Kirchberg Seefest: Von der Schnapsidee zum Kult

Eine Insel als Bühne: Die Location ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Seefests.
Eine Insel als Bühne: Die Location ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Seefests. © Foto: Archiv / Ufuk Arslan
Kirchberg / Sebastian Unbehauen 18.07.2018

Am Anfang stand eine vermeintliche Schnapsidee: Sie waren Fußballer, sie waren Gelegenheits-Angler, also beschlossen Mark Schumann, Florian Pfeiffer und Benjamin Haller anno 2001, den Kirchberger Verein für Fisch und Fußball zu gründen. Heute hat dieser um die 140 Mitglieder und ist Veranstalter einer Hohenloher Festles-Institution, die man getrost als Kult bezeichnen darf: des Seefests, auch Inselbeben genannt. Am kommenden Samstag geht bereits die 16. Auflage über die Bühne.

Die Premiere 2003 hatte noch „Tag des offenen Sees“ geheißen. Nachdem der Verein das Gelände rund um einen ehemaligen Fischweiher an der Eichenauer Straße erworben und hergerichtet hatte, wollte man „dieses vergessene Kleinod der Öffentlichkeit bekannt machen“, erinnert sich Haller – gesagt, getan, eine Tradition begründet.

Jeder hat seine Aufgabe

Haller lebt und arbeitet heute in Hamburg, der Vereinsvorsitzende Schumann am Bodensee, die meisten anderen Vereinsmitglieder sind in Kirchberg verwurzelt. Rund zehn Leute stehen hinter dem Seefest, jeder hat mittlerweile seine feste Aufgabe: Der eine ist für die Musik zuständig, der andere für die Pressearbeit, der nächste für die Klos. Das klappt – auch wenn mittlerweile alle um die 40 sind, mitten im Leben stehen und auch sonst allerhand um die Ohren haben.

Die Philosophie des kleinen, feinen Musikfestivals beschreibt Haller so: „Auf jeden Fall keine Coverbands.“ Es ist den Machern darüber hinaus wichtig, einen Mix aus regionalen Musikern und Bands, die sonst eher nicht in Hohenlohe auftreten würden, hinzubekommen. Und weil sie keine Sponsoren haben, das Ganze aber trotzdem keinen Eintritt kosten soll, müssen die Gruppen bereit sein, quasi für ein Nasenwasser aufzutreten. „Wir haben da mittlerweile ein dichtes Netz an Kontakten“, sagt Haller. „Und alle Bands, die schon einmal hier gespielt haben, wollen sowieso wiederkommen.“ Denn, so viel Unbescheidenheit ist hier durchaus angebracht: „Eine arg viel schönere Anlage für ein Festival gibt es ja nicht.“ Trotzdem ist es erklärtes Ziel des Vereins für Fisch und Fußball, dem Publikum jedes Jahr auch viel Neues zu bieten.

Am Samstag bilden die Lokalmatadoren von „MLJI“ um 20 Uhr den Auftakt und versprechen eingängige Melodien. Danach steht der Nürnberger Singer-Songwriter John Steam Jr. auf der Bühne. Es folgt die Augsburger Garage-Rock-Combo „Desert Souls“, die für „Sommergefühle, verschwitzte Kleidung und den einen oder anderen Ohrwurm“ sorgen will.

Über die beiden abschließenden Acts schreibt der Verein für Fisch und Fußball in einer Pressemitteilung: „Bevor traditionell die ebenso genialen wie unberechenbaren Dilettanten von ,C.L.O.’ für den Schlussakkord sorgen, kommen die Freunde härterer Töne rund um den VFF-See auf ihre Kosten: die Stuttgarter Punk-Formation ,Gisela von Hinten’ wird erstmals die Insel entern. Eine Band, die ihre Wurzeln unter anderem in der legendären Punk-Combo ,Wizo’ hat.“

Stille, laute Wasser

Kurzum: „Stille Wasser sind laut, wenn die Bässe tief sind“, sagt Vereinspräsident Schumann. „Wir haben wieder diverse Genres vertreten. Mal laut, mal leise, mal grell, mal gefühlvoll – dieser bunte Mix ist genau das, was unser Inselbeben seit Jahren ausmacht.“ Deshalb kommen Jahr für Jahr mehrere Hundert Freunde des Seefests in das Idyll zwischen Kirchberg und Eichenau – und lassen sich auch von schlechtem Wetter nicht beirren: „In einem Jahr hat es zweimal geregnet“, erinnert sich Haller. „Zweimal waren die Leute weg und nach dem Regen wieder da.“ Ein gutes Fest lässt man sich halt äußerst ungern entgehen.

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