Geschäftsführer Friedemann Vogt zählt zu den Menschen, die überlegt und besonnen Klartext reden. Wenn er wie am Mittwoch bei der Generalversammlung in der Schrozberger Stadthalle davon redet, dass die großen europäischen Milchkonzerne bereits begonnen haben, sich munter auf dem Markt zu bedienen und eine nach der anderen kleinen Molkerei aufzukaufen, so ist das eine drastische, aber realistische Beschreibung. "Zehn Große werden bis 2020 in Deutschland übrig bleiben und 15 Spezialisten", prophezeite er. "Wir wollen zu den 15 Überlebenden zählen."

Dazu sind allerdings enorme Anstrengungen nötig, um die hoch spezialisierte Schrozberger Molkerei zukunftsfähig zu machen. Obwohl: Offensichtlich ist man auf einem guten Weg, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen war. Alle Zeiger stehen auf "aufwärts", die Zahlen sprechen für sich. Und nutzbare Nischen werden ebenfalls gefunden, wie das jüngste Erfolgsprodukt beweist, der gerade erst bestens eingeführte und prämierte "Frozen Joghurt".

Zudem greift die aktuelle Schrozberger Image- und Marketing-Kampagne. Sie setzt voll auf bodenständig-sympathische, knitze und regionale Typen, die verschmitzt von Werbewänden und Bannern lächeln. Die "Models": Bauernfamilien aus dem Einzugsgebiet der Genossenschaft, die sogar kurzfristig für Foto-Shootings bereitstehen. "Unsere Hörner bleiben dran" lautet beispielsweise solch ein Slogan, der angenehm doppeldeutig daherkommt und sowohl Milchvieh wie wohl auch nette Menschen beschreibt. Das kommt an.

Die Geschäftsentwicklung war im abgelaufenen Jahr erneut so gut wie selten. Trotz zum Teil heftiger saisonaler Schwankungen am Milchmarkt mit ungewöhnlich hohem Aufkommen weltweit und dementsprechendem Preisdruck erhöhte sich bei der Schrozberger Genossenschaft die Milchanlieferung - bei konventioneller Milch um 5,9 Prozent, bei der Demeter-Milch um 5,7 Prozent. In der Summe waren das 47.810.136 Kilo mit einem Durchschnittsfettgehalt von 4,1 Prozent und einem Eiweißgehalt von 3,4 Prozent. Der Umsatz stieg im Berichtsjahr auf 34.996.046 Euro (Vorjahr: 34.127.681 Euro). Die Bilanz weist in Aktiva und Passiva 9.755.587 Euro aus, der Jahresüberschuss liegt bei 454.958 Euro (Vorjahr 225.139). 400.000 Euro wurden in die Rücklagen eingestellt, der Gewinn machte also 54.958 Euro aus.

Um für die Aufgaben der Zukunft gerüstet zu sein, werden die Schrozberger 2013 um Neu- und Umbauten nicht herumkommen. Das alte Kühlhaus soll deshalb zu Produktionsräumen umgebaut werden, und auch der Austausch des Demeter-Sauermilchtanklagers ist für dieses Jahr geplant. "Für 20 Prozent der Investitionssumme", kündigte Vogt an, "wurden Zuschüsse zugesagt."

Im vergangenen Jahr wurden für den Kühlhausneubau und die Modernisierung des Betriebsraums knapp 1,5 Millionen Euro eingesetzt. Dass diese Investitionen auch nötig sind, um die hohen eigenen Qualitätsansprüche zu gewährleisten, ist logisch. Das wird auch außer Haus entsprechend honoriert. So hat die Molkerei 2012 wieder etliche DLG-Prämien eingeheimst und alle Zertifizierungen mit Prädikat abgewickelt.

Was die Milchbauern in der Stadthalle am meisten interessiert haben dürfte - der Milchpreis -, stellte sie allemal zufrieden. 2012 lag er mit 37,48 Cent pro Liter bei konventioneller Milch ebenso über dem Landesschnitt wie der Preis von 49,16 Cent pro abgeliefertem Liter Demetermilch. Ein kräftiger Beifall war Friedemann Vogt da längst gewiss.

Vier Mitglieder weniger

Eine Genossenschaft baut auf ihre Mitglieder. Der Bestand ist im Geschäftsjahr von 304 auf 300 zurückgegangen. Sie hielten 1877 Geschäftsanteile (Vorjahr 1547). Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Erich Balbach, Daniel Balmberger, Ernst Bürkert, Friedrich Schmidt und Heinz Weiskopf genauso eindeutig bestätigt wie Vorstandsmitglied Walter Lober. els