Pro/Contra Steuergeld „verspielt“?

Auf der Gamescom treffen sich jedes Jahr Abertausende von begeisterten Zockern. So auch vergangene Woche.
Auf der Gamescom treffen sich jedes Jahr Abertausende von begeisterten Zockern. So auch vergangene Woche. © Foto: dpa
Kreis Hall / swp 31.08.2018
Bei Pro/Contra prallen Meinungen aufeinander. Dieses Mal: staatliche Förderung der Spieleentwicklung - ja oder nein?

Im Zuge der Gamescom haben sich deutsche Politiker dafür ausgesprochen, die Spieleentwicklung finanziell zu fördern. Wäre das sinnvoll? Bei uns haben HT-Praktikant Tobias Haase und HT-Onlineredakteur Nico Pannewitz über das Thema diskutiert. Wem stimmen Sie mehr zu? Geben Sie unten Ihre Stimme ab!

PRO

© Foto: Jens Sitarek

Tobias Haase (HT-Praktikant in Crailsheim): In der Gesellschaft ist längst ein Umschwung zu beobachten, die Politik muss nachziehen. Wenn man sich die globale Liste der umsatzstärksten Computerspiele anschaut, sucht man vergeblich nach deutschen Titeln. Wir geben uns mit dem zufrieden, was in Übersee veröffentlicht wird. China, Japan und die USA dominieren den Markt.

Mittlerweile beschränkt sich die Zielgruppe nicht mehr auf Jugendliche und Kinder. Immer mehr Erwachsene nehmen einen Controller in die Hand oder spielen auf ihrem Smartphone. Im Bildungsbereich gibt es mehr digitale Angebote durch „Gamification“, also komplexe Inhalte spielerisch vermittelt. Glaubt man dem Branchenverband „Game“, so würden 50 Millionen Euro an Investitionen für rund 90 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen sorgen.

Eine Förderung, wie sie hierzulande die Filmindustrie erhält, gibt es bislang nicht. Auch digitale Spiele haben künstlerische und kulturelle Aspekte. Ob die deutschen Entwickler jedoch mit der Konkurrenz mithalten können, bleibt weiter fraglich.

CONTRA

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Nico Pannewitz (HT-Onlineredakteur in Crailsheim): Der deutsche Staat will also die Spielentwicklung finanziell fördern, um (hauptsächlich) mit dem amerikanischen Markt mithalten zu können. Aha. Deutsche Filme sind nach wie vor meilenweit davon entfernt, mit der amerikanischen Filmkunst und Tragkraft mithalten zu können, obwohl der Staat die Filmproduktion schon seit Langem finanziell fördert.

Hochqualitative Spiele und Filme sind eben nicht nur eine Sache des Geldes, sondern auch eine Sache von flexiblen Wirtschaftssystemen ohne große staatliche Einmischung und kreativer Arbeitsphilosophie. Damit kann das starre Bürokratendeutschland im Gegensatz zu einem Silicon Valley oder Hollywood nicht gerade glänzen.

Deutschland sollte als ehemaliges Land der Dichter und Denker lieber den Fokus auf generelle Bildung, Forschung und Innovation statt auf Unterhaltung legen. Und erst mal flächendeckend schnelle Internetverbindungen bereitstellen – diese würden nämlich sowohl (Online-)Spieleentwicklern und Spielern als auch Nicht-Spielern zugutekommen.

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