Das dritte Jahr in Folge brütete ein Storchenpaar auf dem Rathaus-Horst erfolgreich. „Wir hatten vor zwei Jahren zwei Jungtiere und im vergangenen Jahr vier“, sagt Bürgermeister Christoph Maschke.

Auch dieses Jahr gab es Nachwuchs. Doch nun wurde innerhalb weniger Tage das vierte Küken stark verwest neben dem Gebäude gefunden. Noch sitzen die Elterntiere im Nest, aber es sei davon auszugehen, dass keine weiteren Jungen mehr leben, vermutet Ute Reinhard, Storchenbeauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen.

Schimmelpilze, Gift: Grund für Tod könnte menschengemacht sein

Die Frage nach dem Warum ist nicht leicht zu beantworten. Die Expertin nennt mögliche Ursachen, betont jedoch, dass es sich dabei um Spekulationen handle. Schimmelpilze im Nest könnten beispielsweise zum Tod geführt haben. „Das passiert, wenn Störche ihr Nistmaterial auf einem Komposthaufen suchen.“ Werde das beobachtet, so bittet die Storchenbeauftragte, die Vögel umgehend zu vertreiben.
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Schwerin/Metzingen

Auch vergiftete Mäuse kämen infrage. Allerdings spreche dagegen, dass die toten Küken erst etwa eine Woche alt waren. „In diesem Alter bekommen sie noch keine Mäuse und auch die Elterntiere müssten Vergiftungserscheinungen aufweisen.“ Vor zwei Wochen erst wurde Ute Reinhard ein toter Storch gemeldet, der an Schneckengift verendet war. Gartenbesitzer sollten generell ein für Tiere ungefährliches Schneckenkorn verwenden, rät sie.
Störche in Untermünkheim Ein Paar ist zurück im Nest

Untermünkheim

Müll im Storchen-Nest – Drohnen verjagen Storcheneltern

Die Untermünkheimerin Solveig Kübler, Besitzerin des Gasthauses Traube, hat beobachtet, dass das Nest mit Müll verunreinigt ist. Weiße Schnipsel seien zu erkennen. Möglicherweise handele es sich dabei um Plastikteile. „Nehmen die Küken den Müll auf, kann das zu Verklumpungen im Magen führen“, so die Storchenbeauftragte. Da jedoch alle vier Küken gestorben sind, verwirft sie diese These. Zu Gehör gekommen sei ihr, dass in Untermünkheim ein dritter Storch gesichtet wurde. „Eventuell hat ein Kampf stattgefunden, bei dem die Küken getötet wurden“, überlegt Reinhard.

Auch Drohnen seien der sichere Tod für den Nachwuchs. Die Elterntiere würden diese als Gefahr sehen und unter Umständen für Tage das Nest verlassen.
Die tatsächliche Todesursache kann nicht mehr geklärt werden. „Da die Küken stark verwest waren, wurden sie von den Findern sofort entsorgt. In diesem Zustand können sie auch nicht mehr untersucht werden“, so Reinhard. Künftig sei wichtig, in solch einem Fall das Tier sofort in die Tiefkühltruhe zu legen und dann zur Untersuchung zu schicken.
„Ich hoffe, dass das in Untermünkheim ein Ausnahmefall bleibt.“ Dass die Störche ein zweites Mal brüten, hält Reinhard für ausgeschlossen. Dafür sei es Mitte Mai zu spät. Auswirkungen könne der Totalverlust aber auf das Liebesleben der Störche haben: „Es ist möglich, dass sich einer – meistens das Weibchen – einen neuen Horst und somit einen neuen Partner sucht“, schließt die Expertin.