Stimpfach Seniorenheim hat sich etabliert

Stimpfach / WOLFGANG RUPP 31.01.2013
"Wir sind jetzt angekommen", freut sich Verwaltungsdirektor Michael Hinderer. "Und die Wogen sind geglättet", ergänzt Schwester Veronika. Das St. Anna-Seniorenheim zieht nach einem Jahr positive Bilanz

Generaloberin Schwester Veronika hat großes Verständnis dafür, dass der von der St. Anna-Stiftung ausgewählte Bauplatz für das Seniorenheim nicht bei allen auf Gegenliebe gestoßen ist, wie sie in einem Gespräch mit dem HOHENLOHER TAGBLATT deutlich macht. Dieses Gelände mit Fest- und Bolzplatz sei für viele das "Herz von Stimpfach" gewesen und als solches geschätzt worden.

"Doch wir haben ganz bewusst die Dorfmitte gewählt", so Verwaltungsdirektor Hinderer, um die Einrichtung sichtbar einzubinden, eine Brücke zwischen den Heimbewohnern und den Bürgern herzustellen. Die beiden Gesprächspartner sind voll des Lobes über das große und großartige Engagement aus der Mitte der kirchlichen und der bürgerlichen Gemeinde.

"Anfangs sind wir kritisch beäugt worden, doch jetzt sind wir angekommen", sind der Diplom-Betriebswirt und die Generaloberin ein Jahr nach der Einweihung mehr als zufrieden. Und das ist auch Pflegedienstleiterin Heidi Sienz, die zusammen mit 26 Mitarbeiterin für das Wohlergehen der 48 alten Menschen sorgt. Am 1. Februar vergangenen Jahres sind 33 Senioren von Ellwangen nach Stimpfach umgezogen. Der Grund: Die Einrichtung in der Nachbarstadt wird neu gebaut und soll in gut eineinhalb Jahren fertiggestellt sein. Dann wird es wieder einen Umzug geben - in umgekehrter Richtung, denn alle ehemaligen Ellwanger Bewohner haben dort eine Platzgarantie. "Das wird für uns eine neue Herausforderung", blickt Verwaltungsdirektor Hinderer ins Jahr 2014, weil die nach dem Umzug frei werdenden Plätze erst mal wieder belegt werden müssen. Im vergangenen Jahr hatte die neue Einrichtung damit keine Probleme: Schon wenige Monate nach der Eröffnung war das Haus voll. Neubelegungen nach Todesfällen und laufende Anfragen unterstreichen das große Interesse an dieser Einrichtung. Die Verantwortlichen wissen sehr wohl um den Wettbewerb, "dem wir uns stellen müssen", blicken aber dennoch zuversichtlich in die Zukunft.

Bei den Pflegesätzen ist die Einrichtung in Stimpfach im mittleren Bereich angesiedelt. Sie setzt auf die persönliche Betreuung in einem kleinen, überschaubaren Haus und sie steht zu ihrem katholischen Profil. Das drückt sich nicht nur in Andachten und Gottesdiensten mit Ortspfarrer Herbert Feldhinkel (er ist gleichzeitig Superior der St. Anna-Schwestern in Ellwangen) in der eigenen Kapelle aus, "sondern auch beim Fasching", wie Schwester Veronika mit einem Lächeln anmerkt. Und trotzdem ist das Heim "selbstverständlich für alle offen", betonen die drei Gesprächspartner, die sich auch einem Wandel stellen müssen.

Die meisten Menschen kommen erst im hohen Alter (in Stimpfach sind drei sogar über 100 Jahre alt) in das Heim, und die Aufenthaltsdauer wird immer kürzer. 20 Bewohner haben im vergangenen Jahr für immer die Augen geschlossen, was auch für die Mitarbeiter eine große Belastung ist. Sie widmen sich mit viel Hingabe den alten Menschen, umsorgen sie, genießen deren Vertrauen, bauen eine Beziehung auf und müssen dann mit deren Abschied fertig werden. "Eine große psychische Belastung" wie Pflegedienstleiterin Heidi Sienz betont und mit ein Grund dafür, dass es immer schwieriger wird, Pflegepersonal zu finden.

Verwaltungsdirektor Hinderer verweist zudem auf die "nicht sehr familienfreundliche Tätigkeit" mit Nacht- und Wochenenddienst und beklagt die "mangelnde Akzeptanz" dieses Berufes in der Gesellschaft. Umso mehr zollen er und Schwester Veronika all denen ihren Respekt, die diesen wichtigen und wertvollen Dienst für alte Menschen leisten.