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Kommunalwahl
Vellberg / Jochen Korte In Vellberg hat der Gemeindewahlausschuss zwei Listen zugelassen. Sechs Gemeinderäte bewerben sich nicht erneut um ein Mandat. 14 Frauen und Männer auf der großen Liste stehen Jochen Berner gegenüber.

Fast wäre es bei der einen Liste „Wir für Vellberg“ geblieben, wie es lange aussah. Dann hätte festgestanden, dass alle 14 Frauen und Männer dieser neuen Liste in den neuen Gemeinderat einziehen. „Eine echte Wahl ist das bei einer Liste tatsächlich nicht mehr“, sagte auch Monika Hirschner (68), die dem Rat seit zehn Jahren angehört. Doch dann ist am 25. März, fünf Tage vor Bewerbungsschluss, die „Liste Berner“ aufgetaucht. Auf ihr kandidiert einzig Jochen Berner aus Vellberg, der in Schwäbisch Hall ein Immobilien- und Sachverständigenbüro betreibt. Der Gemeindewahlausschuss der Stadt hat beide Listen für den 26. Mai zugelassen.

Bei Monika Hirschner laufen die Fäden für die Aufstellung der Liste „Wir für Vellberg“ zusammen. Hintergrund sei, dass die Freie Wählervereinigung für Vellberg und die Vellberger Wählervereinigung übereingekommen seien, auf einer Liste anzutreten. „Es wird schwieriger, Kandidaten zu finden“, meint Hirschner. Zudem würden sechs aktuelle Räte nicht mehr antreten. Das sind Stimmenkönig Walter Neumann, Petra Schmitt, Marc Bauer, Konstantin Dürr, Kurt Lanzendorfer und Clemens Holl.

Die beiden Listen hätten in der Vergangenheit gut kooperiert. Die Sitzungen habe man gemeinsam vorbereitet. Auch der Name sei zusammen gefunden worden. „Zwischen jung und Mittelalter“, antwortet Hirschner auf die Frage nach der altersmäßigen Zusammensetzung von „Wir für Vellberg“. Vier der Gemeinderäte werden den Teilort Großaltdorf vertreten, die anderen zehn den Hauptort.

Mit 68 Jahren noch einmal für den Rat zu kandidieren, ist für Monika Hirschner nichts Außergewöhnliches. „Manche sind mit 30 schon alt, andere haben mit 70 noch Ideen“, kontert sie die diesbezügliche Frage. „Eigentlich bin ich Rentnerin, aber ich habe mich selbstständig gemacht“, verrät die umtriebige Dame. Sie sei für ihren ehemaligen Arbeitgeber Gasti, dort war sie Vertriebsleiterin, als Beraterin in der Verpackungsbranche tätig. Als Gemeinderätin, sagt die ehemalige Vorsitzende des TSV Vellberg über sich selbst, sei sie ein „Spätzünder“.

Die Stadt Vellberg hat nach ihrer Aussage eine gute Entwicklung vor sich. Die Einwohnerzahl liege mit knapp 4400 auf dem höchsten Stand, die Bauplätze „gehen weg wie warme Semmeln“. Wegen des Zuzugs sei die Kindergartenplanung von großer Bedeutung. In Sachen Freiflächenfotovoltaik sollen die Bürger mitsprechen. 2018 hätten Bauhof und Feuerwehr ihr neues Domizil bezogen, das Freibad sei saniert, ebenso der Friedhof. Jetzt gehe es darum, die Infrastruktur zu erhalten. Den zeitlichen Aufwand für einen Gemeinderat schildert sie so: Etwa zehn Sitzungen im Jahr à vier bis fünf Stunden, zehn Vorbereitungssitzungen mit eineinhalb bis zwei Stunden und andere Tagungen.

Jochen Berner, Jahrgang 1964, wollte eigentlich auf der Liste „Wir für Vellberg“ antreten. „Leider gab es interne Widerstände von Personen, die ich nicht kenne und die mich offensichtlich auch nicht kennen. Somit wurde das aktiv verhindert“, sagt Berner, der seit drei Wahlperioden in der Vollversammlung der IHK Heilbronn, Mitglied im Kirchengemeinderat Tullau-Steinbach, der Synode und im Kirchenbezirksausschuss ist. „Dies hat zur Folge, dass ich als Außenseiter antrete. So ist nun mal Demokratie, die hier wohl auf ,das machen wir schon immer so’ trifft“, fährt er fort. Sein Hauptinteresse sei es, neu und quer zu denken und nicht Vorgaben bequem abzunicken. Mitdenken, mitwirken, mitentscheiden und Mitverantwortung zu übernehmen entspreche seiner Vorstellung. Als Selbstständiger müsse er jederzeit auf neue Situationen reagieren und Entscheidungen treffen. Eine solche Haltung tue den Gremien sehr gut.

Wie viele Stimmen man braucht, um in den Rat einzuziehen, lässt sich schwer vorhersagen. Prinzipiell ist es so, dass kleine Listen vom neuen Auszählungsverfahren profitieren.

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