Bächlingen Schöne Zeit trotz Klassenprügel

GÖTZ GREINER 10.09.2013
Die ehemaligen Schüler der Oberschule Langenburg haben sich kürzlich in der Mosesmühle in Bächlingen getroffen. Mehr als 70 Teilnehmer erinnerten sich an die Schulzeit zwischen 1945 und 1955.

Es scheint fast so, als wollten sie die Schulzeit so authentisch wie möglich wieder aufleben lassen: Damals waren sie zwischen 10 und 16 Jahren alt und der Lehrer hatte mit ihrem Geschwätz zu kämpfen. Mittlerweile zählen sie 70 bis 85 Lenze, füllen die Mosesmühle in Bächlingen mit lautem Gespräch über alte und neue Zeiten - und werden von Jörg Mollmann, ihrem ehemaligen Schulkameraden, höflich zum Schweigen gebracht. Er ist einer der Organisatoren des dritten Treffens der ehemaligen Schüler der Oberschule Langenburg, und mitten in seiner Begrüßungsrede.

Über 70 ehemalige Oberschüler haben sich angemeldet. Die meisten von ihnen kommen von weit her. Früher waren sie alle aus Langenburg, Regenbach, Bächlingen oder Nesselbach.

Den weitesten Schulweg hatten damals wohl Gerhard Wagner und sein Bruder Reinhold, die täglich von Eberbach herradeln mussten - auch im Winter: Von den amerikanischen Besatzern im Graben liegen gelassene Feldleitungen wickelten sie um die Reifen. "So hatten wir unsere eigenen Schneeketten", erzählt Gerhard Wagner. Er war zwei Jahre lang auf der Oberschule, nachdem sie 1945 wieder eröffnet wurde.

Mollmann kam 1946 nach Langenburg und weiß noch genau, wie sein erster Schultag endete: "Jeder hat erst mal Klassenprügel bekommen." Da gingen die Mitschüler auf den Neuling los, der aber zwei Vorteile hatte. "Zum einen konnte ich schnell rennen, zum andern habe ich bergab gewohnt." Und bald schon legte sich der Groll der Mitschüler gegen das neue Gesicht in ihren Reihen.

Als er 1952 abschloss, waren sie nur noch zu viert in der Klasse. Wegen Unterbesetzung wurde die Schule 1955 geschlossen. Doch die zehn Jahre ihres Bestehens verbinden die Ex-Oberschüler - trotz aller Klassenprügel. Das spürt man. Es ist, als ob jeder jeden kennt.

Zum ersten Mal trafen sie sich 2011. Seither kommen jährlich mehr. Hätte das Wetter heuer nicht mitgespielt, der Innenraum der Mosesmühle wäre wohl zu klein gewesen. Notfalls hätte die Familie Ziegler die Türen des eigenen Wohnzimmers geöffnet.

Doch das ist nicht nötig: Bei strahlendem Sonnenschein leitet der 1945 in die Oberschule gekommene Wolfgang Schlauch einen kleinen "Schulausflug" durch den Ort und die Geschichte Bächlingens. Schlauch hat seine Rückreise in die Vereinigten Staaten eigens für dieses Treffen verlegt.

In der Kirche berichten Klaus Holzhäuser und Karl Kirchner vom Kriegsende im schwer umkämpften Nesselbach und dem tagelangen Angriff auf das menschenleere Laßbach. Zwar sind die meisten ehemaligen Oberschüler selbst Zeitzeugen. Doch erstaunen auch sie die Geschichten vom brennenden Heim, das mit Gülle und Hohenloher Most gelöscht werden musste, und von herumliegender Munition, mit der die Kinder aus Unterregenbach wie mit Spielzeugautos spielten.

Die Erzählungen werden nur kurz unterbrochen. Von Bernulf Schlauch, der seinen Kopf durch die seitliche Tür der Kirche steckt und mahnt: "Der Sekt wird warm!" Eine Schande wäre das! Denn wie sollte man einen solchen Tag angemessener würdigen als mit einem Bächlinger Holundersekt?