Wer frühmorgens zur Arbeit fährt, hat es oft eilig und tritt bisweilen kräftig aufs Gaspedal. An kaum einer anderen Kreuzung in der Region ist das so gut zu beobachten wie am Forsthaus bei Gnadental. Auf der Landesstraße 1046 und der Kreisstraße 2579 rauscht der Berufsverkehr vorbei. Pendler aus Mainhardt, Pfedelbach, Öhringen, Waldenburg oder Schwäbisch Hall wollen schnellstmöglich an ihre Arbeitsplätze kommen.

Über die Straße zum Bus

Auch die Büchelberger Kinder sind in aller Frühe schon unterwegs. Um 7.24 Uhr, wenn es im Dezember und Frühjahr noch stockdunkel ist, steigen sie in ihren aus Waldenburg kommenden Schulbus der Firma Röhler (Linie 32) ein. Um zur Grundschule nach Michelfeld zu kommen, müssen die Erst- bis Viertklässler umsteigen – um 7.30 Uhr am Forsthaus. Der auf der L 1046 von Büchelberg kommende Bus hält auf der rechten Seite in Fahrtrichtung an.

Die Schüler steigen aus, laufen über den Forsthaus-Parkplatz zur Haltestelle „Forsthaus Süd“, wo bereits der Anschlussbus zur Schule nach Michelfeld wartet. Um zum Bus zu gelangen, müssen die Mädchen und Jungen die Kreisstraße überqueren – laut Einschätzung ihrer Eltern vor allem in der dunklen Jahreszeit ein gefährliches Unterfangen. Von links aus Richtung Sailach rasten Autofahrer manchmal ungebremst über die Kreuzung. Und die von rechts aus Richtung Neunkirchen kommenden Fahrzeuge seien für die Kinder wegen der Kurve erst sehr spät zu sehen.

Eislingen

Eltern wollen, dass ihre Kinder direkt auf dem Forsthausparkplatz umsteigen

„Wir haben Angst um unsere Kinder. Muss wirklich erst etwas passieren, bis gehandelt wird? Wird denn für die Michelfelder Ortsteile gar nichts mehr gemacht? Sind denn Kinder auf dem Land gar nichts mehr wert?“, fragt ein erzürnter Vater, der lieber anonym bleiben möchte. Bei Bürgermeister Wolfgang Binnig, beim Gemeinderat, beim Landratsamt und beim Busunternehmen Röhler haben die Eltern bereits versucht, etwas zu erreichen – vergeblich. Ihre Forderungen: Entweder eine durchgehende Busverbindung von Büchelberg nach Michelfeld oder eine Umsteigemöglichkeit direkt auf dem Forsthaus-Parkplatz. Notfalls könne auch eine Querungshilfe eine leichte Verbesserung bringen.

Der Vater verweist darauf, dass das Umsteigen direkt auf dem Forsthaus-Parkplatz im aktuellen Michelfelder Schulwegeplan festgeschrieben ist. Darin heißt es: „Der weiterführende Bus (Linie 32) fährt den Parkplatz der Gaststätte Forsthaus ebenfalls an. Eine Straßenüberquerung ist daher nicht erforderlich.“

Die Realität sieht indes anders aus. Der von Neunkirchen kommende Bus, in den die Büchelberger Kinder umsteigen müssen, fährt keineswegs auf den Parkplatz. „Früher war das anders. Ich habe nichts dagegen, dass die Busse direkt auf meinem Hof halten. Es gibt dazu auch einen jahrzehntealten Vertrag mit der Gemeinde Michelfeld“, sagt Forsthaus-Wirt Volker Ott.

Dettingen/Neuhausen

Nicht alle halten die Kreuzung für gefährlich

Ihm sei ein solcher Vertrag nicht bekannt, sagt Busunternehmer Peter Röhler auf Nachfrage unser Zeitung. Ott könne ihm diesen gerne zeigen. Eine durchgängige Verbindung ohne Umsteigen für die Büchelberger Grundschüler schließt Röhler aus wirtschaftlichen Gründen aus. Im Übrigen hält er die Kreuzung nicht für gefährlich. Das sehe auch das Landratsamt so.

Drei Büchelberger Grundschüler fahren derzeit mit dem Bus nach Michelfeld. In den nächsten Jahren werden weitere Kinder eingeschult, sodass die Zahl auf sechs steigt, sagen die Eltern. „Wolfgang Binnig sollte sich ein Beispiel am Waldenburger Bürgermeister Markus Knobel nehmen“, sagt ein Vater. Knobel hatte Anfang des Jahres nach intensiven Gesprächen mit dem Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) erreicht, dass für den Schülertransport mehr Verbindungen eingerichtet werden.

Laut Wolfgang Binnig sollen auf dem Forsthaus-Parkplatz demnächst Solarleuchten aufgestellt werden, um morgens für mehr Sicherheit zu sorgen. Weitere Maßnahmen seien derzeit nicht geplant. Für die Büchelberger Eltern reicht das bei Weitem nicht aus. Sie wollen weiter auf die aus ihrer Sicht kreuzgefährliche Situation aufmerksam machen und mit ihrem Anliegen notfalls zum Fernsehen gehen.

Schwerer Unfall mit Schulbus noch präsent


Bereits mehrfach waren am Forsthaus Schulbusse in Unfälle verwickelt. Ein besonders schwerer ereignete sich Im Mai 2017. Der Fahrer eines Ford Transit, der für den Schülertransport eingesetzt war, nahm einem Ford Fiesta an der Kreuzung die Vorfahrt. Fünf Kinder wurden verletzt, eines schwer.