Die Kriminalpolizei ist nach wie vor mit uns in Kontakt“, sagt eine der Enkelinnen der Vermissten, die nicht mit Namen in der Zeitung stehen will. „Aber die Polizei macht uns wenig Hoffnung.“

Die Familie selbst ist hin- und hergerissen zwischen Trauer und Hoffnung, berichtet die Enkelin. Es gebe eine rationale Seite. Die sage, dass die Oma aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr lebt. „Sie war ja sehr dünn und damals war es heiß. Wenn sie sich verlaufen hat, hat sie gar nicht lange überleben können“, meint die Enkelin. Es gebe aber auch die emotionale Seite. Die Seite der Hoffnung. „Wir wissen halt nichts sicher.“ Alle möglichen Szenarien hat die Familie schon durchgespielt: „Vielleicht ist sie ja in ein Auto eingestiegen? Vielleicht ist sie bei einem Spaziergang gesehen worden?“

Zum Jahrestag des Verschwindens wendet sich die Familie deshalb noch einmal an die Öffentlichkeit. „Wir hoffen, dass sich doch noch jemand an etwas erinnert. Dem noch etwas einfällt. Dem doch etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist“, sagt die Enkelin. „Wir wissen halt nichts. Aber irgendwie hoffen wir doch.“ Allerdings: Die Hoffnung, die Großmutter lebend zu finden, ist mittlerweile von der Hoffnung, überhaupt etwas zu erfahren, abgelöst worden.

Satteldorf

Nach 22 Uhr verliert sich jede Spur der Vermissten

An den Tagen nach dem Verschwinden blieb die Familie nicht untätig. Sie suchte selber und rief zu Suchaktionen auf. „Damals kamen viele Leute zur Unterstützung. Das hat uns sehr dankbar gemacht.“ Die Polizei war mit Hubschraubern und mit Hunden unterwegs. „Leider konnte man damals nachts nicht mit Wärmekameras fliegen. Es war zu warm.“

Seither hat die Familie immer wieder versucht, den letzten Tag der Oma zu rekonstruieren. „Sie ist abends noch vor dem Haus gesehen worden“, berichtet die Enkelin – die Großmutter lebte im Ortskern von Ellrichshausen. „Das war um 22 Uhr. Es war damals zwar noch hell. Aber es war eigentlich nicht mehr die Zeit, in der sie draußen war.“

Danach verliert sich jede Spur. Ob die Oma dann in die Wohnung zurückging oder ob sie auf einen ihrer Spaziergänge aufgebrochen ist, bleibt offen. Jedenfalls war sie morgens nicht in ihrer Wohnung, als die Tochter sie zu einem Arzttermin abholen wollte. Der Hausschlüssel, der Geldbeutel – alles war an Ort und Stelle. Nur die Oma nicht.

Crailsheim

„Meine Großmutter war zwar schon etwas vergesslich. Aber sie konnte sich immer noch orientieren. Sie war gut zu Fuß und hat regelmäßig Spaziergänge im Ort gemacht.“

Was an jenem Abend oder in jener Nacht also passiert ist, ist unklar. Gab es einen Vorfall in der Wohnung? Es gab dort keine ungewöhnlichen Spuren. Gab es einen Telefonanruf, der die alte Dame beunruhigt hat? „Wir haben ihre letzten Telefongespräche über die Telefongesellschaft nachvollzogen. Es war nichts Ungewöhnliches dabei.“

Familie kann keinen Schlussstrich ziehen

Und nein, betont die Enkelin immer wieder, die Hoffnung habe die Familie „irgendwie“ noch immer nicht aufgegeben. „Wir können keinen Schlussstrich ziehen. Wir können auch innerlich keinen Abschied nehmen.“ Das sei sehr schwer für die drei Kinder der Vermissten, aber auch für die Enkel und Urenkel. „Es ist alles offen. Wir wissen nichts“, sagt die Enkelin immer wieder. Heute noch macht die Familie Spaziergänge in der Gegend und sucht nach Hinweisen. „Wir hoffen halt immer noch“. Erst unlängst hatte die Oma Geburtstag – oder muss man sagen: hätte die Oma Geburtstag gehabt? „An dem Tag haben wir uns alle zum Kaffee getroffen und haben an sie gedacht.“

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Verschwunden in der Nacht zum 7. Juni


Im Folgenden veröffentlichen wir noch einmal den Aufruf der Polizei von vor einem Jahr. Die Vermisste verschwand in der Nacht zum 7. Juni 2018, der 7. war im vergangenen Jahr ein Donnerstag: „Wer hat die Vermisste gesehen? Sie ist etwa 1,73 Meter groß und lediglich 40 Kilo schwer. Sie hat kurze graue Haare, über die Kleidung ist nichts bekannt. Die Frau ist dement, aber gut zu Fuß und kontaktfreudig. Hinweise an die Polizei in Crailsheim unter Telefonnummer 0 79 51 / 48 00.“ uts