Langenburg Saft aus der Steckdose

Ungefähr dort, wo sich links von der Ausfahrt die Hinweistafel befindet, soll die Ladestation eingerichtet werden.
Ungefähr dort, wo sich links von der Ausfahrt die Hinweistafel befindet, soll die Ladestation eingerichtet werden. © Foto: Erwin Zoll
Langenburg / Erwin Zoll 26.07.2018
Vor dem Langenburger Schloss entsteht eine Ladestation für Elektroautos. Das Abrechnungssystem begeistert jedoch den Gemeinderat nicht.

Die Stadt Langenburg, der Energieversorger ENBW und das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg wirken zusammen, um Fahrer von Elektroautos in der ehemaligen Residenzstadt mit Energie zu versorgen – denn die alte Ladesäule am Marktplatz entspricht nicht mehr dem Stand der heutigen Technik und eignet sich Bürgermeister Wolfgang Class zufolge nur noch für Elektrofahrräder.

Auf dem Parkplatz vor dem Schloss stellt Fürst Philipp den Platz für eine Ladesäule und zwei Stellplätze zur Verfügung – vor dem durch eine Schranke abgetrennten Bereich, sodass der Standort frei zugänglich ist.

Die Stadt Langenburg kauft von der ENBW eine Ladestation für zwei Fahrzeuge; für 12.000 Euro liefert die ENBW das Gerät und stellt es auf. Weitere 1700 Euro kostet der Stromanschluss. Diese Investitionen fördert der Bund mit einem Zuschuss von 40 Prozent.

Für 69 Euro im Monat übernimmt die ENBW die Wartung des Geräts und vor allem die Abrechnung der Stromkosten mit den Autofahrern. Das Modell, nach dem die ENBW mit der Stadt abrechnet, sieht vor, dass die Stadt den Strom von der ENBW zum üblichen Preis bezieht.

Etwas für das Image

Von den Einnahmen, die die ENBW an der Ladestation erzielt, erhält die Stadt dann einen Bonus. Der beträgt 50 Prozent beim Strom, den ENBW-Kunden unter den Autofahrern beziehen, und 1,50 Euro für jeden Ladevorgang bei anderen Kunden. Der komplizierte Berechnungsmodus, bei dem auch die Lade- und die Standzeit eine Rolle spielt, kann in bestimmten Fällen jedoch dazu führen, dass die Stadt draufzahlt.

Dass die Stadt den Strom, der an die Autofahrer abgegeben wird, von der ENBW kaufen soll und dann von dem Preis, den die Autofahrer dafür bezahlen, nur einen Teil erhalten soll, stieß bei manchen Stadträten auf Unbehagen. „Wirtschaftlich ist das für die Stadt Schwachsinn“, sagte Klaus Groninger. Für den Ausbau der Elektro-Mobilität und das Image der Stadt sei die Ladestation jedoch erforderlich. Stadtrat Johann Pollanka forderte ein Gesamtkonzept für die Ladestationen im Stadtgebiet und sagte, die Ladestation am Schlossparkplatz sei eher Sache des Hauses Hohenlohe.

„Das ist Standard“

Bürgermeister Wolfgang Class wies darauf hin, dass eine solche Ladestation für einen Ausflugsort wie Langenburg dazugehöre. „Das ist Standard“, sagte Class.

Die Entscheidung für die Ladestation hat der Gemeinderat bei einer Gegenstimme (Johann Pollanka) und einer Enthaltung (Wolfgang Maier) getroffen.

Eine Ladestation für Elektrofahrräder hat das Fürstenhaus kürzlich auf dem Schlossplatz aufstellen lassen.

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Schnellladestationen für Elektroautos betreibt der Energieversorger ENBW in ganz Deutschland.

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