Ilshofen Albert-Schüle-Weg: Nach Nazi-Funktionär benannte Straße steht zur Debatte

Der polnische Zwangsarbeiter Franziscek Gacek wurde 1942 in der Nähe von Wolfenbrück erhängt.
Der polnische Zwangsarbeiter Franziscek Gacek wurde 1942 in der Nähe von Wolfenbrück erhängt. © Foto: Archiv
Ilshofen / Harald Zigan 14.02.2019
Der Gemeinderat von Ilshofen befasst sich am Freitag mit einer Umbenennung des Albert-Schüle-Weges in Niedersteinach. Unweit seines Hofes in Wolfenbrück wurde im April 1942 ein polnischer Zwangsarbeiter erhängt.

Das Stadtparlament von Ilshofen entscheidet am Freitag darüber, ob eine Straße im Teilort Niedersteinach weiterhin an den hochrangigen NS-Funktionär Albert Schüle erinnert – oder ob der Weg umbenannt wird. Bürgermeister Martin Blessing schlägt den Gemeinderäten vor, künftig wieder den althergebrachten Namen „Hofweg“ zu verwenden.

Die Straße in dem 40-Seelen-Dorf trägt erst seit dem Jahr 1997 auf Wunsch des damaligen Ortschaftsrates ganz offiziell den Namen des Landwirts Albert Schüle aus Wolfenbrück bei Oberrot. In Niedersteinach hatte er in den 30er-Jahren einen weiteren Bauernhof erworben.

Als Mitglied von NSDAP, SA und SS fungierte er von 1933 bis 1945 nicht nur als stellvertretender Landesbauernführer in Württemberg, sondern auch als Reichstagsabgeordneter.

Nach örtlichen Protesten gegen diese späte „Ehre“ für einen NS-Funktionär lehnte der Ortschaftsrat im Juli 2018 aber eine Umbenennung der Straße einstimmig ab: Der Name habe sich eingebürgert und Adressen-Änderungen seien zu aufwendig.

Diese Haltung stieß auch überregional auf völliges Unverständnis: Dr. Wolfgang Proske aus Gerstetten (er zeichnete für die Buchreihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ die NS-Karriere von Albert Schüle nach) hält Nationalsozialisten als Namensgeber für „denkbar ungeeignet“ in einem demokratischen Rechtsstaat. Fassungslos reagierte zudem der Tübinger Publizist Udo Grausam, der etliche, bislang unbekannte Schicksale von NS-Opfern aus der Region aufgedeckt hat.

[Link auf https://www.swp.de/suedwesten/staedte/crailsheim/treue-diener-des-regimes-26878718.html]

Auch der pensionierte Lehrer Walter Schieber aus Auenwald sieht in der Niedersteinacher Straße einen „Skandal“. Der Heimatforscher hat sich intensiv mit dem Schicksal des 27 Jahre alten polnischen Zwangsarbeiters Franziscek Gacek beschäftigt, der am 23. April 1942 unweit des Hofes von Albert Schüle in Wolfenbrück von der Gestapo an einem mobilen Galgen erhängt wurde.

Die durch eine Denunziation bekannt gewordene Liebesbeziehung zu einer deutschen Magd, die ebenfalls im wenige Kilometer entfernten Mannenweiler auf einem Hof arbeitete, wurde dem bereits 1939 aus Polen verschleppten Mann zum Verhängnis. Die Polizei trieb alle polnischen und ukrainischen Zwangsarbeiter aus den Dörfern der Umgebung zur Hinrichtungsstätte in einem Waldstück, die die Hinrichtung zur Abschreckung mitansehen mussten. Darunter dürften sich auch die Zwangsarbeiter von Schüles Hof befunden haben.

Nach allen bisher bekannten Quellen und Dokumenten war Albert Schüle in diesen Mord vor seiner Haustür nicht direkt verstrickt.

Es waren aber Funktionäre wie Albert Schüle, die durch ihren ungehemmten Einsatz für das „Dritte Reich“ einen solchen tödlichen Terror deckten und dadurch erst möglich machten.

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