Die Zahlen könnten nicht besser sein. "Wir haben beim Milchauszahlungspreis, Umsatz und Ergebnis die Spitzenwerte des Vorjahres deutlich übertroffen", sagt Martin Boschet von der Hohenloher Molkerei. Die abgelieferte Menge von 339,1 Millionen Kilogramm der 1514 Milchbauern brachte einen Umsatz von 181,2 Millionen Euro bei einem Bilanzgewinn von 0,55 Millionen Euro.

Rund 400 Milchbauern kamen am vergangenen Dienstag zur Generalversammlung in die Haller Hagenbachhalle und vor ihnen zeichnete Martin Boschet ein düsteres Zukunftsbild. Die private Nachfrage nach Milch und Milchprodukten in Deutschland "entwickelt sich seit 2006 negativ". Sorgen bereitet dem geschäftsführenden Vorstand zudem, dass weltweit immer mehr Milch produziert wird. Anfang Mai hat die UN-Organisation FAO für 2012 einen Anstieg der weltweiten Milchproduktion um 2,7 Prozent auf 750 Millionen Tonnen prognostiziert. Schon heute unterliege die Milchwirtschaft "voll dem Weltmarkt", rund die Hälfte der in Deutschland produzierten Milch werde im Ausland verkauft.

Steigende Produktion, das bedeutet sinkende Preise. Das freut zwar die Verbraucher, treibt den Milchbauern aber die Sorgenfalten auf die Stirn. 0,75 Euro koste ein Päckchen Butter heute, 14 Cent weniger als noch im April, 40 Cent weniger als im November 2011. Ein "Desaster", bewertet dies Boschet. Sorge bereitet ihm die Konzentration. "Der Ausverkauf der deutschen Milchwirtschaft hat längst begonnen", sagt er. Am Dienstag hat der skandinavische Molkereikonzern Arla Foods die deutsche Milch-Union Hocheifel sowie die britische Milk Link geschluckt und ist damit drittgrößte deutsche Molkerei.

Noch hält die Hohenloher Molkerei dagegen: Sie steht "bilanziell und finanziell auf gesunden Beinen, völlig eigenfinanziert und frei in ihren Entscheidungen", betont Vorstandsvorsitzender Reinhold Höfle. Mit dem Bilanzgewinn werden die Rücklagen gestärkt.