Da hat Beate Meinikheims gutes Gespür den Lauf der Dinge fast schon vorweggenommen. Denn als sie das Trio „Berta Epple“ für die Veranstaltungsreihe der Gemeinde buchte, war es „nur“ ein Trio aus freilich gestandenen Musikern – die bekannte Gruppe „Tango Five“ bestand zum größten Teil aus ihnen. Doch als „Berta Epple“ am Freitagabend in Rot am See aufschlug, war das Trio der eben gekürte Gewinner des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg. „Mir haben die drei spontan gefallen“, berichtet die „Kulturchefin“ der Gemeinde, „Frau Rathaus“ Meinikheim. Kein Wunder, dass das Bürgerhaus in Rot am See am Freitagabend bis auf den allerletzten Platz gefüllt war. Die Besucher werden ihren Besuch nicht bereut haben, denn was ihnen „Berta Epple“ vorsetzte, war vom Feinsten, musikalisch erstklassig und komödiantisch zum Brüllen – auch wenn die Geschichte, die sie vor den inneren Augen ihrer Zuhörer erstehen ließ, doch eher tragisch war. „Berta Epple“ nämlich, die dem Trio den Namen gab, ist ein abgehalftertes Vergnügungsschiff, das auf dem Neckar unterwegs war, samt abgehalfterter Showband, die sich heute in Erinnerung an vergangene bessere Tage eben den Namen ihres Schiffes gab.

Auch wenn der Geist verdorrt?

„Those were the days“ war denn auch die erste Melodie, die die Musiker aus ihren verschiedenen Instrumenten hervorbrachten. Und da standen sie nun, in ihren verblichenen Smokings, „jahrelang als freiberufliche Musiker beschäftigt und noch immer nicht reich“, sagte Bobbi Fischer.

Da heiße es eben fit bleiben, um noch – dem Beispiel der „Buena Vista Social Club“-Greise folgend – mit 85 auf der Bühne zu stehen. „Treiben Sie bitte Sport“, sangen sie, „denn Sport heißt das Losungswort. / In der heutigen Zeit / wird der Körper kasteit, / auch wenn der Geist da verdorrt.“

Und Gregor Hübner erzählte den passenden Witz vom Jazzmusiker, der im Krankenhaus erfährt, dass er noch zwei Wochen zu leben habe. „Zwei Wochen leben?“, fragt der Musiker entsetzt. „Ja, wovon denn?“

„Rentenbescheid – gibt für mi nix her“ hieß denn auch der titelgebende erste Song des Programms, „Rentenbescheid – wenn’s no anders wär“. Und weiter: „Rente. Isch no ebbes do? / Rente für an alda Mo.“

Und ja, Schwäbisch eignet sich bestens für derartigen Bänkelgesang – für diese Mischung aus Jazz, Latin, Klezmer, Gypsy, Chanson, Folk und so weiter, die die Musiker auf die Bühne brachten. Mit dabei auch Tango. Immer wieder Tango. „Das war ein Stück von Astor Piazzolla“, erklärte Geiger Gregor Hübner. „Wer goht Pizza holla?“, fragte Bruder Veit vom Kontrabass herüber.

So lachte das Publikum über „Berta Epple“ und „Berta Epple“ lachte über sich selbst und alles zusammen ergab einen vergnüglichen Abend, bei dem das Lachen freilich mitunter vergessen ließ, wie virtuos die Musiker ihre Instrumente beherrschten. Mal in atemberaubenden Tempo laut, mal langsam schmachtend und leise, mal mit Begleitung, mal a cappella entführten sie das Publikum in die Welt der Musik – der schwäbischen Weltmusik, wenn man so will, – aus der es erst wieder auftauchte, als „Berta Epple“ das Programm beschloss, immer hoffend auf ein kleines Extra-Einkommen für mittellose Musiker: „Unsere Show ist beinah aus, und wir geh’n demnächst nach Haus. Oder woll’n Sie noch CDs? Da sind wir ganz bestimmt nicht bös.“ Allerdings zählten im Leben nicht nur Geld und Reichtum, tröstet sich Veit Hübner. „A Fahrrad isch au a Art Cabriolet.“

Info Das Trio „Berta Epple“ besteht aus Veit Hübner (Kontrabass), Gregor Hübner (Geige, Mandoline, E-Piano, Bongos), Karl Albrecht „Bobbi“ Fischer (E-Piano, Schlagzeug, Ukulele, Ziehharmonika, Mini-Mundharmonika und Anderes). Mehr unter www.bertaepple.de.