Langenburg Tausende Schweine sorgen für Aufregung

Schweinestall bei Nesselbach (Stadt Langenburg).
Schweinestall bei Nesselbach (Stadt Langenburg). © Foto: Erwin Zoll
Langenburg / Luca Schmidt 12.06.2018
Seit knapp fünf Jahren wird in Langenburg über die Erweiterung eines Zucht- und Mastbetriebes von 2000 auf 7800 Tiere heftig diskutiert. Der Gemeinderat beschloss nun den Bebauungsplan.

Ein Landwirt möchte südlich von Nesselbach bei Langenburg seinen Stall vergrößern: Mehr als dreimal so viele Tiere sollen es in seinem Zucht- und Mastbetrieb werden, insgesamt rund 7800 Tiere. Seit das Vorhaben 2013 bekannt wurde, regte sich dagegen Widerstand. Im Langenburger Stadtrat wurde nun der Bebauungsplan beschlossen.

Jens Fuhrmann vom Kreisplanungsamt stellte den Plan noch einmal vor und erläuterte die eingegangenen Stellungnahmen. Anschließend stimmte der Gemeinderat mit elf zu vier Stimmen für den Bebauungsplan.

Im Kern ging es um folgende Abwägung: Dürfen sich zwei junge Landwirte verwirklichen und ihren Betrieb erweitern oder sind die Umweltrisiken für die Umgebung, vor allem für das Wasser der Jagst und für Biotope, zu groß? Dabei war der Beschluss des Bebauungsplans nur der erste Schritt, der Bauantrag muss noch eingereicht werden.

Bürger haben Umweltbedenken

Wie sehr der Ausbau polarisiert, wurde gleich zu Beginn der Stadtratssitzung deutlich: Eigentlich erst Tagesordnungspunkt zwei, kam das Thema schon in der Bürgerfragestunde zur Sprache. Dabei ging es fast ausnahmslos um Bedenken gegen das Projekt: Wo kommt die Gülle hin? Wie sieht es mit dem Einsatz von Antibiotika aus? Gibt es Risiken für Biotope? Wird der Völkersbach durch den Ausbau verschmutzt, der direkt in die Jagst fließt?

Das Problem: Das Kreisplanungsamt in Person von Jens Fuhrmann ist dafür eigentlich nicht zuständig – nur für die städtebaulichen Aspekte. Doch bei einigen Bürgern und Gemeinderäten stand die Befürchtung im Raum, dass der Bebauungsplan der erste Schritt in Richtung Genehmigung des Stallneubaus sei. Einmal beschritten, sei dieser Weg nur schwer wieder zu verlassen, so die Vermutung.

Bis Ende 2015 war es möglich, Stellungnahmen abzugeben, nachdem der Bebauungsplan öffentlich ausgelegt war. Behördliche Bedenken gibt es keine, die Stellungnahmen der Bürger decken sich größtenteils mit den Fragen in der Gemeinderatssitzung: Es sind hauptsächlich Bedenken gegen die Umweltverträglichkeit des Stallprojektes. Beim Geruch gibt es sogar positive Nachrichten für die Bürger: Durch den Neubau rund 250 Meter entfernt von Nesselbach wird eine Althofstelle im Ort aufgegeben. „Es wird also sicher nicht mehr, sondern eher weniger Geruchsbelastung geben“, so Fuhrmann.

Dass überhaupt über den Bebauungsplan abgestimmt werden muss, liegt an der Form des Betriebs. „Der Eigenanteil bei der Futtermittelproduktion liegt bei weniger als 50 Prozent, also haben wir es mit einem gewerblichen Betrieb zu tun“, sagt Fuhrmann. Bei mehr als 50 Prozent wäre es ein landwirtschaftlicher Betrieb, hier braucht es keine Zustimmung zum Bebauungsplan.

Bislang 70 000 Euro bezahlt

Bauherr und Landwirt Andreas Krepp ist erleichtert, dass der Gemeinderat nun den Bebauungsplan beschlossen hat. „Der erste Schritt ist getan“, sagt er. 70 000 Euro hat er bislang allein für Planung und Gutachten des Ausbaus ausgegeben.

Warum der Stall von 2000 auf gleich 7800 Tiere vergrößert werden soll, erklärt er so: „Das Ziel ist, dass wir unsere Ferkel zu Hause selber mästen.“ Ursprünglich habe er den Ausbau auch kleiner geplant, sein Bruder Thomas wollte später aber mit einsteigen. Damit beide davon leben können, musste größer geplant werden.

Dass die Bevölkerung jetzt wegen der hohen „Stückzahl“ in Aufruhr sei, kann er verstehen. „Aber wenn ich ausbauen will, sind die Verfahrensschritte immer die gleichen – egal, wie groß es wird.“ Deshalb sei jetzt gleich alles mit drin. „Wenn ich zwei oder drei Verfahren wie dieses jetzt habe und die alle ungefähr fünf bis ­sieben Jahre andauern, könnte ich in Rente gehen“, sagt Andreas Krepp.

Durch den Ausbau entsteht ein geschlossener Betrieb: Ferkelproduktion, Mast und Austausch der Zuchttiere geschehen vor Ort. Um die Gülle loszuwerden, schließt Krepp Lieferverträge mit seinen Getreidezulieferern.

Dabei musste Andreas Krepp bislang viel aushalten – Beschuldigungen waren noch das kleinste Übel. „Nachts hat schon jemand bei mir zu Hause angerufen und es läuten lassen.“ Er könne das Telefon aber nicht abstellen, da es mit der Alarmanlage im Stall verbunden ist.

Auch einen Einbruch hat es schon gegeben, 2015 war das. Im vergangenen Jahr hat jemand versucht, noch einmal in das Gebäude einzudringen. Er vermutet, dass Bilder gemacht werden sollten. „So was geht nicht, das ist unverschämt“, sagt Krepp. Er würde ja auch nicht bei jemandem nur aufgrund einer Vermutung einbrechen.

Trotz der Schwierigkeiten ist er aber immer noch Landwirt mit Leib und Seele. „Es macht Spaß und ich mache es gerne. Ich könnte mir nicht vorstellen, den ganzen Tag in einer Firma das Gleiche zu machen“, sagt er. Eines stört ihn aber:das schlechte Bild von Landwirten, das gerade allgegenwärtig zu sein scheint.

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