Schwäbisch Hall Streicherklänge als Blasmusik

MONIKA EVERLING 03.01.2013
Vier Saxofone im Silvesterkonzert: Wer da Jazziges erwartet, täuscht sich beim Berlage-Saxofon-Quartett. In Hall bietet das junge deutsch-niederländische Ensemble Kammermusik auf sehr hohem Niveau.

Antonin Dvoraks Streichquartett Nr. 12 F-Dur, das "Amerikanische Quartett", auf Saxofonen gespielt: Das ist ein besonderes Hörerlebnis. Das Berlage-Quartett hat das Arrangement dafür selbst geschaffen. Es zitiert die Originalkomposition fast notengetreu, und doch klingt die Musik ganz anders, ist ein eigenständiges Werk.

Das Berlage-Saxofon-Quartett zeigt dabei - wie auch in allen anderen Programmpunkten des Silvesterabends - vollendete Instrumentenbeherrschung, hervorragendes Zusammenspiel und vor allem riesige Spielfreude. Es ist eine Wonne, zu sehen, mit welchem Eifer, welcher Hingabe diese vier jungen Musiker an ihre Sache herangehen. Sympathisch wirkt auch, dass die Instrumentalisten abwechselnd durchs Programm führen.

Das Quartett besteht aus Lars Niederstraßer (Sopransaxofon) und Kirstin Niederstraßer (Tenorsaxofon), die 1985 beziehungsweise 1987 in Braunschweig geboren wurden, sowie den beiden Niederländern Peter Vigh (Altsaxofon, geboren 1987) und Eva van Grinsven (Baritonsaxofon, geboren 1981). Sie alle haben in Amsterdam studiert und sich dort kennen gelernt. Aus ihren Instrumenten locken sie allerlei Klangfarben. Wenn man nicht das Gegenteil vor sich sähe, könnte man glauben, dass Querflöten, Oboen oder auch einmal ein Zink mitspielen würden.

In Hall starten sie mit dem operettenhaft wirkenden "Aragon" von Isaac Albéniz in den Abend. Im "Marsch der Trolle" von Edvard Grieg trippeln die Trolle mehr als dass sie marschieren, und Griegs "Hochzeit auf Troldhaugen" hat neben festlichen auch wehmütige Momente. Vier "Alte ungarische Tänze" von Ferenc Farkas klingen wie Alte Musik, obwohl sie im 20. Jahrhundert komponiert wurden. Sein großes Können zeigt das Quartett auch in Ligetis rhythmisch vertrackten "Sechs Bagatellen". Das Programm endet furios mit dem "Czárdás" von Vittorio Monti - die etwa 380 Besucher sind begeistert und erklatschen sich drei Zugaben.