Solidarität so bunt wie ein Regenbogen

Anwohner, Bundeswehr und Helfer schleppen und stapeln in Wust (Sachsen-Anhalt) Sandsäcke, um den Ort gegen Hochwasser zu schützen. Foto: Ole Spata/dpa
Anwohner, Bundeswehr und Helfer schleppen und stapeln in Wust (Sachsen-Anhalt) Sandsäcke, um den Ort gegen Hochwasser zu schützen. Foto: Ole Spata/dpa
SWP 15.06.2013
Gedanken zum Sonntag von Pastoralreferent Wolfram Rösch von der Kirchengemeinde St. Markus in Schwäbisch Hall.

Gewaltige Wassermassen halten Deutschland bereits seit einigen Wochen in Atem. Während im Süden des Landes die ersten Aufräumarbeiten begonnen haben, stehen viele Menschen im Norden noch vor der gewaltigen Aufgabe, die Fluten in den Griff zu bekommen. Nicht immer gelingt das, und so versinken innerhalb weniger Stunden ganze Stadtteile im Wasser.

Menschen sind den Naturgewalten ohnmächtig ausgeliefert. Sie müssen erleben, wie das Wasser alles zerstört: persönliche Erinnerungsstücke, Lebensräume, Heimat. Am Ende sind da nur noch Schlamm und eine stinkende Brühe, von den Umweltbelastungen, die das Wasser mit sich transportiert, ganz zu schweigen.

Man mag einwenden, dass es in Deutschland schon immer Hochwasser gab, was die Markierungen in vielen Städten eindrucksvoll zeigen. Manche Probleme sind vielleicht hausgemacht: Versiegelung vieler Flächen, die das Wasser hätten speichern können, fehlende Ausbreitungsmöglichkeiten und die hohe Fließgeschwindigkeit der begradigten Flüsse. Dazu kam noch die Wetterlage im Mai mit dem vielen Regen und das Unglück war da. Doch hilft das weiter? Zwar wird es weiterhin Verbesserungen im Hochwasserschutz geben müssen, aber eine vollständige Sicherheit wird es nie geben. Für viele Geschädigte sind jetzt aber andere Dinge wichtiger. Sie stehen vor dem Nichts und müssen den Neuanfang wagen.

Wenn man die Bilder der Wassermassen sieht, kommt einem schnell die biblische Erzählung von der großen Flut in den Sinn. Bei allen Schwierigkeiten, die der Text hervorruft, wie ein dunkles Gottesbild und die Frage, ob das wirklich so war, endet der Text positiv. Am Schluss steht nicht die Vernichtung und Zerstörung, sondern das neue Leben. Bleibendes Zeichen dafür ist der Regenbogen, den die Menschen über dem Wasser sehen.

Bunt wie bei einem Regenbogen sieht es zurzeit in den Hochwassergebieten aus. Verschiedene Menschen helfen zusammen: Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz, Wasserwacht und andere Rettungsorganisationen. Studenten und Schüler, die sich über Facebook verabredet haben, schaufeln Sandsäcke. Professoren und einfache Arbeiter kehren gemeinsam die Straßen. Punks, Leute aus nicht betroffenen Gebieten, Polizisten und Soldaten verstärken die Deiche oder pumpen Keller leer. Andere bringen einfach etwas zu essen vorbei. Sie alle spüren, dass jeder mithelfen und seine Fähigkeiten einbringen kann.

Es wird sicher nicht das letzte schlimme Hochwasser in Deutschland sein. Bei vielen Menschen werden die Wochen im Gedächtnis bleiben und sie erinnern sich an das, was sie durchmachen mussten und verloren haben.

Daneben wird aber auch die Erfahrung stehen, dass Menschen auf einmal Solidarität und Tatkraft erleben konnten - eben bunt wie ein Regenbogen, weil viele tatkräftig mit anpackten.