Schrozberg Sieben Hunde und ihr Frauchen suchen Bleibe

„Ich habe mich gegen Bequemlichkeit und für mein Team entschieden“, sagt Meike Gutmann. Ohne ihre Hunde hätte sie wohl längst einen Platz zum Wohnen gefunden, bis ihr Haus wieder aufgebaut ist.
„Ich habe mich gegen Bequemlichkeit und für mein Team entschieden“, sagt Meike Gutmann. Ohne ihre Hunde hätte sie wohl längst einen Platz zum Wohnen gefunden, bis ihr Haus wieder aufgebaut ist. © Foto: Sabine Franz
Schrozberg / Sabine Franz 10.07.2018
Seit dem Brand ihres Hauses in Ettenhausen ist Meike Gutmann mit ihren sieben bellenden Freunden obdachlos.

Meike Gutmann hat seit sieben Jahren keinen Fernseher mehr und schaut deshalb auch kein Fußball. Trotzdem bleibt ihr der 27. Juni 2018 zeitlebens im Gedächtnis. Das liegt nicht am WM-Aus für Deutschland. Als Kroos, Kimmich & Co. gegen Südkorea verloren, verlor Meike Gutmann ihr Haus in Ettenhausen bei einem Brand. „Es war grauenvoll“, erinnert sich die 59-Jährige. Sie machte mit ihren Hunden gerade Mittagsschlaf, da hörte sie plötzlich einen Knall. „Ich bin wach geworden und dachte, ich werd‘ ohnmächtig, weil ich so einen Schleier vor meinen Augen hatte.“ Es waren Rauchwolken.

Die Brandursache ist bis jetzt unklar. Pressesprecher David Ebert vom Polizeipräsidium Aalen erklärt: „Die Ermittlungen des Polizeipostens und des Landeskriminalamts dauern an.“

Nachdem sie den Qualm entdeckt hatte, riss Gutmann die Haustür auf. Über ihr entzündete sich eine Stichflamme und leckte die Flurdecke entlang. „Sachen flogen durch die Gegend“, erzählt sie schaudernd. Kurz überlegte sie, mit dem Duschschlauch einen Löschversuch zu unternehmen. Da machte es „Wusch“ und die Styropordecke stürzte brennend herab. „Ich bin nur noch rausgerauscht und hab‘ gerufen: ,Feuer, Feuer, Feuer!“ Kurz vor 15 Uhr alarmierte jemand aus der Nachbarschaft die Feuerwehr. Meike Gutmann rannte zurück ins Haus und schnappte die Hunde. Ihre Schlangen, den Hamster und eine kleine Mäusefamilie konnte sie nicht mehr retten. „Die sind gestorben“, sagt sie traurig. Geblieben sind ihr neben den Hunden das Trägertop und die Bikinihose am Leib. Alles andere ist verloren: „Fotoalben, Möbel, Kleidung, Papiere, Geschirr und Bücher“, zählt sie auf.

Seitdem tingelt sie von einem Unterschlupf zum nächsten. Ein Auto hat sie zur Verfügung. Mit den Hunden konnte  niemand sie für längere Zeit aufnehmen. „Ich alleine hätte jederzeit irgendwo einen Platz gekriegt. Ich hab‘ viele Angebote bekommen.“ Sie habe sich gegen Bequemlichkeit und für die Tiere entschieden. „Mein Team“, sagt die gebürtige Bremerin. Es sei auf sie angewiesen.

Kasha hat nur ein Bein

Bis Samstag konnte sie mit ihren Hunden in einem Zimmer im nördlichen Landkreis übernachten. Tagsüber brachte sie die Hunde im Zwinger einer hilfsbereiten Frau unter. Als die Journalistin dort ein Foto machen will, warnt Meike Gutmann scherzhaft: „Die ham noch nich gegessen.“ Aufgeregt tollen die Vierbeiner um die Pressevertreterin herum, springen an ihr hoch, beschnuppern sie. „Maelwys, rrrrrunter“, knurrt Gutmann einen munteren Husky-Rüden an. „Der horcht, das ist der Knaller.“ Der Begriff Vierbeiner trifft nicht auf alle zu: Kasha hat nur ein einziges Bein. Sie robbt sich vorwärts oder wird von ihrem Frauchen getragen. „Böse Menschen haben ihr drei Beine und die Rute abgehackt“, erzählt ihre Besitzerin, die am linken Oberarm ein Wolfs-Tattoo trägt. Nashita, Nala, Shaneva und Maelwys sind Siberian Huskys. Drei von ihnen hat sie selbstgezogen. Billie und Filomena holte sie über eine Tierschutzorganisation aus italienischen Tierheimen. „Sehr schlimme Umstände“, seufzt sie. Die einbeinige Kasha stammt aus der Ukraine.

„Wir leben als ein Rudel“

Alle seien absolut stubenrein und lieb. „Jeder denkt immer: Sieben Hunde, das ist zu viel“, schildert sie. „Das stimmt nicht. Es kommt drauf an, wie sie es gewohnt sind. Wir leben als ein Rudel ganz eng zusammen.“ Die Option, ihre Schützlinge vorübergehend in einem Tierheim unterzubringen, lehnt sie vehement ab. „Ich verdanke diesen Hunden mein Leben.“

Meike Gutmann ist Frührentnerin. „Wegen Depressionen“, sagt sie. „Aber schreiben Sie bitte dazu, dass ich ein komplett normaler Mensch bin.“ 2011 trennte sie sich vom Vater ihrer beiden erwachsenen Söhne. Heute hätten sie ein freundschaftliches Verhältnis. „Aber in dieser Ehe wurde die Seele ziemlich zerschlagen. Die Hunde haben mir so viel Halt gegeben und mein Selbstbewusstsein aufgebaut.“

„Aus“ fürs Hexenhäusle

Sie habe vorher in Neuenstein gewohnt, wo sie Ärger mit dem Vermieter hatte. Auf Anraten ihrer Anwältin suchte sie nach einem eigenen Häuschen. Im Internet gab sie „bis 50 000 Euro“ ein und fand eine Immobilie in Ettenhausen, Baujahr 1949. „Ich hab‘ sofort gesagt: Das ist unser Hexenhäusle.“ Seit Mai wohnte sie dort, bis es brannte. „Es ist auf Neuwert versichert“, beteuert sie. „Die zahlen das, was abgerissen wird und den Aufbau.“

Seit dem Tag des Brandes war sie nicht mehr dort. „Nur vorbeigefahren. Ich bin noch nicht so weit.“ Als Notlösung kommt jetzt ein Baumarkt-Pavillon in Frage, den Gutmann zusammen mit einem Klappbett auf ihrem Hof aufbauen will, direkt neben dem unbeschädigten Holzschuppen, der jedoch nicht winddicht ist. Nach wie vor sucht sie eine Bleibe. Sie beteuert, sie brauche für sich und die Hunde nur ein Zimmer mit Waschbecken und Toilettenzugang. Idealerweise noch ein Stückchen Rasen oder einen kleinen Garten. „Dann wären wir schon zufrieden.“ Besser wäre sicherlich etwas Größeres, vielleicht ein leer stehendes Haus mit Wiese als Auslaufmöglichkeit für die Tiere. Mehr als 200 Euro pro Monat kann die Hundebesitzerin momentan nicht zahlen. Erreichbar ist sie über ihren Sohn Michael Gutmann unter der Telefonnummer 0171/7022634.

Meike Gutmann hat einen Lieblingsspruch, der minimal abgewandelt gut zu ihrer Situation passt: „Alle sagten, das geht nicht. Dann kam eine, die wusste das nicht und hat’s einfach gemacht.“

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