Landkreis Schlüssiges Konzept fehlt noch

Erlebnispädagogik in der Schule in Rot am See: So soll Vertrauen zwischen den Mädchen und Jungen aufgebaut werden. Als einzige Schule im Landkreis Hall bekommt die Gemeinde in Runde zwei eine Gemeinschaftsschule. Archivfoto: Joachim Mayershofer
Erlebnispädagogik in der Schule in Rot am See: So soll Vertrauen zwischen den Mädchen und Jungen aufgebaut werden. Als einzige Schule im Landkreis Hall bekommt die Gemeinde in Runde zwei eine Gemeinschaftsschule. Archivfoto: Joachim Mayershofer
SIGRID BAUER 07.02.2013
Sinkende Schülerzahlen werden im Kreis Hall zu Schulschließungen führen. Welche Schule das wann betrifft, wird bisher nicht gesteuert. In Zukunft entscheiden das Regierungspräsidium und die Schulämter.

Siegfried Gröner, Bürgermeister von Rot am See, hat zur Schulentwicklung am Ort eine Sorge weniger. Rot am See hat ab September eine Gemeinschaftsschule. Bei Antragstellung hatte es Streit zwischen seiner Kommune und Kirchberg gegeben. Solche Konflikte zu Schulstandorten wird es künftig trotzdem geben, auch wenn das Schulamt bis Ende des Jahres sein Schulplanungskonzept vorstellt, befürchtet Gröner.

Um Querelen über Schulstandorte zu vermeiden, möchte Grünen-Kreisrat Hans-Joachim Feuchter das Thema regionale Schulentwicklung im Kreistag diskutieren.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou setzt sich dafür ein, dass sich nicht der Landkreis, sondern das Schulamt einschaltet, wenn sich die Gemeinden nicht einigen. Wegen fehlender schulpolitischer Planung in den letzten 40 Jahren sei das Schulangebot im Kreis ganz unterschiedlich.

Wenn bis 2025 rund 20 Prozent weniger Schüler weiterführende Schulen besuchen, werde es im Bühlertal nicht mehr in jedem Ort eine eigene Schule geben. Die Antwort sei, sich zusammenzuschließen zu einem vernünftigen Schulangebot mit einer gewissen Größe, meint er.

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Rüeck sieht das Schulamt in der Verantwortung für die regionale Schulplanung. "Nur sollte man langsam damit anfangen", fordert er. Er sei kein Freund der Gemeinschaftsschule. Statt dessen tritt er für Verbundschulen ein, also einem Zusammenschluss von Schulformen, die aber als solche erhalten bleiben. "So könnte man mehr Standorte halten und würde nicht Gemeinden aufeinander loslassen."

Helmut Kaiser, Leiter der Helmut-Rau-Schule in Mainhardt, fordert, dass bei der Schulplanung verschiedene Ebenen zusammenarbeiten, um örtliche, regionale und landkreisübergreifende Perspektiven einzubeziehen. Auch der Gemeindetag sollte beteiligt sein. Er hätte sich gewünscht, dass es schon vor der Einführung der Gemeinschaftsschule ein Konzept gegeben hätte, "was man am Ende will".

Manfred Koch, geschäftsführender Schulleiter der Crailsheimer Schulen, möchte neben dem Schulamt eine Art Expertenkommission, die die Schulsituation vor Ort analysiert und ein Konzept erstellt, einbeziehen. Crailsheim habe ein solches Gremium mit den Gemeinden als Schulträger, den Schulleitern, aber auch Vertretern der Wirtschaft und der Eltern. Ende Februar werde das Ergebnis dem Crailsheimer Gemeinderat vorgestellt. Konkrete Überlegungen zur schulischen Entwicklung im Raum Hall gebe es noch nicht, so sein Haller Kollege Dieter Käßmann. "Das läuft erst an."

Landrat Gerhard Bauer betont, die Landesregierung habe gegen den Willen der Landkreise entschieden, dass die Regierungspräsidien und die Staatlichen Schulämter für die Planung der regionalen Schulentwicklung zuständig sein sollen. Wenn der Landkreis eingeladen werde, wirke er an der regionalen Schulentwicklung gerne mit.

Ursula Stock ist als Leiterin des Schulamts für die Landkreise Hall, Hohenlohe und Main-Tauber zuständig. Sie betont, zunächst müsse das Konzept zur regionalen Schulentwicklung gesetzlich verankert werden. Sie rechnet damit im späten Frühjahr. Dringend nötig seien inhaltlich klare Aussagen zu Schülerzahlen und Klassengrößen. "Wir stehen in den Startlöchern."