Die landläufige Meinung lautet: Jede Studie zeigt als Ergebnis das, was ihr Auftraggeber von ihr verlangt. Ganz entgegen dieser Annahme ist die Studie über die Verlängerung der Heilbronner Stadtbahn bis Hessental, Sulzdorf und Künzelsau ausgefallen. Gestern wurde sie in einer gemeinsamen Sitzung der beiden Kreistage in Waldenburg präsentiert.

Der Kreis Hall und der Hohenlohekreis hatten das Werk in Auftrag gegeben, in der Hoffnung, Argumente für die Verlängerung der Stadtbahn zu erhalten. Sie wurden enttäuscht. Allerdings bleibt ein Trost: Die Experten halten es für sinnvoll, mehr Züge zwischen Hall und Heilbronn fahren zu lassen.

"Wir dürfen uns aber keine Hoffnung auf Zuschüsse für eine Elektrifizierung machen", sagt Udo Sparmann von der Firma Transport, Technologie und Consulting in Karlsruhe. Er hat fünf Ausbau-Varianten untersucht. Die Problemstellung: Die Stadtbahn Heilbronn wird mit Strom angetrieben, sollte sie bis Hessental fahren, müssten an der Strecke Oberleitungen angebracht werden. Kostenpunkt: 30 oder 40 Millionen Euro, je nach dem Ausbaustandard, den man wählt.

Die Rechnung sei an sich einfach, stellt Sparmann am Anfang seines Vortrags klar. Die Kosten für Elektrifizierung, neue Haltestellen, neue Wagen und ähnliches werden summiert. Dem wird der Nutzen gegenübergestellt. Der errechnet sich aus der Verkürzung der Reisezeit, ökologischen Vorteilen und so weiter - hier wird die Rechnung kompliziert, weil alles mit einem Euro-Betrag versehen wird. Die Landesregierung fördere nur Projekte, bei denen der Nutzen gegenüber den Kosten überwiege.

Bisher ist die Strecke von Heilbronn nur bis Öhringen-Cappel elektrifiziert. Bis dorthin fährt die Stadtbahn. Das tue sie erfolgreich, wie der Hohenlohe-Landrat Helmut Jahn betont. Statt einst 2000 Bahnfahrgäste pro Tag, steigen nun dank der Stadtbahn 13000 ein. Kann dieser Erfolg wiederholt werden? Nein, sagt Udo Sparmann. Er rechnet vor, dass eine Steigerung der Fahrgäste um 50 Prozent (also 540 Fahrten mehr am Tag) bis Hall nötig seien. Durchs neue Angebot seien nur 44 Prozent Steigerung zu erwarten.

Kreisräte, Bürgermeister und Abgeordnete waren still im Saal: Die Stadtbahn soll bei den Fahrgastzahlen an 6 Prozentpunkten scheitern? Befürworter wie Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim fragten nach: "Auf welcher Grundlage wurden das prognostiziert?"

Es seien alles sehr positive Annahmen, stellte der Experte Sparmann klar. Komme es zum Schwur, müssten sich die Pläne härteren Vergleichen stellen und würden scheitern.