Ilshofen Spektakulär auf zweiten Blick

Ein Ungetüm mit zunächst nicht offensichtlichen Qualitäten: die Erdfräse. Mit diesem Gerät werden Schlitze gefräst, in die geothermisch wirkende Kunststoffleitungen nicht vertikal, sondern horizontal verlegt werden. Foto: Mathias Bartels
Ein Ungetüm mit zunächst nicht offensichtlichen Qualitäten: die Erdfräse. Mit diesem Gerät werden Schlitze gefräst, in die geothermisch wirkende Kunststoffleitungen nicht vertikal, sondern horizontal verlegt werden. Foto: Mathias Bartels
Ilshofen / MATHIAS BARTELS 27.03.2012
Eine klare Ausrichtung auf das weite Feld alternativer Energie tut der "Halei" sicher gut. Genau das strebt "Messe-Macher" Hans-Peter Koppenhöfer auch an. Beispiele fanden sich heuer genug - eher im Verborgenen.

Wirklich spektakulär ging es auch in der Messehalle 3 nicht zu, obwohl gerade dort Beispiele zuhauf für neueste Entwicklungen regenerativer Energienutzung zu sehen waren - auf den zweiten Blick. Wer sich mit dem umtriebigen Edwin Kraus, Geschäftsführer der S + K GmbH in Rot am See, unterhält, bekommt einen Eindruck davon, dass der Mann nicht nur weiß, wovon er redet, sondern dass er geradezu einen "Generalplan" zu besitzen scheint. Sein Konzept verschiedenster Ansätze greift Rädchen für Rädchen wie in einem Getriebe ineinander.

"Energie vom Land" etwa ist Edwin Kraus neuestes Projekt. Zusammen mit Roland Diehm - die beiden formten dafür eigens die Diekra GmbH - vermarktet er innovative Produkte mit ökologischem Nutzen. Nicht nur, dass sich die beiden für den Einsatz relativ neuer Techniken wie transportable Pelletierung, Holzverstromung und Biomasseverbrennung einsetzen und quasi "nebenbei" für den Anbau von Riesenknöterich ("Edybus") als Energiepflanze werben, sie präsentieren zugleich ihre Ideen für ein geplantes Bio-Energie-Dorf, das wirklich nahezu alle zur Verfügung stehenden Alternativ-Techniken vereint.

Das Konzept "vom Acker bis zur Steckdose" hat sogar den Dokumentarfilmer Carl-A. Fechner auf Hohenlohe aufmerksam gemacht (das HT berichtete gestern). Sein nächster Film, der 2013 fertiggestellt sein soll, beleuchtet gerade die Energiewende auf dem Land - bei uns. Sein Ansprechpartner, wen wunderts: Edwin Kraus aus Rot am See.

Hinter der Idee von der Biomassenutzung steckt System. Durch die Ausweitung auch auf die Verwertung landwirtschaftlicher Nebenprodukte - zum Beispiel Stroh, das neuerdings problemlos mobil pelletiert werden kann - könnte langfristig vielleicht sogar der Bodenspekulation Einhalt geboten werden. Blockheizkraftwerk, Biogasanlage, Nahwärmenetz, Solar- und Geothermie, Fotovoltaik und Wind arbeiten im Modell "Energie vom Land" Hand in Hand.

Der Einsatz mobiler Pelletieranlagen könnte Landwirten zusätzliches Einkommen verschaffen - wie übrigens auch das Produkt der Wegscheid GmbH von Walter Schäftl. In seiner Anlage erkennen Experten leicht das (uralte) Vorbild Holzvergaser. Nach diesem Prinzip wurden nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Öl knapp war, nicht zuletzt ungezählte Lastwagen angetrieben. Schäftl gewinnt seine Energie CO2-neutral. Er hat sein Produkt über Jahre zur Serienreife weiterentwickelt. Es kann mit verschiedensten nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden.

Oder das Beispiel Erdfräse: Das "Ungetüm" steht ebenfalls auf der "Halei". So mancher Messebesucher dürfte sich gefragt haben, was das soll. Ganz einfach: Die Idee hinter dieser Maschine ist, statt Erdwärme vertikal aus bis zu 70, 80 Metern Tiefe zu holen, sie horizontal zu "ernten" - in etwa zwei bis drei Metern im Erdreich. "Mit dem gleichen Effekt", weiß Edwin Kraus, "aber weit weniger aufwendig." Natürlich ist dazu Fläche nötig, das weiß auch der Unternehmer. Deshalb ist dieses System auch eher was für Landwirte als für Privatleute mit ihrem 700-Quadratmeter-Garten.

Dass Kraus und sein Team von inzwischen 45 Mitarbeitern an ihrem S + K-Stand auch Vollbrennwertkessel präsentieren, versteht sich von selbst. Das ist schließlich immer noch ein Kerngeschäft des Pioniers, der schon vor 30 Jahren auf alternative Energiegewinnung gesetzt hat und seinerzeit oft belächelt wurde.

"Weg vom Öl", aber auch weg von Gas und Kohle, vor allem aber weg vom Atom: Das ist die Botschaft der regionalen Energieerzeuger. Prominente Unterstützung erhielten sie am Wochenende vom Publizisten Dr. Franz Alt. Der frühere Report-Moderator setzt seit Jahren auf Sonnenkraft, die "der ganzen Menschheit unbegrenzt zur Verfügung steht". Natürlich, so Alt, sei das nicht im Interesse der Energie-Multis. Sein Gegenentwurf setzt auf dezentrale, regionale Versorger. Da ist er sich mit Edwin Kraus einig.