Immer den Kreis entlang heißt es in der Carl-Julius-Weber-Halle. Auf direktem Wege über den Hof zur Eingangstür wird an diesem Tag keinem Spendenwilligen der Zutritt zur Kupferzeller Mehrzweckhalle gewährt. Der Gang durch eine Art Sicherheitsschleuse ist für jeden ein Muss. Fiebermessen, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und der Nachweis zur Nachverfolgung einer möglichen Corona-Infektion sind ebenso für jeden Besucher Pflicht.
Zur Typisierungsaktion für potentielle Stammzellen-Spender zugunsten des an Leukämie erkrankten Kupferzellers Timo Petkovic hat der Weingartener Verein Blutev aufgerufen. „Das ist jetzt schon die zweite Aktion, die wir seit der Ausrufung der Corona-Pandemie organisieren konnten“, erklärt Blutev-Geschäftsführerin Susanne Bogner. Die Resonanz der Aktion sei vielversprechend. „50 Registrierungen in der ersten Stunde – das ist schon richtig gut. Mein persönliches Wunschziel liegt bei 100“, meint die 52-Jährige.

Schwäbisch Hall

Schon zu Beginn hat sich Anja Sahm typisieren lassen. „Es wäre wünschenswert, wenn man auf diesem Weg Timo Petkovic bei seiner Heilung unterstützen könnte“, meint die Kupferzellerin, deren Tochter Pauline mit Petkovics zehnjährigem Sohn dieselbe Schulklasse besucht. Die wesentlichen Informationen über potentielle Spender wie Sahm würden der Datenbank des Zentralen Knochenmarkspender-Registers (ZKRD) mit Sitz in Ulm übermittelt, erläutert Bogner. Ebenso wie die Neu-Registrierungen von weiteren Personen im Alter von 17 bis 45, die sich in Kupferzell typisieren lassen würden.
Schon am Empfang klärt Blutev-Mitarbeiter Peter Stadtherr die Besucher darüber auf, ob sie überhaupt als Knochenmarkspender infrage kommen und wie im Falle einer anstehenden Stammzellen-Spende das medizinische Prozedere verläuft. Dann erst geht es für die Spendenwilligen in die weitläufige Halle, um sich dort im Eingangsbereich registrieren zu lassen.

Familie nimmt Zettel entgegen

Der 26-jährige Kupferzeller Philipp Ilzhöfer sitzt bereits an einer der acht Stationen zur Blutentnahme und sieht dabei zu, wie Krankenpfleger und Blutev-Mitarbeiter Mike Mudat fachgerecht rund vier Milliliter Blut aus seiner Armbeuge entnimmt. Die Blutprobe wandert anschließend in ein mit Blutgerinnungsmittel präpariertes Röhrchen.
Die Türkontrolle am Ausgang ist ganz in der Hand der Familie von Timo Petkovic. Dort nehmen dessen Ehefrau Andrea sowie Timos Bruder Alexander mit Ehefrau Nicole gegen ein süßes Dankeschön die Laufzettel der Besucher zur Corona-Infektionsnachverfolgung entgegen.
Was bedeutet die heutige Typisierungsaktion für die Ehefrau? „Viel Stress und Hoffnung zugleich“, meint die 34-Jährige. Lange habe sie nach einem Verein suchen müssen, der trotz Corona-Pandemie eine Typisierungsveranstaltung durchführen würde. „Blutev war der einzige Verein, der bereit war, ohne Wangenabstrich zu arbeiten“, erklärt sie. Und auch die Blutev-Geschäftsführerin hätte zunächst wegen der Hygiene-Auflagen Bedenken geäußert. Nachdem jedoch im pfälzischen Jockgrim ein Typisierungsaufruf ohne Beanstandungen abgelaufen sei, hätte der Verein die Kupferzeller Aktion angeleiert. Sofort seien Bürgermeister Christoph Spieles und der Ortsverein des DRK mit im Boot gewesen, meint Andrea Petkovic dankbar.
Die Chance, weltweit mittels Spender-Datenbank einen genetischen Zwilling zu finden, liege bei 80 Prozent. Vor sechs Jahren habe ihr Mann selbst Knochenmark gespendet, erzählt sie. „Es handelte sich um eine Frau aus Frankreich“, das seien die einzigen Informationen gewesen, die ihr Mann zu seinem genetischen Zwilling bekommen hätte. „Seit dem 28. Mai dieses Jahres wird nach einem Spender für Timo gesucht. Die Suche kann jedoch zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen.“

Ähnliche Gewebemerkmale ermöglichen Heilung


Adulte Stammzellen finden sich in zahlreichen Geweben und Organsystemen des Körpers. Sie haben die Fähigkeit, eine Vielzahl von ausdifferenzierten Zelltypen zu bilden. Blutzellbildende Stammzellen befinden sich vorrangig im Knochenmark und sind für die ständige Erneuerung der roten beziehungsweise weißen Blutkörperchen verantwortlich. Bei Menschen mit schweren Blutkrankheiten wie Leukämie (Blutkrebs) ist die Blutbildung gestört. Die bei dem Krankheitsbild erforderliche Chemotherapie jedoch vernichtet nicht nur die Krebszellen, sondern zerstört auch die körpereigenen, blutbildenden Stammzellen. Die Transplantation von blutzellbildenden Stammzellen eines Spenders, die ähnliche Gewebemerkmale aufweisen wie die Stammzellen des Empfängers, ermöglicht die Heilung von der Leukämie. rev