Um exakt 18.48 Uhr verkündet Gemeindewahlleiter Thomas Franz das Ergebnis im gut gefüllten Foyer des Rathauses – mit einem Unterschied im Vergleich zum ersten Wahlgang vor zwei Wochen: die Reihenfolge. „Wenn man oben anfängt, hört keiner mehr zu“, sagt Franz. Und deswegen geht es diesmal von unten los. Den Anfang macht Michael König mit 0,5 Prozent der Stimmen. Dann ist Ulrike Rehfeld dran, sie stürzt von 14,4 Prozent im ersten Wahlgang auf 1,2 Prozent ab. Ralf Garmatter kann die 23,7 Prozent vor zwei Wochen nicht bestätigen, kommt lediglich auf 14,4. Dritter am Ende: Martin Blessing mit 21,3 Prozent. Und jetzt wird es so richtig spannend – Sandra Bonnemeier: 28,5 Prozent. Und dann: Stefan Ohr, alter und neuer Bürgermeister: 34,1 Prozent. Diesmal reicht die einfache Mehrheit, puh. Im Vergleich zum ersten Wahlgang (38,8 Prozent) hat er leicht verloren.

Die Erleichterung ist Ohr anzusehen. Er sucht die Hand seiner Frau und nimmt sie in den Arm. „Es war die schwierigste Zeit für mich in den letzten acht Jahren“, sagt der 47-Jährige, und: „Ich werde mich bemühen, für Kirchberg weiter ein guter Bürgermeister zu sein.“ Ohr wurde für acht Jahre wiedergewählt. Bei seinen Konkurrenten bedankt er sich für einen fairen Wahlkampf und natürlich bei seinen Helfern, ganz besonders seiner Frau. „Sie haben eine super Bürgermeister-Gattin“, findet Ohr.

Sechs Prozent fehlen zum Sieg

Die knapp unterlegene Sandra Bonnemeier, die erst im zweiten Wahlgang antrat, nimmt die Niederlage gelassen. „Ich weiß ja, wie sich das mit vier Stimmen anfühlt“, sagt sie und lacht. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass sie im Februar in Niederstotzingen mit eben diesem Unterschied verlor. Vier Stimmen. Jetzt sind es knapp sechs Prozent der Stimmen, die zum Sieg fehlen. Aber darauf, dass sie in zwölf Tagen mehr als 28 Prozent erreicht hat, ist sie schon ein bisschen stolz, wie sie sagt.

Martin Blessing hat sich mehr versprochen als die 21,3 Prozent, die auf dem Zettel stehen, „um Kirchberg gestalten zu können“. Die Niederlage ändert an seinem Engagement im Gemeinderat nichts. „Ich bringe mich weiter ein“, so Blessing. Er ist gespannt, was Bürgermeister Ohr jetzt anders macht.

Für Ralf Garmatter steht fest: „Der Bürgermeister wurde von 66 Prozent der Wähler nicht gewählt. Darüber sollte er nachdenken. Sein Glück war, dass es im zweiten Wahlgang zu viele Kandidaten gab.“ Dass diese sich gegenseitig die Stimmen wegnahmen, liegt nahe. Garmatter ist überzeugt, dass Blessing das Zünglein an der Waage war, der hätte „mit seiner Kandidatur erst im zweiten Wahlgang den fälligen Wechsel verhindert“.

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