Die Nachricht einer vertrauenswürdigen Quelle hatte es in sich: Ende Mai sei das System zur Arbeit im Homeoffice bei der Landkreisverwaltung von einem Tag auf den anderen abgeschaltet worden. Ein Hacker-Angriff auf die EDV des Landratsamts sei der Auslöser dafür gewesen. Steffen Baumgartner, Leiter vom Stab des Landrats und der  Kommunalaufsicht, bestätigt dies auf Nachfrage dieser Zeitung: „Der Angriff hat am 27. Mai um 4.11 Uhr in der Früh stattgefunden. Er wurde durch dafür geschulte Mitarbeiter festgestellt.“

Grundlegende Überprüfung

Daraufhin sei zuerst nach dem betroffenen Gerät gefahndet worden. Nach dessen Abschaltung sei auch die betreffende Leitung abgeschaltet sowie alle Systeme grundlegend überprüft worden. „Die Umsetzung und Priorisierung der Maßnahmen erfolgte in Abstimmung mit einer beteiligten und etablierten Sicherheitsfirma“, sagt Baumgartner. Homeoffice sei vom 27. Mai bis zum 17. Juni nicht möglich gewesen. Die übrige IT des Landratsamts habe auch in diesem Zeitraum uneingeschränkt funktioniert.

Ziel des Angriffs war es nach jetziger Erkenntnis nicht, Daten zu entwenden. „Der Angriff war ein Versuch, Daten zu verschlüsseln. Das ist eine gängige Methode, um Geld zu erpressen“, erklärt Baumgartner. „Alle unsere Daten sollten mittels Schadsoftware so verschlüsselt werden, dass sie für uns nicht mehr lesbar oder nutzbar gewesen wären.“ Wenn der Angriff erfolgreich gewesen wäre, hätte der Landkreis einen bestimmten Geldbetrag zahlen müssen, um einen „Schlüssel-Code“ zu erhalten. Damit hätten die Daten wieder entschlüsselt werden können. „Es liegen keine Indizien vor, dass Daten entwendet wurden. Es wurden auch keine Daten verschlüsselt“, betont Baumgartner. Der Angriff habe keinen bestimmten Behörden gegolten, sondern der Landkreisverwaltung insgesamt.
Laut der vom Landkreis beauftragten IT-Sicherheitsfirma erfolgte der Angriff durch eine in Fachkreisen bekannte kriminelle Gruppe. Deren Ziel sei, öffentliche Verwaltungen und Grundversorger wie Energieerzeuger zu schädigen. Ob sie aus dem Ausland operiert oder aus Deutschland ist unbekannt. „Eine Anzeige bei der Polizei wurde gestellt, nachdem der Sachverhalt und die mögliche Rückverfolgung geklärt wurde“, stellt Baumgartner fest.
Den Eingang der Anzeige bestätigt das für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständige Polizeipräsidium Aalen auf Nachfrage. Mehr ist aber nicht zu erfahren. „Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen“, teilt Polizeisprecher Bernd Märkle mit. Die Ermittlungen würden geführt von der Kriminalinspektion 5, die sich um Aufgabenbereich Cyberkriminalität kümmert.

Die Systeme sind sicher

Die EDV der Landkreisverwaltung funktioniert mittlerweile wieder regulär, „die Systeme laufen sicher“, so Kreissprecher Steffen Baumgartner. Man habe auf den Angriff mit einem weiteren Ausbau der IT-Sicherheit reagiert. Dazu gehörten auch regelmäßige Tests, um die Leistungsfähigkeit der IT-Sicherheit zu garantieren. Der Angriff Ende Mai ist auch nicht der erste seiner Art, ergänzt Baumgartner: „Es finden regelmäßig Angriffe statt, diese blieben jedoch bislang ohne Folgen.“ Die Angriffe seien durch den hohen Standard in der IT-Sicherheit und die Expertise der Mitarbeiter der IT-Abteilung des Landratsamts  immer erfolgreich abgewehrt worden.

Homeoffice ist für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung mittlerweile wieder ohne Einschränkungen möglich. „Wir arbeiten wieder im Regelbetrieb“, so Baumgartner. Arbeit sei durch das abgeschaltete Homeoffice nicht liegen geblieben, es habe auch zu keinen Verzögerungen in den Abläufen geführt.

In der Krise 183 neue Heimarbeitsplätze geschaffen


Bei der Landkreisverwaltung gibt es aktuell insgesamt 406 Anschlüsse zur Nutzung im Homeoffice. Mit eingerechnet sind die Anschlüsse für das Klinikum Crailsheim und die Forstrevierleiter. „In der Corona-Krise wurden 183 Anschlüsse neu eingerichtet und auch als Heimarbeitsplätze genutzt“, erklärt Kreissprecher Steffen Baumgartner.

Regulär gebe es bei der Landkreisverwaltung rund 50 Heimarbeitsplätze. „Die Anschlüsse, die es vorher schon gab, sind nicht alle für feste Heimarbeitsplätze, sondern ermöglichen ein flexibleres Arbeiten, beispielsweise auch mal in den Abendstunden und am Wochenende“, so Baumgartner. Diese würden auch von den Führungskräften benutzt.

Generell sei die Einrichtung von Heimarbeitsplätzen immer eine Frage des jeweiligen Einzelfalls. „Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass manche Aufgaben und Abläufe sehr gut im Homeoffice bearbeitet werden können, andere wiederum nicht.“

Während das Homeoffice abgeschaltet war, haben die Heimarbeiter der Kreisverwaltung ihre Arbeitsabläufe geändert. „Da lediglich der Zugriff ins Netz des Landratsamts von extern nicht möglich war, gab es diverse Möglichkeiten: Erledigen von Aufgaben, für die kein PC erforderlich ist, Außendiensttätigkeit, lokales Arbeiten auf dem PC oder das Arbeiten in den Räumlichkeiten des Landratsamts“, so Baumgartner. noa