Schwerhörigkeit im Kreistag

Der eine spricht, der andere hört nichts: Die SPD-Kreisräte Rüdiger Schorpp (links) und Hans Zipperer, in der Sitzung des Kreistags. Foto: Dyba
Der eine spricht, der andere hört nichts: Die SPD-Kreisräte Rüdiger Schorpp (links) und Hans Zipperer, in der Sitzung des Kreistags. Foto: Dyba
KARSTEN DYBA 31.03.2012

Im Kreistag herrscht derzeit immer öfter kollektive Schwerhörigkeit. Die Kreisräte hören schlichtweg nicht, was die Verwaltung ihnen zu sagen hat. Dabei ist es nicht gerade so, dass Sie nicht hinhören wollten. Im Gegenteil: Sie hören derart angestrengt hin, dass man Ihnen aus Mitleid am liebsten Hörgeräte austeilen wollte.

Denn das, was ans Ohr dringt, sind oft nur noch unverständliche Wortfetzen. Der SPD-Kreisrat Rüdiger Schorpp hält sich schon die Hand ans Ohr und sein CDU-Kollege Werner Gulden macht ein fragendes Gesicht.

"Beim nächsten Mal muss der Techniker her", schimpft die Geschäftstellenleiterin des Kreistags, Ute Bürkert, die verzweifelt zwischen den Kreisräten hin- und herläuft, um die Lautsprecher zu verschieben und auszurichten. "Ich kann nur lauter oder leiser machen, aber ich kann die Anlage nicht aussteuern", klagt sie. Der Klang sei so programmiert, dass er laut Hersteller für 80 bis 90 Prozent aller Hallen passe.

Doch bei der Sitzung in der Braunsbacher Burgenlandhalle ist die Akustik derart schlecht, dass die Grünen-Kreisrätin Claudia Kern-Kalinke schließlich ein Herz für die schwer hörenden Kollegen hat. Sie sei mit der neuen Lautsprecheranlage sehr unzufrieden, klagt sie gegenüber der Verwaltung. "Seit Sie die angeschafft haben, gibt es Probleme damit." Wir erinnern uns: Die Geschäftsstelle hat vor einem Jahr eine Konferenzmikrofonanlage beschafft. Die Besonderheit: Mikrofone und Lautsprecher haben keine Kabel mehr, sondern sind per Funk miteinander verbunden. Das hatte Mobilfunkaktivisten auf den Plan gerufen. Sie beklagten, dass Elektrosensible durch Funkwellen von den Sitzungen ferngehalten würden. Beate Braun, die Mobilfunkkritikerin unter den Grünen, wusste deshalb: "Es liegt am Funk. Die Lösung wäre ein Kabel!"

Mit den Antennen, ist Bürkert überzeugt, habe das nichts zu tun. "Mit unserer alten Kabelanlage hatten wir das Problem auch schon." Allerdings sei es ihr gelungen, diese an die jeweilige Hallenanlage anzuschließen. Die Funktechnik findet sie dennoch besser. Weil sie keine Kabel verlegen müsse, "kann ich die Mikrofone viel schneller da hinstellen, wo ich sie brauche". Die Verwaltung versprach den Kreisräten nun, für Abhilfe zu sorgen. In der Zwischenzeit dürfte Frau Bürkert nach dem Studium der Gebrauchsanweisung und der Praxiserfahrung beim Aufbau, Abbau und Verrücken der Lautsprecher die Voraussetzungen für ein Ehren-Tontechnikerdiplom erfüllt haben.