Crailsheim Stadtteil mit viel Grün und wenig Parkplätzen

Für Norbert Oelke ist der Gründungsstein vor dem Bürgertreff in der Wolfgangstraße der Mittelpunkt des Stadtteils. Der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Roter Buck zählt für das HOHENLOHER TAGBLATT die Vor- und Nachteile des Viertels auf.
Für Norbert Oelke ist der Gründungsstein vor dem Bürgertreff in der Wolfgangstraße der Mittelpunkt des Stadtteils. Der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Roter Buck zählt für das HOHENLOHER TAGBLATT die Vor- und Nachteile des Viertels auf. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 21.06.2018
Der Rote Buck ist ein Stadtteil, in dem es sich vor allem gut leben lässt. Drei Stadträte und ein Vereinsvorsitzender sprechen über die Stärken und Schwächen.

Seit Norbert Oelke 15 Jahre alt ist, lebt er auf dem Roten Buck. Seine Eltern kauften hier damals eine Eigentumswohnung. „Die Renovierung der Wohnung war meine erste Malerarbeit“, erzählt der 58-Jährige, der später Maler und Lackierer wurde und inzwischen Angestellter bei der Bundeswehr ist. In seiner Freizeit engagiert er sich für den Verein Bürgergemeinschaft Roter Buck, dessen Vorsitzender er ist. „Es war eine gute Entscheidung, hierher zu ziehen“, sagt Oelke. „Hier kann man ruhig wohnen, ist nah an der Stadt und rundherum gibt’s viel Grün. Herrlich.“

So wie Oelke denken auch die drei Stadträte Uwe Berger (50), Roland Klie (50) und Klaus-Jürgen Mümmler (55), die sich ebenfalls alle in der Bürgergemeinschaft engagieren. Müm­mler zum Beispiel ist auf dem Roten Buck aufgewachsen und obwohl er seit 13 Jahren in Beuerlbach wohnt, fühlt er sich dem Stadtteil noch immer sehr verbunden. Er ist Gründungsmitglied der Bürgergemeinschaft und bis heute Mitglied des Vorstands. Uwe Berger war lange Jahre Vorsitzender des Vereins, Roland Klie ist stellvertretender Vorsitzender. Allen vieren liegt der Stadtteil besonders am Herzen.

Engagement geht zurück

In den letzten Jahren beobachten sie mit Bedauern, dass die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement und besonders die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, immer weiter zurückgehen. „Es sind immer dieselben Leute, die sich einbringen und mithelfen“, berichtet Uwe Berger. „Im letzten Jahr haben wir unser Straßenfest, das früher zwei Tage dauerte, auf einen Tag reduziert – aus Mangel an Helfern.“ Trotzdem bleibt das Fest einer der Höhepunkte im Stadtteilleben.

Auf dem Roten Buck macht sich ein Generationenwechsel bemerkbar. „Es gibt wieder viele Kinder“, beobachtet Berger und macht dafür unter anderem das kleine Neubaugebiet im Westen verantwortlich. Die Kindergartengruppen sind ausgelastet, eine Reihe von Kindern besucht den Kindergarten in Beuerlbach. Mit dem geplanten Umzug des Kindergartens in die Paul-Gerhardt-Kirche wird es weitere Betreuungsplätze auf dem Roten Buck geben. Berger: „Das ist sicher vorteilhaft für den Stadtteil.“

Als Nachteil dagegen wertet Roland Klie, dass es auf dem Roten Buck keine Schule gibt. „Somit haben wir leider auch keine Sporthalle.“ Gäbe es eine Halle, davon ist Klie überzeugt, hätte sich hier eine Vereinslandschaft entwickelt. So jedoch ist der 1981 gegründete Nachbarschaftsverein der einzige geblieben. Um dennoch sportliche und gesellschaftliche Angebote machen zu können, wurde 1991 der Bürgertreff gebaut, der von verschiedenen Gruppen rege genutzt wird. Außerdem gibt es einen großen Spielplatz und einen Bolzplatz, auf dem die Bürgergemeinschaft in den 1980er- und 1990er-Jahren legendäre Fußballturniere veranstaltete.

Der Rote Buck zählte in seinen besten Zeiten mehr als 4000 Einwohner. Heute sind es rund 3300, die Tendenz ist wieder steigend. Für Roland Klie ist das genau die richtige Größe: „Man fühlt sich nicht so beobachtet wie auf dem Dorf, ist aber doch nicht ganz ano­nym. Das hat Charme.“

„Die Wohnbebauung zeichnet sich durch eine gute Mischung aus“, sagt Uwe Berger. Im Zentrum des Stadtteils gibt es Geschosswohnungen mit bezahlbaren Mieten, darum herum schließen sich Einfamilienhäuser an.

Problematisch sind jedoch die fehlenden Parkplätze. „Bei der Planung dachte niemand daran, dass jeder Haushalt einmal zwei Fahrzeuge haben würde“, erinnert Berger. Inzwischen sind einige Straßen so zugeparkt, dass der Stadtbus Probleme hat, durchzukommen. Klie: „Am Wochenende parken noch zusätzlich Lkw im Wohngebiet.“

Es gibt im Viertel ein kleines Einkaufszentrum, doch verhindert die Nähe zu den großen Märkten und Geschäften in der Haller Straße und den Hirtenwiesen, dass sich weitere Läden ansiedeln. „Für alte Menschen ist das ein Problem, wenn es immer weniger Geschäfte auf dem Roten Buck gibt“, sagt Klaus-Jürgen Mümmler.

Andererseits hat der Stadtteil etwas zu bieten, wovon viele andere nur träumen können: eine Hausarztpraxis, in der die Nachfolge gesichert ist. Einen Zahnarzt und einen Physiotherapeuten gibt es auch. „Unterm Strich sind wir gut aufgestellt“, stellt Norbert Oelke fest. „Da kann man nicht klagen.“

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