Stimpfach Stimpfach verliert Jugendherberge im Schloss

„Auf Grund von Modernisierungsarbeiten ist die Jugendherberge Schloss Rechenberg  bis 2019 geschlossen“ ist auf der Homepage des Jugendherbergswerk zu lesen. Der Stimpfacher Gemeinderat hat jetzt erfahren: Sie wird nicht wieder geöffnet.
„Auf Grund von Modernisierungsarbeiten ist die Jugendherberge Schloss Rechenberg  bis 2019 geschlossen“ ist auf der Homepage des Jugendherbergswerk zu lesen. Der Stimpfacher Gemeinderat hat jetzt erfahren: Sie wird nicht wieder geöffnet. © Foto: Patrick Ortner/Ortner-Media
Stimpfach / Birgit Trinkle 20.06.2018
Der Gemeinderat reagiert mit harscher Kritik am Jugendherbergswerk  und verlangt eine Kostenerstattung für die sanierte Zufahrt zum Schloss.

Die Jugendherberge Schloss Rechenberg bleibt geschlossen. Zumindest unter der Leitung des Jugendherbergswerks wird dort niemand mehr übernachten. Wenn Karl Rosner davon ausgegangen war, diese schlechte Nachricht mit einem bedauernden Brief in einem Vieraugengespräch überbringen zu können, hatte er sich getäuscht. Stimpfachs Bürgermeister Matthias Strobel drängte den Geschäftsführer des Landesverbands Baden-Württemberg im Deutschen Jugendherbergswerk (JHW) sehr energisch, sich nach nun hinfällig gewordenen jahrelangen Zusagen und Absprachen dem Gemeinderat persönlich zu stellen. Ärger, Verbitterung, offene Ablehnung schlugen Rosner dort in einem Maß entgegen, das erahnen lässt, welche Bedeutung Schloss Rechenberg für die  Gemeinde hat.

Peter Bronner sprach von einer „Frechheit“, Gerold Brenner und Markus Esterle vermuteten, das Jugendherbergswerk habe nie ernsthaft vorgehabt, die Jugendherberge weiterzuführen.

Die Frage nach der Straße

Zwei einstimmig beschlossene Anträge haben zwar wenig Aussicht auf Erfolg, machen aber deutlich, wie verärgert die Stimpfacher sind und wie viel ihnen an der Jugendherberge liegt: Jürgen Seifer und Gerold Brenner wollen prüfen lassen, ob die Gemeinde ihr in die Schlosszufahrt investiertes Geld zurückfordern kann. Isabell Rathgeb bittet um ein letztes Gespräch mit allen Beteiligten, um  doch noch Überzeugungsarbeit leisten zu können. Matthias Strobels Einschätzung: „Die sind nicht mehr gewillt, Wege zu finden, die wollen’s loswerden.“ Die 2016 fertig gestellte Straße ist auch für ihn ein Thema: „250 000 Euro wurden in eine Straße investiert, die wir sonst nicht gerichtet hätten. Das ist kein verlorenes, aber an der falschen Stelle ausgegebenes Geld.“

Karl Rosner verwahrte sich gegen den Vorwurf, er habe diese Straßensanierung zur Bedingung gemacht. Dem sei nicht so. Ihm war wichtig, aufzuzeigen, dass sich das JHW gesundschrumpfen müsse. Häuser wie in Heidenheim würden ebenfalls geschlossen, um andere, etwa in Aalen werde noch gerungen.  Schloss Rechenberg habe mit 9000 bis 10.000 Übernachtungen eine Auslastung von gerade mal 20, 25 Prozent gehabt; im Schnitt würden 40 Prozent erreicht. Hier entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber, ob das JHW auf Kosten des Ländlichen Raumes nur noch in die „Premiumstandorte“ der großen Städte und touristischen Hochburgen investiert.

Was Rosner einräumte: Die strukturellen Mängel im Schloss hätte man früher untersuchen müssen; die Fachingenieure seien nicht im notwendigen Maß eingebunden worden. Der Bürgermeister dazu: „Wenn mir nach der Baugenehmigung einfallen würde, dass ich auch noch die Küche richten muss, würde ich nicht mehr hiersitzen.“

Nachdem die Landesdenkmalpflege in intensiver Verhandlung allenfalls einen Zuschuss in niedrigem sechsstelligem Bereich in Aussicht gestellt hatte, sah Rosner nur eine Möglichkeit, die Jugendherberge doch zu halten: Ein Sponsor müsste einen siebenstelligen Betrag zuschießen. Das ist freilich utopisch. Für die Gemeinde eine entscheidende Frage ist nun die der künftigen Nutzung Schloss Rechenbergs. Rosner sagte  zu, „im Sinne der Gemeinde“ nach einem Käufer zu suchen.

Chronologie eines gescheiterten Projekts

Das Jugendherbergswerk hat das im 13. Jahrhundert erbaute Schloss Rechenberg 1966 übernommen.
2012 gab es eine intensive Diskussion darüber, ob und wie das Gebäude mit 100 Betten in 18 Zimmern saniert werden kann. Die Kosten wurden auf eine  Million Euro geschätzt.
Die Gemeinde Stimpfach sagte zu, sich mit 165.000 Euro zu beteiligen und die Zufahrt zum Schloss zu sanieren. Dann kam es es immer wieder zu Verzögerungen.
Die Jugendherberge ist seit Anfang 2017 geschlossen. Damals sollte umgehend mit der Sanierung begonnen werden. Die Baugenehmigung verzögerte sich aber unter anderem durch Einwände des Denkmalschutzes. Der Brandschutz sorgte für Kostensteigerungen, ebenso Be- und Entlüftung und Wärmerückgewinnung. Die Kosten stiegen auf zwei Millionen Euro, dann wurde festgestellt, dass auch die Küche ausgetauscht werden muss.
Noch zu Beginn dieses Jahres hat der Landesverband der Gemeinde schriftlich bestätigt, dass der Sanierungsbeschluss steht.
Im April beschloss das Jugendherbergswerk mit Blick auf geschätzte Kosten in Höhe von 2,7 Millionen Euro, die Reißleine zu ziehen und Schloss Rechenberg aufzugeben.

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