Bühlerzell Schön sein wie eine Prinzessin

Diana und Isabella Zarowny haben ihre Mädels von der Kindergarde Piccola Principessa genau im Blick. Foto: Weigert
Diana und Isabella Zarowny haben ihre Mädels von der Kindergarde Piccola Principessa genau im Blick. Foto: Weigert
Bühlerzell / MICHAELA CHRIST 30.01.2013
Diana und Isabella Zarowny tanzen, seit sie laufen können. Zuerst durch alle Bühlerzeller Garden, dann bei der Garde Smaragd in Bühlertann. Im Herbst haben sie eine Kindergarde in Bühlerzell gegründet.

"Ich will Garde tanzen!", sagte Maja Wengert (10) nach dem letztjährigen Fasching nicht zum ersten Mal zu ihrer Mama Beate (43). Und ihre kleine Schwester Nele (7) stand ihr kopfnickend zur Seite. Wenn das so einfach wäre, dachte die ratlose Mama. Denn in Bühlerzells Garden konnte man erst tanzen, wenn man 16 Jahre alt war.

Ehemann Hebbe (48) sollte als gebürtiger Bühlertanner seine Beziehungen im Nachbarort spielen lassen. Fehlanzeige. Die Zwergelgarde dort hat eine lange Warteliste. Ganz nebenbei erzählt Beate Wengert ihr Dilemma Isabella Zarowny (19), Trainerin der Turngruppe Step by Step, als sie ihre Töchter zum Training bringt. Die Isabella erzählt ihrer Schwester Diana (22) von dem Wunsch der Wengert-Töchter.

Diana ging der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Selbst sport- und tanzbegeistert, kann sie das Sehnen der Mädchen nachempfinden. Zusammen mit ihrer Schwester durchlebte sie, kaum dass sie laufen konnte, sämtliche Turngruppen der Sportfreunde Bühlerzell. Auch alle drei Garden, denn damals gabs noch eine Kindergarde.

Ihre Gardekarriere beendeten die beiden Schwestern im vergangenen Jahr in Bühlertann bei der Garde Smaragd von Manuela Stirner. "Wir sind beide oft weg zum Studieren. Das funktioniert in einer Tanzgruppe nicht", erklärt Isabella den Abgang. Leicht fiel es keiner, verraten ihre Blicke. Doch ihre Turn- und Tanzgruppen können die beiden trotz Studium leiten, weil sie die Theorie- und Praxisphasen an den Hochschulen abwechselnd haben. Will heißen: Während Isabella drei Monate in Heidenheim an der Dualen Hochschule studiert, ist Diana in der Praxisphase beim Jugendamt in Crailsheim. Dann kann sie nach Feierabend sowohl ihre Trainingsstunden als auch die ihrer Schwester abhalten. Geht sie nach Stuttgart an die Hochschule, kommt Isabella zu Vion nach Crailsheim und übernimmt abends das Training.

Zusammen mit Mama Katharina (51) schmiedete man den Plan für die Kindergarde Piccola Principessa: Isabella hatte die Erst- bis Viertklässler in der Turngruppe Step by Step vereint. Warum nicht dort von September bis März statt Turnen Garde trainieren? Im September wurde ein eintägiger Gardeworkshop anberaumt. "Wir wollten den Kindern die Möglichkeit geben, Gardetanzen zu erleben. Und natürlich selbst sehen, ob genügend Interesse da ist", sagt Isabelle. 23 bekundeten Interesse, 19 sind geblieben. Darunter Maja und Nele Wengert.

Trainiert wurde die ersten drei Monate mit Diana. Die Tanz-, Rhythmik- und Gymnastiktrainerin blickt auch auf 13 Jahre Ballett zurück. "Ich habe mit den Grundlagen angefangen. Wie strecke ich meine Beine? Wie soll meine Körperhaltung sein? Erst danach haben wir leichte Gardeschritte einstudiert", resümiert sie. Die Mädchen zeigen, was sie können: den Tannenbaum, den Schwimmer, und plötzlich sitzen alle im Spagat. Diana strahlt.

Nach drei Monaten wechseln sich Diana und Isabella ab. Mit Isabella kommt die Choreographie auf die Gardemusik. Während das Tanztraining voran schreitet, trübt die Kostümfrage die Stimmung. Diana startet einen Spenderaufruf bei sämtlichen Firmen im Umkreis. Mit Erfolg. Es kommt soviel zusammen, dass sie 23 Hüte, Uniformjacken, Röcke und Petticoats kaufen können. Ein Kuchenverkauf in Obersontheim sorgt noch für die Rüschenhöschen und die Strumpfhosen. Bleibt für die Eltern nur noch der Tanzstiefel. "Auf den wir dieses Jahr verzichten", verrät Isabella. Zunächst werde in "Schläpple" getanzt.

Der erste Auftritt war beim Kinderfasching in Tüngental. Dort seien die Mädchen trotz Aufregung über sich hinausgewachsen, berichten die Trainerinnen. Der Saisonhöhepunkt aber kommt am Samstag, 9. Februar: der Umzug in Bühlerzell. "Ich werde schön sein wie eine piccola principessa!", strahlt Nele Wengert glücklich, nimmt die Brille von der Nase, setzt den Gardehut auf den Kopf und dreht sich so lange im Kreis, bis unter der lila-weißen Gardeuniform der spitzenbesetzte Petticoat hervorblitzt.