In den Schulen im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Schulamts Künzelsau ist der Pflichtunterricht zu Beginn des neuen Schuljahrs weitgehend gesichert. „Dennoch fehlen für eine gute Lehrerversorgung noch einige Lehrkräfte“, schreibt die Behörde in einer Pressemitteilung. „Alle Schulen in unserem Zuständigkeitsbereich im Landkreis Schwäbisch Hall sind arbeitsfähig“, konkretisiert Schulamtsdirektor Johannes Kießling auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Schulen sind auch deshalb arbeitsfähig, weil viele Schulleitungen und Lehrkräfte weiterhin große Bereitschaft zeigen, zusätzliche Arbeit zu leisten, und pensionierte Lehrkräfte Dienst tun.“ Kultusministerin Susanne Eisenmann spricht davon, dass rund 800 Lehrerstellen im Land unbesetzt seien. Mit rund 400 unbesetzten Stellen fehlten die meisten Lehrer im Grundschulbereich, gefolgt von den Realschulen.

51 neue Lehrkräfte zum Schuljahresbeginn 2019 ihren Dienst im Landkreis Schwäbisch Hall an den öffentlichen Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen des Schulamts an. Davon hat das Schulamt in der vergangenen Woche berichtet. „Im Landkreis Hall sind mittlerweile alle offenen Stellen besetzt“, ergänzt Kießling. Die Krankheitsreserve für längerfristige Ausfälle von Lehrkräften sei zur Sicherheit bereits im Einsatz. In Einzelfällen werde noch nach Lösungen gesucht, um Ausfälle durch geeignete Lehrkräfte zu ersetzen. „Das Angebot an zur Verfügung stehenden Kräften mit zweiter Staatsprüfung ist derzeit erschöpft. Einige, teils mehrfach ausgeschriebene Stellen konnten daher bisher noch nicht besetzt werden“, teilt das Amt mit. Dies bezieht sich auf den gesamten Zuständigkeitsbereich der Behörde.

Grundschulen sind von der knappen Versorgung am ehesten betroffen, sagt der Schulamtsdirektor: „Im Sekundarbereich sind naturwissenschaftliche Fächer am meisten gefragt.“ Das reguläre Einstellungsverfahren für Lehrer laufe aber noch bis Ende September. Aber auch danach würden noch Lehrkräfte eingestellt.

Löcher in der Lehrerversorgung stopfen

„Die Löcher werden dadurch gestopft, dass Klassen zusammengelegt oder Klassen über dem Klassenteiler gebildet werden“, kritisiert Jana Kolberg, Kreisvorsitzende Main-Tauber/Hohenlohe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Vorsitzende des örtlichen Personalrats GHWRGS (Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren). „Außerdem stocken zahlreiche Lehrkräfte ihre Teilzeitdeputate noch weiter auf, sofern sie es können.“

Die aktuellen Studienplätze reichten aktuell und auch zukünftig noch nicht aus, so Kollberg. Daher fordere die GEW, dass die Studienplätze dringend erhöht werden müssen. „Als kurzfristige Maßnahmen schlagen wir vor, die Altersermäßigung zu erhöhen, damit mehr Lehrkräfte bis zur Altersgrenze arbeiten“, sagt die Lehrervertreterin. Die Situation habe sich dadurch verschärft, dass die Studienplätze reduziert worden sind – nicht nur in Baden-Württemberg. „Den ländlichen Raum zu versorgen war schon immer schwierig. Das verschärft sich natürlich noch mehr, wenn sich die wenigen Bewerber auf zahlreiche Stellen bewerben und damit auch in der Lage sind, besser aussuchen zu können“, so Kolberg. „Die Landes­regierung muss jetzt die Weichen für das kommende Jahrzehnt stellen: Ausbildung und Qualifizierung der Lehrkräfte sowie Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und Schulleitungen müssen die Eckpfeiler der Qualitätsentwicklung werden.“

Einige Lehrer werden krank durch Überlastung

Unter dem Lehrermangel leiden Lehrer wie Schüler. „Das meiste wird von den Lehrkräften aufgefangen durch Vertretung, Klassenzusammenlegungen, Aufstockung und so weiter“, so die GEW-Vertreterin. Es würden auch zahlreiche Lehrkräfte unbefristet eingestellt, die keine Lehrbefähigung haben – das sei im Schulalltag natürlich auch spürbar. „Eine Überlastung von Lehrkräften und natürlich auch bei großen Klassen bekommen da natürlich auch die Schüler zu spüren. Durch Überlastungen gibt es auch immer wieder krankheitsbedingte Ausfälle“, so Kolberg.

Wie der Fachkräftemangel

„Die Problematik Lehrermangel ist für mich zu Teilen vergleichbar mit dem Fachkräftemangel in der Industrie“, sagt Christian Nowak, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Stadt Crailsheim. „Arbeitgeber, Arbeitsplatz, Gehalt und Umgebung müssen attraktiv sein. Aber nicht jeder ist heute noch bereit, aus seinem persönlichen Umfeld dorthin zu wechseln, wo ihn sein Arbeitgeber braucht, oder wo die Attraktivität für sie oder ihn nicht hoch genug ist.“ Er schließe sich den Forderungen von Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats, an. Dieser hatte in einem Fernsehinterview gesagt: „Wir haben in den letzten 15 Jahren in Baden-Württemberg unser Schulsystem an den Rand des Bankrotts gespart.“ Die Landespolitik müsse alles dafür tun, um die Situation an den Schulen zu verbessern, sagt Nowak: „Und bis dahin müssen Eltern, Lehrer und Schüler so gut wie möglich mit der Situation umgehen und zusammenarbeiten. Ist dies nicht der Fall, wird es für alle anstregend.“

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Landkreis hat die meisten Ganztagsgrundschulen


Mit dem Ziel des flächendeckenden Ausbaus ist seit Juli 2014 die Ganztagsgrundschule gesetzlich verankert. „Jedes Kind soll dabei die Möglichkeit haben, eine Ganztagsschule in erreichbarer Entfernung besuchen zu können“, teilt das Schulamt Künzelsau mit. Im Bereich des Schulamts sind im Landkreis Schwäbisch Hall 23 Ganztagsgrundschulen nach neuem Landeskonzept eingerichtet, im Hohenlohekreis drei und im Main-Tauber-Kreis zehn.

Grundlage für die pädagogische und organisatorische Arbeit an den Ganztagsschulen bildet der Qualitätsrahmen Ganztagsschule Baden-Württemberg. Mehr dazu gibt es unter ganztagsschule-bw.de/Qualitaetsrahmen+Ganztag