Kirchberg Schnelles Internet per Richtfunk

Im Kirchberger Solarpark steht der Hauptmast.
Im Kirchberger Solarpark steht der Hauptmast. © Foto: Sebastian Unbehauen
Kirchberg/Ilshofen / Sebastian Unbehauen 18.08.2018
Per Richtfunk will die Firma „Ingenia digitale Netze“ schnelles Internet aufs flache Land bringen – zunächst in Kirchberg und Ilshofen.

Seit ein paar Wochen ragt am Kirchberger Solarpark ein Funkmast 35 Meter in die Höhe. Für Menschen, die in der Umgebung im digitalen Niemandsland leben, könnte das ein Grund zur Freude sein. Denn die im Februar 2017 gegründete Firma „Ingenia digitale Netze“ aus Erkenbrechtshausen – eine Tochter des Erneuerbare-Energien-Anbieters „Ingenia“, der unter anderem den Solarpark und den Windpark Kirchberg betreibt – will damit für schnelleres Internet in Hohenlohe sorgen. Informationsveranstaltungen in Gaggstatt und Oberaspach hat es schon gegeben, im Herbst wollen die Verantwortlichen Erschließungskonzepte in den Gemeinderäten von Kirchberg und Ilshofen vorstellen.

„Müssen wir wirklich jeden Ort so schnell wie möglich mit Glasfaser erschließen?“, fragt „Ingenia“-Geschäftsführer Ralf Stier im Gespräch mit unserer Zeitung. Und natürlich ist das eine rhetorische Frage. Stier und seine Mitarbeiter sehen die Richtfunktechnik als eine einfache, günstige Möglichkeit, um eine auf absehbare Zeit ausreichende Bandbreite in entlegenere Flecken zu liefern. Stier: „Wir bieten Kommunen an, dort hinzugehen, wo andere nicht hingehen.“

Dafür hat „Ingenia“ eine Glasfaserverbindung von einem Internetknotenpunkt in Nürnberg nach Ulm angemietet, dann eine weitere von Ulm nach Crailsheim. Zwischen Crailsheim und Kirchberg wird eine firmeneigene Faser genutzt – und dort steht der Hauptmast. Die Richtfunktechnik kommt aus dem militärischen Bereich, streut anders als der Mobilfunk nicht breit und das Signal hat nicht die Stärke, Hindernisse zu durchdringen. Es muss also jeweils eine Sichtbeziehung zwischen Sender und Empfänger bestehen. Bis zu 20 Kilometer können mit der „Ingenia“-Technik überwunden werden.

Der einfachste Fall ist, dass ein Kunde direkt vom Hauptmast aus erreicht werden kann. In vielen Fällen werden Umwege nötig sein. Man ist deshalb auf der Suche nach erhöhten Punkten, auf denen Antennen angebracht werden können – etwa auf Wassertürmen oder auf landwirtschaftlichen Silos, künftig auch auf Windkraftanlagen.

Und wie steht es um die Gesundheit? Das Wort „Funk“ taugt schließlich stets zum Aufreger. Stier betont, dass das Funkzugangsgerät außerhalb von Gebäuden angebracht sei und dass die Sendeleistung bei lediglich 0,02 bis 0,2 Watt liege. Zum Vergleich: Ein Mobiltelefon sendet mit einem bis drei Watt, ein Mobilfunkverteiler mit 10 bis 30 Watt.

Wie vielfach berichtet, ist der Landkreis gerade dabei, eine sogenannte Backbone-Planung für schnelles Internet auf die Beine zu stellen. Die „Ingenia“-Leute begrüßen das. „Die brauchen wir unbedingt“, sagt Stier. „Es ist wichtig, dass Glasfaser-Knotenpunkte in jede Kommune kommen.“ Vielleicht tauchten dabei sogar Kabel auf, von denen bisher niemand etwas wisse. Die gebe es nämlich nicht selten – aber leider keine gesetzliche Verpflichtung für die privaten Eigentümer, die Existenz offenzulegen.

Das „Ingenia“-Angebot sei eine kurzfristig wirksame Ergänzung zur Landkreis-Planung.  Wenn es freilich – zum Beispiel wegen Straßenbauarbeiten, die eh nötig sind – die Möglichkeit zur günstigen Glasfaserverkabelung gebe, müsse man diese weiterhin nutzen. Langfristig will sich auch „Ingenia“ vor allem auf dem Glasfasermarkt tummeln.

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