Am Ende waren alle des Lobes voll: Die Vollblutmusiker Eckart und Jörg Baier als Conférenciers über die Atmosphäre des Abends, das Publikum, das einen musikalischen Genuss erlebte, und Jürgen Conrad von der Gemeindeverwaltung über den guten Besuch. Mögen die Stuttgarter Saloniker bekannter sein als das Salonorchester, an Spielfreude und instrumentaler Fertigkeit können die Crailsheimer allemal mithalten. Präsentiert wurde ein nahezu komplett neues Programm, dem es an Virtuosität und Vielseitigkeit nicht mangelte.

Wenn schon Salonmusik, dann dürfen Wiener Reminiszenzen nicht fehlen. So war der Bogen zu Johann Strauß' Wiener Bonbons schnell gespannt. Pariser Flair schimmerte durch, als die Violinen von Eckart Baier und Daniela Mang fein gezupft zur Querflöte von Leona Rötzsch ertönten, die hier tragendes Instrument war. Dass die Tritsch-Tratsch-Polka trotz des hohen Tempos sehr exakt und nuancenreich gespielt wurde, unterstrich die bemerkenswerte Sicherheit der Musiker, die sich als "Projekt-Orchester" verstehen. Neben Strauß kam Paul Linckes "Glühwürmchen-Idyll" aus der Operette Lysistrata vor, mit Jörg Baier als Solist und den Bläsern, die zwischendurch auch als Background-Sänger agierten. "Das Fräulein Gerda" entführte in das Berlin der 1930er- Jahre, herrlich swingend durch zwei Violinen und zwei Saxofone, die sich gekonnt abwechselten. Ebenso schmissig Horst Kudritzkis Schlager "Von acht bis um acht", und als musikalischer Kontrapunkt folgten zwei orientalische Anklänge, wobei der Foxtrott im afrikanischen Stil den Singsang im marokkanischen Basar bemerkenswert gut imitierte. Nach der Pause kamen zwei Spieler mit Verzögerung auf die Bühne zurück, während die "Siamesische Wachparade" schon intoniert wurde, eine nette Einlage, wie überhaupt die Sternenglanz-Musiker immer mal mit dem Publikum spielten, manchmal durch originelle Kopfhaltungen oder die humorvolle und kurzweilige Moderation von Jörg Baier. Ein Ausflug in Richtung Zigeunermusik mit Taktwechsel und unterschiedlicher Dynamik ließ die verschiedenen Instrumentengruppen heraustreten, besonders die Streicher waren hier gefordert.

Als Kontrast hierzu folgte der "Tango Argentina" mit dem schwermütig-schmachtvollen Akkordeonspiel Felix Kautters und den gezupften Staccati der Streicher ebenso eine musikalische Offenbarung wie "La Cumparsita". Zum Schluss folgten nochmals Schlagerimitationen aus den 1950er-Jahren, so der Foxtrott "Ich bring dich um die Ecke" von Peter Igelhoff oder "So wird's nie wieder sein" von Gerhard Winkler. Während hier wieder Bernhard Hubner und Hannes Baier am Saxofon die sentimentale Grundstimmung intonierten, sang sich Jörg Baier in die Herzen des Publikums, und Ali Raddatz zeigte am Flügel sein Können. Und für reichlich Gesprächsstoff sorgte hinterher noch "Die Männer sind schon der Liebe wert" von Ralph M. Siegel, nicht des Geschlechts wegen, sondern durch die heiteren Gesangseinlagen der Männerstimmen. Kein Wunder, dass am Schluss stehend applaudiert wurde.