Satteldorf / Hans-Peter König Der Schauspieler Peter Schell blickt in Satteldorf humorvoll hinter die Fernseh-Kulissen der SWR-Erfolgsserie „Die Fallers“.

Fang mr an, bevor die Erschdn wieder gehen“, so der Eröffnungsspruch von Peter Schell am Mittwochabend im „Golden Nugget“. Aber die Sorge, jemand könnte sich vorzeitig zurückziehen, war vollkommen unbegründet. Dreißig Menschen stand der Sinn danach, Schell, der Verkörperung von Karl Faller aus „Die Fallers. Die SWR-Schwarzwaldserie“, „aus dem Nähkästchen“, wie es im Untertitel hieß, plaudern zu hören.

Die zwei Stunden lebten besonders von der Abwechslung. Schell beantwortete die Fragen seines Publikums, erzählte humorvoll und pointenreich aus seinem filmischen Erfahrungsschatz und las aus einem von ihm verfassten, leider jedoch nie veröffentlichten Buchmanuskript vor. Er präsentierte ebenso zwei Dialektgedichte und betätigte sich zu guter Letzt gar als Didgeridoospieler. Autogramme gab es vor- und nachher.

Dreh ein Jahr im Voraus

„Was Sie schon immer wissen wollten, aber noch nie zu fragen wagten“, forderte der Schauspieler auf. Wie lange die Serie noch laufe, lautete die erste Frage. „So lange Sie diese anschauen.“ Dank der treuen Zuschauer sei die Serie das Zugpferd des SWR, das – anders als die aktuellere „Lindenstraße“ – ein ganzes Jahr im Voraus gedreht wird.

Derzeit gibt es einen Stamm von etwa 15 Autoren. Zieht man alle Folgen in Betracht, sind es deren 50, die mindestens ein Drehbuch geschrieben haben. Als Besucher hat man die Möglichkeit, die Studios in Baden-Baden anzusehen, aber nur außerhalb der Drehzeiten.

Gedreht wird nicht chronologisch, sondern ortsbezogen, also alle Szenen in der Küche, dann im Wohnzimmer. Dazu abgestellte Mitarbeiter achten darauf, dass alles hundertprozentig passt. Nur ein einziges Mal pro Staffel geht es zu allen Stallszenen zum Außendreh auf den Hof. „Könnten Sie mich auch mal brauchen, den Mistkarren zu fahren? Das hab ich gelernt“, fragte ein Schrozberger Besucher.

Sergiu-Dan Barboni aus Unterdeufstetten hat auch schon Rosen verteilt - als Bachelor in Rumänien.

Aus bäuerlichem Umfeld

Ob er ein Problem damit habe, einen Bauern zu spielen, war eine weitere Frage. Da Schell aus bäuerlichem Umfeld stammt, fällt ihm das nicht schwer. Eine Woche vor dem Dreh auf dem Hof lässt er sich alles zeigen. Kühe seien erstaunlich geduldig, schließlich sei das viele Licht für sie doch problematisch. Kein Melken von Hand mehr, sondern Melkroboter sind angesagt. Alles muss mit der Zeit gehen.

„Wie alles begann.“ Dazu las Schell aus seinem umfangreichen, eigentlich druckfertigen Buchmanuskript vor, das der „Südkurier“ eigentlich veröffentlichen wollte. Ein neuer Produzent lud ihn vor: „Wenn auch nur eine Zeile davon erscheint, können Sie sich als entlassen betrachten“. So blieb der „Durchbruch“ in der Schublade. Als Untertitel hatte der Verlag „Aufzeichnungen eines Serienschauspielers“ geplant. Schell selbst hätte „Aufzeichnungen eines Serientäters“ vorgezogen. Dies und zahlreiche Textpassagen zeigen sein großartiges satirisches Können wie auch seine (selbst-)kritische Einstellung. „Aber wer will schon die Wahrheit hören?“, fragte Schell.

Er vertrat auch die Ansicht, dass die Wirkung von Serien bislang viel zu wenig untersucht sei. Das Anschauen von Serien könne zur Sucht werden, auf das die meisten dieser „Süchtigen“ auch noch stolz seien. Dabei ist bei Serien alles stets einfacher und überschaubarer als in der Wirklichkeit. Zwar gibt es zahlreiche Probleme, doch lassen die sich in den Fernsehspielen am Ende stets lösen. So nehme, schlussfolgerte Schell, die Kritikfähigkeit des Publikums ab und gehe mit einem Realitätsverlust einher. Beispielsweise sei er real von einem Bauern gefragt worden, wie er seinen Stall umbauen solle. Ein anderer Schauspieler sei in Baden-Baden ob seiner vermeintlichen Schlechtigkeit schon bepöbelt worden.

Probleme gibt es auch mit Szenen, die auf Anhieb nicht klappen und wiederholt werden müssen. Wenn man viermal frühstückt und dreimal zu Mittag isst, wie soll man dann bestätigen, wie fantastisch das Schäufele sei, vor allem wenn man Vegetarier ist? Auch dass man im Sommer den Winterdreh hat und umgekehrt, ist nicht gerade einfach. War man 1994 nur ein halbes Jahr voraus, so ist es mittlerweile ein ganzes Jahr. Wurde im Februar dieses Jahres die tausendste Folge ausgestrahlt, ist man beim Drehen jetzt beinahe 50 Folgen weiter.

Der Schauspieler Luke Perry von der früheren TV-Kultserie „Beverly Hills, 90210“ und der Show „Riverdale“ ist im Alter von 52 Jahren gestorben.

Über eine Million Zuschauer

Zu Beginn der Serie wurden vollmundig 100 Folgen angekündigt, intern aber nur mit fünfzig gerechnet. Die anfängliche Kritik war vernichtend: „100 Folgen? Ein Graus!“ und „Skandal für unseren Schwarzwald des 20. Jahrhunderts“ lauteten negative Bewertungen. Davon kann heute natürlich keine Rede mehr sein. Waren es anfangs erst 100.000 Zuschauer, so sind es inzwischen deutlich über eine Million pro Folge.

Nach der Beantwortung zahlreicher anderer Fragen bedankte sich der Schauspieler bei seinem „sehr anregenden Publikum“. Da er sich seit über zwei Jahrzehnten für die „Deutsche Kinderkrebsnachsorge – Stiftung für das chronisch kranke Kind“ in Tannheim einsetzt, konnte er eine zweimal aufgerundete Spende von 300 Euro einsammeln.

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