Seit 2014 gibt es Störche in Stimpfach, und seit 2015 feiert der Ort jedes Jahr ein kleines Grillfest unter dem Storchenbaum am Ortsrand, wenn es Zeit ist, die Jungstörche zu beringen. Der große Andrang hat auch heuer gezeigt, dass die Störche einen festen Platz in der Gemeinde haben. Vier Küken hat das Storchenpaar in diesem Jahr ausgebrütet. Eines fehlte seit einiger Zeit, wie Weißstorchbeauftragter Helmut Vaas berichtete, bevor er sich mit der Drehleiter aufmacht, um die Jungstörche im Nest zu beringen, ihnen die Schnäbel auszuputzen und das Nest zu kontrollieren.

Oben stellte er dann fest, dass die Stimpfacher Störche einen ordentlichen Haushalt führen. Vorher hatte er noch von „Müllstörchen“ berichtet, die in ihren Nestern allerlei Kram sammeln, der dort nicht hingehört. Gummischlappen, BHs, leere Geldbeutel und jede Menge Plastik hat er schon aus Storchennestern gesammelt. In Stimpfach fand er nichts dergleichen, doch der vierte Jungstorch, den er von unten vermisst hatte, war leider tot im Nest und musste entfernt werden. Die drei verbleibenden Jungstörche sind ziemlich genau sechs Wochen alt und kerngesund.

Ingersheimer Jungstörche bekommen ihre Ringe

Tiere Ingersheimer Jungstörche bekommen ihre Ringe

Bei den Storchenjungen sieht – fast – alles gut aus

Rund drei Kilo wiegt jeder von ihnen und mit ausgeputzten Schnäbeln blicken sie jetzt der Zukunft entgegen. „Dieses Jahr sind die Jungen ganz toll vom Gewicht her“, sagt Helmut Vaas auch mit Blick auf die anderen Nester, die er betreut. Zwar mussten Crailsheim und Jagstheim den Tod ihrer Jungstörche betrauern, die durch zu frühes Brüten Regen und Kälte zum Opfer gefallen sind, doch in den anderen Nestern sieht alles gut aus. Das hat auch mit der Futtersituation zu tun. Auf den abgemähten Wiesen finden die Störche momentan jede Menge Heuschrecken, über die der Storchenbetreuer sagt: „Das ist Kraftfutter pur mit viel Protein und Eiweiß. Von einem Kilo Heuschrecken nimmt ein Storch 800 bis 900 Gramm an Gewicht zu.“

Damit die Jungstörche aber am Ende nicht zu dick zum Fliegen sind, werden sie im Zweifelsfall von den Eltern auf Diät gesetzt, verrät Vaas und erklärt, dass die Jungstörche so auch animiert werden, das Nest zu verlassen, um selbst Futter zu suchen. Bis es so weit ist, dauert es allerdings noch ein wenig. Richtig selbstständig sind die Jungstörche erst Anfang September.

Der tragische Tod der Crailsheimer Storchenküken

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Woher die Stimpfacher Storchen-Eltern stammen, kann Vaas nicht sagen. Beide sind nicht beringt, doch die drei Jungstörche können ihren Aufenthaltsort in Zukunft nicht mehr geheim halten. Ihre Ringnummern sind nun in der Vogelwarte in Radolfzell registriert. Vaas bekommt Nachricht, sobald die Störche irgendwo auf der Welt gesichtet werden. Namen gibt der Storchenbeauftragte den Jungen übrigens nicht. „Das können die Anwohner machen. Für mich sind die Ringnummern die Namen. Ich müsste sonst auch noch kreativ werden“, sagt er, kann es sich aber nicht verkneifen zu verraten, dass die Ellwanger Störche jedes Jahr von der Feuerwehr getauft werden.

Vergangenes Jahr wurden in Baden-Württemberg über 2500 Jungstörche beringt

Heuer trägt der Jungstorch dort den Namen des scheidenden Oberbürgermeisters der Stadt. Doch auch ohne diesen kreativen Einsatz ist Vaas in der Aufzuchtsaison viel beschäftigt. Mit sechs Wochen, solange die Jungen sich in Angstsituationen noch tot stellen, müssen sämtliche Jungstörche beringt werden. Ein kurzes Zeitfenster, in dem ihm sein Ehrenamt viel abverlangt, weshalb er mit Peter Schneider gerade einen Partner und Nachfolger anlernt. 2018 wurden in Baden-Württemberg 2565 Jungstörche registriert – Tendenz steigend.

„Die Zahlen gehen explosionsartig nach oben“, bestätigt Helmut Vaas und berichtet, dass sich die Zahl der Storchennester im Land von 15 im Jahr 1975 auf 1187 im letzten Jahr erhöht hat. „Das ist eigentlich unverständlich, weil der natürliche Lebensraum der Weißstörche immer kleiner wird“, staunt der Experte. Er kann sich das nur mit dem Klimawandel und der Anpassungsfähigkeit der Vögel erklären. Vielleicht liegt es aber auch an der Zuneigung, die den Störchen allerorts entgegengebracht wird, wie in Stimpfach deutlich zu sehen.

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