Langenburg / HARALD ZIGAN  Uhr
Vor 50 Jahren: Nach der verheerenden Brandkatastrophe im Januar 1963 mit immensen Schäden an den historischen Gebäuden und am kostbaren Inventar dauert es drei Jahre, bis das Schloss in Langenburg zum Kostenpunkt von rund sechs Millionen D-Mark zum größten Teil wiederaufgebaut ist und die weithin bekannte Residenz der Langenburger Fürsten und ihrer Familien wieder im alten Glanz erstrahlt.

Zwei Exemplare jenes Übeltäters, der im Januar 1963 beim Schlossbrand in Langenburg zusammen mit einem schadhaften Kamin eine hitzige Rolle spielte, sind noch heute im Barocksaal der Fürstenresidenz zu besichtigen: Zwei altertümliche Kanonenöfen, sinnigerweise direkt unter dem Phönix, dem Wappentier des Hauses Hohenlohe, platziert. „Ex flammis orior“ lautet der dazugehörige Wahlspruch der Langenburger Fürsten: „Aus den Flammen steige ich empor“.

In der bitterkalten Nacht der Katastrophe dürfte dem Ofen gut eingeheizt worden sein und die Fünkchen, die sich vom maroden Kamin aus in eine Decke hindurchglommen, entwickelten sich rasend schnell zu einem flammenden Inferno, das sich nicht nur bei den Langenburgern tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

Bei minus 20 Grad kämpften zahlreiche Feuerwehren aus dem Altkreis Crailsheim und die Berufsfeuerwehr aus Stuttgart  mit der Unterstützung vieler Bürger aus Langenburg gegen die Flammen und bewahrten mit ihrem mutigen Einsatz das Schloss vor dem völligen Untergang.

Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg (Jahrgang 1970) spricht von der „Gnade der späten Geburt“, wenn er über diesen katastrophalen Schicksalsschlag sinniert, von dem sein Vater Kraft zu Hohenlohe-Langenburg (Jahrgang 1935) in jungen Jahren wie aus dem Nichts getroffen wurde.

Der heutige Schlossherr hatte seine Lebensplanung zwar auf die Nachfolge in Langenburg eingerichtet, fand sich aber nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 2004 selbst sehr überraschend  in der ersten Reihe des Fürstenhauses wieder – und übernahm ohne zu zögern als neues Familienoberhaupt die Verantwortung für das historische Erbe.

Fürst Philipp zieht jedenfalls seinen Hut vor den schier endlosen Mühen des Wiederaufbaues von Schloss Langenburg, der sich in den wesentlichen Teilen über drei Jahre lang hinzog und endgültig erst im August 1977 mit der Renovierung des „Vier-Jahreszeiten-Saales“ und im Mai 1985 mit der Innenrenovierung der Schlosskapelle abgeschlossen war.

Ursprünglich sollte der Wiederaufbau der geschichtsträchtigen Fürstenresidenz rund vier Millionen D-Mark kosten, wovon die Württembergische Gebäudebrandversicherungsanstalt nach einer ersten Berechnung 2,3 Millionen D-Mark übernehmen wollte. Den großen Rest von 1,7 Millionen D-Mark hatte Fürst Kraft aus seiner Privatschatulle beizusteuern – ein Betrag, der die finanziellen Möglichkeiten des Langenburger Fürstenhauses aber bei Weitem überstieg.

So blieb Fürst Kraft nichts anderes übrig, als das Schloss in Weikersheim zur Finanzierung des Wiederaufbaues an das Land Baden-Württemberg zu verkaufen. Auch die landwirtschaftlichen Güter Neuhof und Ludwigsruhe mit insgesamt 110 Hektar Fläche wechselten den Besitzer. Später trennte sich das Fürstenhaus auch noch von Schloss Tierberg und von der Burgruine in Leofels, die allerdings nur zum symbolischen Preis von einer Mark in den Besitz der Stadt Ilshofen überging. Die Kolonialbibliothek von Fürst Hermann (1832–1913) wurde ebenfalls veräußert.

Letztlich summierten sich die Kosten für den Wiederaufbau des Langenburger Schlosses auf sechs Millionen D-Mark und auch das Land Baden-Württemberg beteiligte sich noch mit einem Zuschuss.

Fürst Philipp weint der Weikersheimer Anlage aber keine Träne nach: „Ich bin froh darüber, dass wir heute nicht auch noch dieses Ensemble unterhalten müssen – ein Schloss ist wahrlich genug.“ Er freut sich vielmehr darüber, was das Land aus diesem Besitz in Weikersheim gemacht hat.

Für den Stammsitz seiner Familie in Langenburg unternimmt Fürst Philipp schon seit einigen Jahren vielfache (und erfolgreiche) Anstrengungen, das Schloss für weitere Nutzungen zu öffnen. Dazu zählen etwa der Kletterpark oder die Gartentage. Der Schlossherr macht auch keinen Hehl daraus, dass der heftig umstrittene Windpark der ENBW in den fürstlichen Forsten des Brüchlinger Waldes für ihn auch ein finanzielles Standbein für den Erhalt und die Pflege des Langenburger Schlosses darstellt.

„Das ist für mich letztlich eine in Stein gemeißelte Lebensaufgabe“, sagt Fürst Philipp. Damit spielt der Schlossherr auf das Allianzwappen am Giebel des Ostflügels an, das nach der Heirat seines Vaters Kraft mit der Prinzessin Charlotte von Croÿ angebracht wurde: Zum Phönix-Motto der Hohenlohe (siehe oben) gesellt sich dort nämlich der Wahlspruch des Hauses Croÿ: „Ich erhalt’.“