Stimpfach / Jens Sitarek  Uhr
Für die ehemalige Jugendherberge Schloss Rechenberg hat es bisher nur „einige wenige Interessenten“ gegeben. Eine Firma, spezialisiert auf historische Immobilien, soll sich jetzt um den Verkauf kümmern.

Lange Zeit war es ruhig um die ehemalige Jugendherberge Schloss Rechenberg. Bis auf den Hausmeister, der seit der Schließung Anfang 2017 immer mal wieder über die leeren Flure schleicht und nach dem Rechten sieht, sowie ein paar Handwerkern, die kürzlich einen Sturmschaden am Dach behoben, scheint sich keiner sonderlich für das altehrwürdige Gebäude zu interessieren, das das Jugendherbergswerk 1966 übernahm.

Dann steckte plötzlich dieser Zettel in einigen Briefkästen in der Gemeinde Stimpfach, ein Hohenloher Tagblatt Extrablatt. Von der Aufmachung her war es der Titelseite der Tageszeitung nachempfunden, aber das richtige HOHENLOHER TAGBLATT, das sei an dieser Stelle betont, hat dieses Extrablatt nicht zu verantworten.

Unter dem Foto der Jugendherberge findet sich darauf die Überschrift „BAG kauft Schloss Rechenberg als Schulungsgebäude“. Der Text beginnt dann so: „Auf vergessenen Konten der ehem. BAG Ostalb tauchen rund 5,3 Millionen Euro auf. Die Führung der BAG Hohenlohe möchte das Geld sinnvoll investieren und eine Zweigstelle der Bauernschule Hohenlohe im Schloss Rechenberg unterstützen.“

Eine neue Jugendherberge in Heilbronn taugt als Vorbild. Ein Bürgermeister kritisiert jedoch den Rückzug aus ländlichen Gebieten.

Ein Maistreich am 31. April 2019

Für die Gemeinde Stimpfach und die Einwohner Rechenbergs sei dies freilich „eine erfreuliche Nachricht“, heißt es weiter, „nach der rücksichtslosen Schließung der Jugendherberge Rechenberg, für die eigentlich eine Sanierung geplant war“. Nur leider hat das Ganze mit der Wahrheit nicht viel zu tun. Wie sich nicht zuletzt am Datum des Extrablatts erkennen lässt – 31. April 2019 –, handelt es sich um einen Maistreich.

Grund genug, einmal nachzufragen beim Landesverband Baden-Württemberg im Deutschen Jugendherbergswerk. Und siehe da, es habe „einige wenige Interessenten“ gegeben, sagt Verbands-Geschäftsführer Karl Rosner, über „lose Gespräche“ sei es allerdings nie hinausgegangen. Ob es am Preis gelegen habe, weiß Rosner nicht, man könne ja „nicht in die Seele des Interessenten schauen“.

Die drei Millionen Euro, die als Kaufpreis durch den Ort geistern, bezeichnet Rosner als „absolut schräg“. Fest steht: Wenn jemand das Schloss haben will, muss er allein für dessen Sanierung viel Geld ausgeben. Wegen geschätzter Sanierungskosten von 2,7 Millionen Euro gab das Jugendherbergswerk im April vergangenen Jahres Schloss Rechenberg auf. In der Stimpfacher Gemeinderatssitzung im Juni kündigte Rosner an, „im Sinne der Gemeinde“ nach einem Käufer zu suchen. Die Gemeinde hatte zuvor für viel Geld die Zufahrtsstraße gerichtet.

Timo Fuchs ist neuer Ortsvorsteher im Stimpfacher Teilort Rechenberg.

Warten, bis einer anbeißt

Bisher verhielt es sich beim Landesverband Baden-Württemberg, wenn es Objekte zu veräußern galt, wie mit den Anglern in Rechenberg am Mühlweiher: einfach warten, bis einer anbeißt. Normalerweise ging das relativ schnell, und so lassen sich dann Maklergebühren sparen. Weil bei diesem Schloss aber immer noch keiner angebissen hat, soll nun eine „Spezialimmobilienfirma“ eingeschaltet werden, verrät Rosner. Eine, die sich auf historische Immobilien spezialisiert hat.

Eine versteckte Verkaufsanzeige findet sich bereits auf der Verbands-Homepage. Darin heißt es: „Die Jugendherberge liegt über einem Weiher am ­Rande eines Naturschutzgebietes 4,5 Kilometer vom Bahnhof Jagstzell im Dreieck der Städte Crailsheim, Dinkelsbühl und Ellwangen.“ ­Beworben werden 100 Betten, 18 Zimmer, eine kleine Disco, Tischtennisplatten, Tischkicker. Baujahr des Objektes: Mitte 12. Jahrhundert. Nutzfläche: 1200,  Grundstücksfläche: 8300 Quadratmeter. Verkaufspreis? Den gibt es erst auf Anfrage.

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