Man mag es ja kaum glauben: Nach jahrelangem Stillstand könnte die Hammerschmiede in Gröningen bald wieder hämmern. „Wir haben immer gesagt, wir öffnen Anfang Mai“, sagt der Satteldorfer Bürgermeister Kurt Wackler, „und das könnten wir – allen Unkenrufen zum Trotz“. Denn in der Hammerschmiede in Gröningen neigt sich die Sanierung derzeit dem Ende zu. Die Fenster sind gestrichen, der Wellbaum ist repariert, das neue Wasserrad ist an seinem Platz. Nur noch letzte Arbeiten sind nötig, dann könnte es heißen: „Wasser marsch“.

Kein Hammerschmiedefest

Die Saison könnte also pünktlich beginnen – ja, könnte, denn leider ist derzeit an ein großes Hammerschmiedefest nicht zu denken, bedauert Wackler. Und Führungen gehen auch nicht. Wie denn, in der engen Schmiede, in der man Abstände nicht einhalten kann? Deshalb bleibt die Hammerschmiede vorerst zu.

Dass die Sanierung der Hammerschmiede so perfekt im Zeitplan verlief, ist mehreren günstigen Umständen zu verdanken. Erstens konnte mit dem Mühlenbauer Roland Vetter aus Sonthofen überhaupt jemand gefunden werden, der sich mit solch komplexen Anlagen auskennt. Vetter kann nämlich nicht nur das Wasserrad nachbauen, sondern kann gleich die ganze komplexe Anlage reparieren. Keine Handvoll Experten seines Schlages gibt es noch in Deutschland.

Kreis Hall

Der zweite glückliche Umstand betraf den Wellbaum, der nicht ganz so morsch war wie befürchtet. Denn einen neuen Wellbaum zu besorgen – sprich: eine Eiche zu finden, die über mehrere Meter hinweg eine Stammdicke von einem Meter hat, ist so gut wie unmöglich. Ein Wellbaum, das muss man wissen, ist das Herzstück des Hammerwerks. Er ist es, der die Kraft vom Wasserrad auf die Hämmer überträgt.

Reparatur statt Tausch

Einen Wellbaum zu reparieren anstatt auszutauschen, spart schon allein deshalb Zeit, weil der meterlange Baumstamm nicht so einfach in die enge Schmiede hi­neingebracht werden kann. Dazu hätten zuerst einmal das zugemauerte Loch in der Außenwand wieder aufgebrochen und Geräte aus dem Weg geräumt werden müssen. „Das allein hätte schon Wochen gedauert“, sagt Karl-Heinz Kurz, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hammerschmiede.

All das war nicht nötig, denn die morsche Außenseite des alten Wellbaums war nur bis auf eine Tiefe von gut fünf Zentimetern morsch, erklärt Wackler. Ein stabiler Kern blieb übrig. Den konnte der Allgäuer Mühlenbauer dann sorgsam wieder auffüttern. Das vergleichsweise milde Winterwetter half ihm dabei, denn für die Reparatur des Wellbaums durfte es nicht zu kalt sein. „Der Wellbaum, das war Abenteuer auf höchstem Niveau“, sagt Vetter.

So stehen heute also vier Männer in der Hammerschmiede und freuen sich über den Baufortschritt – es sind der Bürgermeister, der Mühlenbauer und Karl-Heinz Kurz und Achim Pflüger, die dem Mühlenbauer während der Zeit immer wieder ehrenamtlich zur Hand gingen und nebenher so manche andere Reparatur ausführten.

Gröningen

Das neue Wasserrad ist kleiner als das alte


Auf den ersten Blick fällt es nicht auf, aber das neue Wasserrad ist ein Stück kleiner als das alte. „Ich habe es neu berechnet“, sagt Mühlenbauer Roland Vetter. Der Grund: Das alte Wasserrad war etwas zu groß und stand unten im Wasser. Das ist ein Konstruktionsfehler, wenn ein Wasserrad oberschlächtig ist – wenn also das Wasser von oben kommt und im Fallen das Rad antreibt. Denn das Wasser bremst dann das Rad ab, was den Verschleiß fördert. Ein zweiter  Nachteil: Steht das Rad eine Zeitlang still, trocknet es oben und bleibt unten nass. Das unterschiedliche Gewicht fördert eine Unwucht, das Rad verschleißt noch mehr. „Durch Zufall haben ich Konstruktionszeichnungen des Vorgängerrades gesehen“, berichtet Vetter, Und siehe da: „Das vorige Rad war auch etwas kleiner.“ uts