Während in anderen Gemeinden das Thema Asylpolitik für heiße Diskussionen sorgt, gehen die Mainhardter Bürger damit sehr moderat um. Das zeigt sich beim Bürgerforum, zu dem Verwaltung und Gemeinderat vergangenen Mittwochabend in die Mainhardter-Wald-Halle eingeladen haben. Ziel ist es, die Bürger über den derzeitigen Stand der Unterbringung von Flüchtlingen zu informieren, einen Freundeskreis Asyl zu gründen sowie für Wohnraum zu werben.

Die Gemeinde hat mit Asylbewerbern bereits sehr gute Erfahrungen gesammelt. "Vor 15 Jahren hatten wir einen kleinen Freundeskreis Asyl in Mainhardt", erzählt Harald Huber. Es seien damals drei Familien betreut worden, Kurden und Kosovo-Albaner. "Die Flüchtlinge haben sich so gut integriert, dass einige Kinder sogar das Abitur gemacht haben", erzählt der Senior. Alle hätten Arbeit gefunden, und zwei Familien würden heute ein Eigenheim besitzen. Es seien gute Beispiele, wie gut Integration funktionieren könne, wenn alle zusammen helfen, betont der 84-Jährige.

Derzeit lebt eine alleinerziehende Mutter aus Mazedonien mit ihren vier Kindern in der Wohnung des Kindergartens in Lachweiler. Die Gruppe "Frauenpower" hat sich ihrer bereits angenommen und unterstützt, wo es möglich ist. Doch es werden weitere Flüchtlinge erwartet, wie Bürgermeister Damian Komor die rund 70 Bürger beim Forum informiert. Die Zahl könne in den nächsten Jahren auf bis zu 50 Personen steigen.

Martina Steinecke, Leiterin des Dezernats Recht und Ordnung am Landratsamt Schwäbisch Hall, macht deutlich, wie dramatisch sich die derzeitige Flüchtlingssituation im Landkreis zuspitzt. "Die neueste Zahl für Juli ist 158 Personen", berichtet Steinecke und fügt hinzu: "Da hat uns der Schlag getroffen."

Für den Landkreis bedeutet das, dass er diese Anzahl von Personen in nur einem Monat unterbringen muss. Ausgegangen sei man von 70 bis 80 Personen pro Monat, so Steinecke. Zum Vergleich: 2013 waren es im gesamten Jahr 355 Flüchtlinge.

"Wir können kein Konzept entwickeln und sagen, so bringen wir die Asylanten unter", erklärt Komor. Dies müsse immer situationsbedingt geschehen. Der Gemeinderat habe es sich nicht einfach gemacht, sich aber schließlich einige Varianten überlegt. "Wir wollen eine dezentrale Struktur in Mainhardt schaffen", so der Bürgermeister.

Die gemeindeeigenen Gebäude seien bereits in Betracht gezogen worden, doch sei der finanzielle Aufwand für die Renovierung und Sanierung sehr groß. "Eine Möglichkeit ist, das Pfarrhaus in Geißelhardt anzumieten", stellt Komor in Aussicht. In der Wohnung im Kindergarten Lachweiler könnten noch weitere Flüchtlinge aufgenommen werden, jedoch nur mit gleicher Familienstruktur wie die derzeitigen Bewohner. Wichtig ist Komor, dass auch aus der Bevölkerung Wohnangebote kommen. Daher richtet er seinen Appell an die Anwesenden. "Wir wollen diese Dezentralisierung versuchen, wir wollen sie erreichen", betont er.

Ein weiterer Punkt, der ihm am Herzen liegt, ist die Gründung eines neuen Freundeskreises Asyl. Die enge Zusammenarbeit mit dem Rathaus wäre dabei wichtig, so Komor. "Gemeinsam erreichen wir etwas und können viel Negatives aus dem Weg schaffen", ist er sich sicher.

Als Keimzelle dieses Freundeskreises kommt wie bereits vor 15 Jahren Harald Huber in Frage. Komor an Huber: "Sind Sie bereit, das in die Hand zu nehmen?" Seine Frau habe ihm gesagt, er solle nicht wieder mit einem Amt nach Hause kommen, kontert Huber. Aber dann müsse er halt woanders Abstriche machen.

Komor möchte sich nur als Schnittstelle sehen und verspricht, dem Freundeskreis freie Hand zu lassen. Rund 20 Bürger zeigten bereits Interesse.