Sei ein heimlicher Pirat

Versammlung der Piratenpartei: Wo sonst der freie Informationsaustausch gefordert wird, soll dem Bürger das Verheimlichen gelehrt werden. Archivfoto: Thumi
Versammlung der Piratenpartei: Wo sonst der freie Informationsaustausch gefordert wird, soll dem Bürger das Verheimlichen gelehrt werden. Archivfoto: Thumi
KARSTEN DYBA 03.08.2013

Die schlimmsten Befürchtungen von Datenschützern und Bürgerrechtlern werden wahr: Mit einer Spähsoftware namens "XKeyscore" durchsieben US-amerikanische Geheimdienste das Internet nach Informationen, die sie interessant finden könnten. Nichts ist sicher: E-Mails, soziale Netzwerke, Telefongespräche, Verbindungsdaten, elektronische Adressbücher - alles kann durchsucht werden.

Das ärgert den Bundestagskandidaten der Piratenpartei für den hiesigen Wahlkreis, Alexander Brandt aus Kirchberg. Deshalb will er den Bürgern zeigen, wie man möglichst anonym im Internet surft oder seine E-Mails mit technischen Hilfsmitteln verschlüsselt. Ganz so fit, räumt er ein, sei er dabei auch noch nicht, aber kommenden Dienstag werde er es sein. Dann nämlich laden die Piraten zum "Open Ship". Das sei eine nautische Metapher, erklärt Brandt. Letztlich handele es sich bei der Veranstaltung um eine Art Tag der offenen Tür. Wer sich also selbst mal als Netzpirat fühlen will, darf sein Laptop mitbringen.

Warum aber plötzlich die Heimlichtuerei, wo doch die Piraten stets für den freien Informationsaustausch im Netz einstehen? Wo Staaten und Behörden ihre Informationen schützen, wollen die Piraten sie ungeniert an die Öffentlichkeit zerren. Dass Behörden mit Steuergeld finanzierte Studien schwärzen, ehe sie ins Internet gestellt werden, findet Brandt ganz abscheulich. Bei den eigenen Daten ist er trotzig: "Es fängt schon damit an, dass jeder etwas zu verbergen hat. Wenn ich einem Bekannten eine Mail schreibe, möchte ich nicht, das jemand anderes mitliest." Schließlich wisse man nie, welche Information irgendwann negativ auf einen zurückfalle. Da reiche schon eine verdächtige Mailadresse im Postfach. Übrigens: Wer das "Open Ship" entert, kann dabei die Piraten kennenlernen - nicht virtuell, wie man es erwarten würde, sondern ganz analog:. "Es ist schon sinnvoll, das auch mal Auge in Auge zu machen", sagt Brand. Info Open Ship am Dienstag, 6. August, im Regionalmarkt Wolpertshausen (Konferenzraum), 15 bis 21 Uhr.