Als es um die Abstimmung zum Bürgerentscheid geht, beantragt Matthias Strasser „als dienstältester Gemeinderat“ geheime Abstimmung. „Denn es hat sich gezeigt, dass es Anfeindungen gab.“ Mit anderen Worten: In Bölgental schlagen die Wogen hoch, der Steinbruch lässt die Nerven blank liegen. Es gibt Anschuldigungen, Drohungen und anonyme Briefe. Einer dieser Briefe wurde der Polizei bereits angezeigt, teilte der Sprecher der Polizeidirektion Aalen, Ronald Krötz, mit. Ihn soll jetzt die Staatsanwaltschaft prüfen.

Ein anderer anonymer Brief erreichte Gemeinderätin Brunhilde Klingler. Sie las ihn in der öffentlichen Sitzung vor. „Schön + Hippelein-Arschkriecher sollen aus der Gemeinde verschwinden“, heißt es darin unter anderem.

Auch andere Gemeinderäte haben Briefe bekommen, „ich kann gleich einige vorlegen“, sagt Stephanie Rein-Häberlen. „Ich hatte auch schon einen tätlichen Angriff auf mich.“ – „Dabei ist das keine Art“, sagt Gemeinderat Wilhelm Beck. „Wir sollten mit Respekt miteinander umgehen. Jeder hat Gründe für seine Meinung. Die sollte man respektieren.“ Auch Gemeinderätin Klingler unterstützt die geheime Abstimmung: „Wir müssen uns schützen vor den Angriffen, die wir im Briefkasten haben.“

Dem stellt sich Stephanie Rein-Häberlen entgegen: „Ich finde, die Gemeinderäte sollen sich positionieren. Die Bürger wollen wissen, wie wir abstimmen, um Lager zuordnen zu können.“ Ratsmitglied Strasser stört sich dann allerdings am Begriff „Lager“: „Wir nehmen die Belange aller Bürger sehr ernst.“

Als die Räte über die geheime Wahl abstimmen, ist das Ergebnis klar: Zehn sprechen sich dafür aus, sechs dagegen – eine Enthaltung. Die Verwaltung hat Urne, Wahlkabine und Stimmzettel vorbereitet. „Demokratie ist nicht immer einfach“, sagt Kurt Wackler. „Aber wir haben nichts Besseres.“