Jagst Schlafende Kormorane im Visier

Das Regierungspräsidium erteilte zum Schutz der einheimischen Fischfauna im Juli 2016 eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung des Kormorans an der Jagst.
Das Regierungspräsidium erteilte zum Schutz der einheimischen Fischfauna im Juli 2016 eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung des Kormorans an der Jagst. © Foto: Archivfoto
Jens Sitarek 11.01.2018
Regierungspräsidium, Landesnatur-schutzverband und Landesfischereiverband sagen dem Vogel, wenn man so will, jetzt gemeinsam den Kampf an.

Mit einem Projekt wollen der Landesfischereiverband (LFV), der Landesnaturschutzverband (LNV) und das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart das Kormoranmanagement an der Jagst entwickeln – das gab das RP gestern in einer Pressemitteilung bekannt. Das Projekt nennt sich „Naturverträgliche Optimierung der Kormoranvergrämung an der Jagst“ und hat das Ziel, „die Vergrämungsmöglichkeiten des Vogels effizienter und naturverträglicher zu gestalten“.

Kormoranmanagement, Kormoranvergrämung – was vergleichsweise harmlos klingt und den Stempel naturverträglich bekommt, meint nichts anderes als den Abschuss der Tiere. Und der ist, das sei an dieser Stelle betont, schon länger erlaubt. Das Regierungspräsidium erteilte zum Schutz der einheimischen Fischfauna im Juli 2016 eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung des Kormorans an der Jagst. Diese gilt zwischen Hessenau und der Mündung in den Neckar.

Pro Jahr dürfen maximal 50 Kormorane geschossen werden, in fünf Jahren insgesamt nicht mehr als 170. Laut HT-Informationen lag die Abschussquote im vergangenen Jahr bei 58 Tieren. Nicht geschossen werden darf in den Naturschutzgebieten, Vogelschutzgebieten und in sogenannten Pufferbereichen.

58 Tiere 2017 abgeschossen

„In der Vergangenheit wurden die Möglichkeiten des Kormoranmanagements von den verschiedenen Beteiligten rege und zum Teil kontrovers diskutiert“, heißt es in der RP-Pressemitteilung weiter. Aber dabei blieb es nicht: Die Ausnahmegenehmigung ging der Fischhegegemeinschaft Jagst (FHGJ) und dem Landesfische­reiverband Baden-Württemberg (LFVBW) nicht weit genug und deswegen reichten sie im Sommer 2016 Klage gegen das RP beim Verwaltungsgericht in Stuttgart ein. Zudem war es ihrer Auffassung nach wünschenswert, die Abschusszahlen nicht von vornherein zu beschränken.

Generell kritisierten FHGJ und LFVBW, dass der Mühlenbrand in Lobenhausen im August 2015, bei dem durch kontaminiertes Löschwasser mehr als 20 Tonnen Fische starben, keine ausreichende Berücksichtigung fand. Denn: Das Gutachten, auf das sich das RP stützte, entstand bereits vor dem Brand.

Auch das Landratsamt Hall war damals mit der RP-Bewertung unzufrieden. Dies mündete sogar in einen offenen Brief von Landrat Gerhard Bauer an den Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer.

Klage gegen RP zurückgezogen

FHGJ und LFVBW haben die Klage mittlerweile zurückgezogen. Anders wäre die jetzige Zusammenarbeit wohl auch nicht vorstellbar. „Ich freue mich, dass sich alle Beteiligten nun zu einem gemeinsamen Kormoranmanagement-Projekt zusammenfinden“, so sagt es Regierungspräsident Wolfgang Reimer, und: „Dies ist ein wichtiger Baustein, um den Fischbestand in der Jagst weiter aufzubauen.“ Um den Erfolg künftiger Besatzmaßnahmen zu steigern, die das Aktionsprogramm Jagst vorsieht, soll der Fraßdruck des Kormorans reduziert werden.

Das gemeinsame Projekt beginnt noch in diesem Monat. Tandemzählungen von Fischern und Naturschützern bei den Kormoranschlafbäumen sollen neue belastbare Zahlen liefern (kürzlich wurden in einem Baum bei Crailsheim 161 Tiere gezählt). Eine Frage, die sich die Naturschützer dabei auch stellen ist natürlich die, ob der Kormoran qua Existenz andere Vögel vergrämt.

Schließlich soll „ein professionelles Gutachterbüro“ erarbeiten, „wie man den Kormoran ergänzend zur bestehenden Ausnahmegenehmigung nachhaltig vertreiben kann“. Das steht zwar so nicht explizit in der Pressemitteilung vom RP, aber es könnte sein, dass dann auf Tiere in Schlafbäumen geschossen wird.

Schutz und Vergrämung

Der Kormoran unterliegt dem Schutzregime der europäischen
Vogelschutzrichtlinie und den Schutzbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes, das für bestimmte Fälle Ausnahmen von den Schutzvorschriften zulässt. In Baden-Württemberg ist die Möglichkeit zur Vergrämung von Kormoranen an Gewässern in der Kormoranverordnung geregelt. Für eine Vergrämung in Vogelschutz- und Naturschutzgebieten sind darüber hinaus weitere Ausnahmen und Befreiungen erforderlich.