedhofsmauer deuten an, dass es in Hohenlohe nicht immer so friedlich zuging wie heute.

Lebhaft auf dem Friedhof

In den 1990er-Jahren wurde der Friedhof renoviert, aber es bedarf halt der regelmäßigen Pflege, damit das Schöne sichtbar bleibt. Und so geht es dort derzeit deutlich lebhafter zu als man das von einem nicht mehr genutzten Gottesacker erwarten würde. Denn elf Studenten aus sieben Ländern bringen den kleinen Park nahe dem Frankenplatz – einfach links am Optiker Kanold vorbei – auf Vordermann. Sie schneiden Efeu, wo es Gräber, Steine und Mauern überwuchert, sie stutzen Bäume und Büsche, entfernen Unkraut, machen die Wege frei.

All das geschieht unter der Anleitung von Helmut Klingler, der  auch sonst ein paarmal im Jahr mit dem Rasenmäher auf dem alten Friedhof unterwegs ist – und der immer mal wieder Touristen oder Menschen aus der näheren Umgebung beobachtet, bei denen der Ort einen Aha-Effekt auslöst: „Oh, das ist aber schön hier. Das wusste ich ja gar nicht.“

Der pensionierte Lehrer war es auch, der bereits im Jahr 2013 auf den Verein „Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten“ (IBG) stieß. Dieser veranstaltet Workcamps für junge Menschen aus aller Welt in Deutschland und vermittelt Deutsche über Partnerorganisationen rund um den Globus. Ursprünglich sollten sich hier Pfadfinder begegnen, heute richtet sich das Angebot an alle. Voraussetzung: Ein Projektpartner, der etwas Gemeinnütziges zu tun hat und für kostenlose Übernachtung und Verpflegung sorgt. Klingler also ging damals auf die Stadtverwaltung zu, und so kam bereits 2014 eine erste IBG-Studentengruppe nach Kirchberg – seinerzeit, um Wanderwege zu richten. 2015 folgte eine zweite Gruppe.

Stadt macht mit

Die dritte Gruppe ist jetzt in der Stadt, weil die vermittelnde Organisation von sich aus bei Klingler anklopfte: Ob es denn nicht mal wieder eine Möglichkeit gebe, junge Leute in Kirchberg zu beschäftigen? Es gab sie, die Stadt war bereit, wieder mit- und dafür ein paar Euro locker zu machen.

Untergebracht sind die Gäste aus der Türkei, Tschechien, Serbien, Italien, Belgien, Spanien und Mexiko in einem Teil der ferienbedingt leeren Schloss-Schule mit eigener Küche. Sie bekommen von der Schule außerdem einen kleinen Bus gestellt, mit dem sie die Gegend rund um ihren Einsatzort erkunden können. Als „peaceful“, also „friedlich“, beschreibt Emanuele aus Italien, seinen Eindruck von Hohenlohe, und die anderen nicken. „Ich liebe es“, sagt er noch.

Sie waren in Musdorf auf dem Reitevent, in einem Kletterpark, in Rothenburg, in Nürnberg. Bis zum Wochenende sind sie noch da, danach geht es nach zwei Wochen zurück in die Heimatländer. Die Bilanz lässt sich jetzt schon ziehen: Die Studenten nehmen neue Eindrücke mit, und Kirchberg hat einen frisch herausgeputzten alten Friedhof.

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