Zwischen Hessental und Crailsheim Sanierungsarbeiten: "Lange Fahrzeit nervt natürlich"

Am Bahnhof Hessental steigen Fahrgäste in den Bus des Schienenersatzverkehrs. Rund eine halbe Stunde länger als die Bahn benötigt dieser für die Strecke nach Crailsheim. Foto: Schmidt
Am Bahnhof Hessental steigen Fahrgäste in den Bus des Schienenersatzverkehrs. Rund eine halbe Stunde länger als die Bahn benötigt dieser für die Strecke nach Crailsheim. Foto: Schmidt
Landkreis / FABIAN SCHMIDT 10.08.2012
Seit knapp drei Wochen wird zwischen Schwäbisch Hall-Hessental und Crailsheim an den Gleisen gearbeitet. Züge fahren in dieser Zeit keine. Der Schienenersatzverkehr führt zu Einschränkungen bei Fahrgästen.

Es ist kurz vor halb sieben am Morgen. Eigentlich hält der erste Zug erst in einer halben Stunde am Bahnhof in Hessental. Um 6:24 fährt jedoch der Regionalexpress aus Stuttgart ein. Nur vereinzelt steigen Menschen aus und umrunden das Bahnhofsgebäude, um auf der anderen Seite in den wartenden Bus zu steigen. Seit dem 21. Juli ist die Bahnstrecke zwischen Schwäbisch Hall-Hessental und Crailsheim zur Erneuerung der Gleise und Weichen gesperrt. Die als Ersatzverkehr pendelnden Busse benötigen für die Strecke eine halbe Stunde länger als der Zug. Aufgrund der Umleitung der Züge über die Remsbahn über Aalen musste jedoch auch der weitere Fahrplan umfassend geändert werden.

Auch Martin Haugstetter aus Backnang setzt sich an diesem Morgen in den Bus des Schienenersatzverkehrs, den er zur Zeit zwei- bis dreimal die Woche nutzt, um zu seinem Arbeitsplatz nach Ilshofen zu gelangen. "Die Einschränkungen halten sich für mich im Rahmen.", so der 45-jährige. Um zehn Minuten vor sechs am frühen Morgen fahre seine Bahn, eine viertel Stunde früher als gewöhnlich. Abends komme er ebenso 15 Minuten später als üblich zu Hause an.

In Crailsheim steigt Wadim Ganje aus Schrozberg um 7.45 Uhr in die Schnellbuslinie nach Hall. Normalerweise würde er Zug fahren, der Schienenersatzverkehr kommt für ihn jedoch nicht infrage, mit ihm wäre er deutlich länger unterwegs. Morgens stört ihn die gesperrte Bahnstrecke deshalb nicht, mit dem Schnellbus kommt er nur unwesentlich später bei der Arbeit an.

Abends hingegen fährt kein passender Bus, der 21-Jährige ist auf den Ersatzverkehr angewiesen. Da die Busse auch nicht zu den gewöhnlichen Zeiten verkehren, ist er am Abend statt einer Stunde etwa die doppelte Zeit unterwegs, um nach Hause zu kommen. Erst um 19 Uhr erreicht seine Regionalbahn Schrozberg. "Ich verstehe schon, dass der Ersatzverkehr nötig ist, aber die lange Fahrtzeit nervt natürlich.", sagt Wadim Ganje.

Ingolf Födisch, Busfahrer im Schienenersatzverkehr, weiß nichts von größeren Problemen oder gar Beschwerden der Fahrgäste zu berichten. An Werktagen können im Bus zwar keine Fahrräder befördert werden, doch auch das scheint nicht schlimm zu sein, zumindest seien bisher noch keine Radfahrer aufgetaucht, die mitfahren wollten. Am Wochenende ist dank eines Fahrradanhängers die Mitnahme von Zweirädern möglich.

Am Bahnhof in Crailsheim erwartet Peter Henninger die aussteigenden Fahrgäste an den Bahngleisen. Der in Bahn-Uniform gekleidete Mann ist sogenannter Reisendenlenker. Er zeigt den Fahrgästen den Weg zum Bus des Schienenersatzverkehrs, der am Zentralen Omnibusbahnhof wartet. Es könne jedoch auch zu Engpässen kommen, in denen es nicht möglich ist, die Fahrgäste persönlich zum Bus zu geleiten, der kurze Weg ist allerdings auch ausgeschildert.

Info Inzwischen wurde die voraussichtliche Dauer der Bauarbeiten zwischen Schwäbisch Hall-Hessental und Crailsheim korrigiert. Sie sind voraussichtlich nicht bis zum 9., sondern erst bis zum 13. September abgeschlossen. Für rund 14,5 Millionen Euro lässt die Deutsche Bahn die Strecke generalsanieren: Sämtliche Gleise und Weichen werden erneuert, außerdem werden diverse Instandhaltungsarbeiten durchgeführt.

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