Sommerserie: Autobahn 6 Sauerkraut zum Lückenschluss

Auf der Autobahn 6 herrscht stets reges Treiben.
Auf der Autobahn 6 herrscht stets reges Treiben. © Foto: dpa (Archiv)
Kreis Hall / Harald Zigan 27.07.2018
Die Autobahn zwischen Heilbronn und Nürnberg ist seit 39 Jahren durchgehend befahrbar. Seither hat sich entlang des Asphaltbandes eine ganz eigene Welt entwickelt.

Den Licht- und Schattenseiten der Autobahn 6 quer durch Hohenlohe widmet sich heuer die HT-Sommerserie. Jeweils mittwochs und freitags rückt die HT-Redaktion das graue Band, das die hohenlohische Landschaft wie kein zweites Straßenbauprojekt verändert hat, in den Blickpunkt. Die A 6, die seit dem Lückenschluss im Jahr 1979 zwischen Kupferzell und Ansbach-West bei Aurach durchgehend zwischen dem Saarland und Tschechien befahrbar ist, schloss das Land zwischen Kocher und Jagst an die große weite Welt der internationalen Verkehrsströme an.

Die A 6 ist eine Welt für sich, in der sich Autofahrer und Trucker fast ohne jeglichen Kontakt zum Rest von Hohenlohe bewegen. Die Autobahn ist Verkehrsweg und Arbeitsplatz zugleich. HT-Redakteure schildern in der zwölfteiligen Serie zum Beispiel die gefährliche Arbeit der Autobahnmeisterei in einem wahrlich rasenden Umfeld, erklären die Funktionsweise der Maut-Kontrollstellen, sprechen mit lärmgeplagten Anwohnern und mit Truckern, die das Fahrverbot am Wochenende auf den Rast- und Parkplätzen stranden lässt.

Auf der Themenliste der HT-Sommerserie stehen neben dem „Innenleben“ der Kochertalbrücke und der Kapelle in ihrer Nachbarschaft auch die Pläne für die beiden neuen Brücken über Jagst und Gronach, die künftig für drei Fahrspuren ausgerichtet sind.

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Welche wirtschaftlichen Folgen die Autobahn hatte, zeigen die Beispiele von Satteldorf und Wolpertshausen: Beide Kommunen profitieren inzwischen immens von der Nähe zur A 6. Und schließlich widmet sich das HT auch noch dem unbeliebtesten Phänomen auf der Strecke – dem Stau.

Mit einem Stau beginnt auch die Geschichte der A 6 in Hohenlohe, deren erste Pläne für eine Verbindung zwischen Nürnberg und Heilbronn bereits auf das Jahr 1932 zurückgehen: Kilometerweit reihte sich am 18. Dezember 1979 bei Kupferzell eine Schlange von Autos und Lastern.

Die Fahrer warteten an diesem verregneten Tag allerdings auf ein historisches Ereignis: Der damalige Bundesverkehrsminister Kurt Gscheidle höchstselbst durchtrennte bei einer Feier mit 5000 (!) Ehrengästen und noch einmal so vielen Zaungästen um Schlag 14 Uhr ein schwarz-rot-goldenes Band und gab mit diesem symbolischen Akt den Verkehr auf dem neu gebauten, 58 Kilometer langen Teilstück zwischen den Anschlussstellen Kupferzell und Ansbach-West frei.

Die Schnipsel des Bandes verschwanden übrigens spurlos: Souvenirjäger mopsten sofort das epochale Stoff-Dokument. Fotografen baten um eine Wiederholung des zuvor recht schnell ausgeführten Schnittes. Ein Ersatz-Band gab es aber nicht. Bescheiden fiel danach das Festessen für die hohen Gäste in Schnelldorf aus: Es gab Bratwürste mit Sauerkraut.

Kilometer um Kilometer war die Autobahn auf Hohenlohe vorgerückt: 1970 erreichte die A 6 die Gemeinde Bretzfeld und bis 1975 führte die Autobahn bis Öhringen und nach Kupferzell. In Bayern endete die Strecke bei Aurach unweit von Ansbach.

Die Bagger und die Bauarbeiter bewegten insgesamt 19 Millionen Kubikmeter Erde, stellten 19 Anschlussstellen, elf Brücken nebst 46 Überführungen und 130 Unterführungen her. Die Kosten für die 58 Kilometer lange Strecke summierten sich letztlich auf umgerechnet 372 Millionen Euro.

Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst wuchs bei Braunsbach in den Himmel: Die 1,1 Kilometer lange Kochertalbrücke hält mit ihren 185 Metern noch heute den Rekord der höchsten Talbrücke in Deutschland. Allein die Überquerung des Flusses schlug mit 35 Millionen Euro zu Buche. Für die Pläne der Brücke zeichnete der Baumeister Gustav Schlumpberger verantwortlich, geboren in Bad Mergentheim und mit Vorfahren aus Rot am See.

Hohe Erwartungen wurden seinerzeit in das Jahrhundert-Projekt namens „Autobahn 6“ gesetzt. Der damalige Landrat Roland Biser etwa sprach bei der Eröffnung von der Hoffnung auf „gleichwertige Lebensverhältnisse und Lebenschancen für den strukturschwachen Raum zwischen den Verdichtungsräumen Stuttgart und Nürnberg“. Fast 40 Jahre später lässt sich sagen, dass der Wunsch des Haller Landrats in Erfüllung ging.

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