Nur noch im Volkslied treiben die Räuber im Wald ihr Unwesen. Finstere Gestalten tummeln sich aber nach wie vor im Forst: Umweltfrevler laden nicht nur auf der freien Flur, sondern immer häufiger auch zwischen Buchen und Eichen ihren Müll ab.

Illegal „entsorgt“ wird schlichtweg alles, was in einen Kofferraum oder auf einen Anhänger passt – vom Bauschutt bis zu Kühlschränken, von Windeln bis zur Kloschüssel. Besonders gefährlich werden die wilden Müllkippen, wenn Altöl, Farbreste und andere überaus umweltschädliche Chemikalien völlig rücksichtslos im Wald verklappt werden.

Auch die Stadt Schrozberg kann wie alle Kommunen ein Lied davon singen, wie die Natur als Mülldeponie missbraucht wird. In der jüngsten Ausgabe des Amtsblattes „Unter uns“ macht das Rathaus seinem Ärger Luft: „In der letzten Zeit ist wieder verstärkt zu beobachten, dass achtlos oder sogar bewusst weggeworfener oder einfach zurückgelassener Müll das Ortsbild von Schrozberg verunstaltet.“

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„Geldbußen sind zu niedrig“

Die Aufräumarbeiten bleiben dann an der Stadt hängen: „Die Mitarbeiter des Bauhofes haben auch so schon alle Hände voll zu tun. Woche für Woche müssen sie sich dann aber auch noch um die Beseitigung von Müll kümmern, den andere bewusst oder unbekümmert wegwerfen“, wie es im Amtsblatt weiter heißt.

„Die Folgen von solchen Umweltsünden bezahlen alle Bürger“, sagt Thomas Pöschik, Leiter des Bauamtes auf dem Schrozberger Rathaus. Ihm fehle „jegliches Verständnis“ dafür, dass Müll aller Art einfach in die Natur gekippt wird. Und „die Geldbußen für solche illegalen Ablagerungen sind viel zu niedrig und schrecken nicht wirklich ab.“

Mit dem Problem ist auch Dr. Andreas Wickel, Leiter des Forstamtes für den Kreis Schwäbisch Hall, andauernd konfrontiert. Die Revierförster stoßen immer wieder auf Müllhalden im Forst – vor allem an Stellen am Waldrand, die mit Fahrzeugen leicht und schnell erreichbar sind, aber nicht eingesehen werden können.

„Kosten sind kein Argument“

Der Chef des Forstamtes schätzt, dass in rund 80 Prozent der Fälle die Verursacher nicht ermittelt werden können. „Die relativ geringen Kosten für eine ordnungsgemäße Entsorgung des Mülls können da kein Argument dafür sein, sich den Weg zum Wertstoffhof zu ersparen“, sagt Dr. Andreas Wickel. Nach seiner Ansicht stecken eher „eine Portion Sorglosigkeit und Faulheit dahinter“. Im Jahr 2018 war das Amt für Abfallwirtschaft 67 Mal im Einsatz, um etwa elf Tonnen wilde Müllablagerungen einzusammeln.

Müll im Wald hat überaus schädliche Folgen: Rehe und Wildschweine können sich an scharfkantigen Gegenständen verletzen, Reptilien und Vögel verwechseln kleinteiligen Abfall mit Futter und verenden nicht selten qualvoll daran. Noch größer sind die Gefahren für die Umwelt, wenn Sondermüll wie Lösungsmittel, Kleber oder Pestizide im Forst oder auf der Feldflur landen und das Grundwasser verseuchen.

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Umweltexperten aus dem Saarland haben berechnet, wie lange der Wald mit illegalem Müll zu kämpfen hat. Im Fall von Taschentüchern aus Papier kamen die Fachleute auf einen Zeitraum von sechs Wochen bis zu fünf Jahren. Zigarettenkippen brauchen zehn Jahre, bis sie einigermaßen verrottet sind. Eine Plastiktüte ist erst nach 20 Jahren wieder verschwunden und ein Kaffee-To-Go-Becher belastet das grüne Ökosystem 50 Jahre lang. Eine Windel löst sich erst nach 450 Jahren in Nichts auf und eine Getränkedose überdauert 500 Jahre im Forst. Autoreifen sind sogar erst nach 2000 Jahren zersetzt, von Styropor gibt es erst nach 6000 Jahren keine Spuren mehr. haz