Schrozberg Ruia Global Fasteners insolvent

Der indische Eigentümer Pawan Kumar Ruia hat Finanzprobleme. Privatfoto
Der indische Eigentümer Pawan Kumar Ruia hat Finanzprobleme. Privatfoto
Schrozberg / MATHIAS BARTELS 30.03.2012
Das Schrozberger Unternehmen Ruia Global Fasteners AG kommt nicht zur Ruhe. Der Schraubenhersteller ist jetzt erneut in der Insolvenz. Der Betrieb läuft indes weiter, gesucht wird ein neuer Investor.

Richtig nachvollziehen mag keiner, warum die Ruia-Gruppe in schwerem Fahrwasser dümpelt: Die Auftragslage ist hervorragend, der Betrieb ausgelastet, die Produkte genießen einen guten Ruf. "Es könnte einfach so weitergehen", ist Schrozbergs Ruia-Betriebsratsvorsitzender Walter Doberer überzeugt. Doch es fehlten die liquiden Mittel. Die enthalte der Eigentümer dem Unternehmen vor.

Der zuständige 2. Bevollmächtigte der IG Metall Düsseldorf-Neuss, Heiko Reese, meint, Inhaber Pawan Kumar Ruia habe sich übernommen. "Nachdem er die frühere Acument in Schrozberg Anfang 2011 gekauft hatte, ist er erstmal in Europa auf Einkaufstour gegangen." Jetzt fehlten dem indischen Chairman aus Kalkutta die finanziellen Mittel, um die Betriebe auf Kurs zu halten. Auch in seiner Heimat brächen derzeit alle Dämme. Ruias Unternehmen Dunlop India ist in Liquidation, meldete gestern die "Reifenzeitung". In Frankreich, so Reese, laufe gegen ihn sogar ein Strafbefehl wegen Veruntreuung.

"Jetzt geht es darum, die Lage zu beruhigen sowie Lieferanten und Kunden auf die weiterhin gute Arbeit der Unternehmensgruppe einzuschwören", sagte Reese. Man habe keine andere Möglichkeit gesehen, als in die Insolvenz zu gehen. Reese: "Das war der einzig richtige und vernünftige Schritt, um die Lieferfähigkeit nicht zu gefährden."

Das Krisenmanagement um den vorläufigen Düsseldorfer Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus, Gesamtbetriebsrat und IG Metall arbeiten gemeinsam an einem weiter reibungslosen Ablauf der Produktions- und Lieferkette. "Obwohl bei Ruia Deutschland mit seinen Werken in Neuss, Neuwied, Beckingen und Schrozberg niemand mit der erneuten Insolvenz glücklich ist, tun die Beschäftigten alles, um die Lieferfähigkeit zu erhalten", sagte Reese. "Für uns ist aber auch klar, dass es keine Zukunft mit der Ruia-Gruppe geben kann - dafür wurden zu viele Versprechen gebrochen und das Unternehmen unnötig in eine schwierige Lage gebracht."

Insolvenzverwalter Frank Kebekus eilt unterdessen von Standort zu Standort, um mit Management und Arbeitnehmervertretern zu sprechen. Aus seiner Kanzlei verlautete, man sehe gute Chancen, dass neue Investoren gefunden werden. Schließlich mache Ruia in Deutschland ja Gewinn.

Denkbar seien durchaus Modelle, ergänzte Heiko Reese, ohne sich endgültig festzulegen, wonach Management und/oder Belegschaft das Unternehmen übernehmen könnten, ein sogenannter Buy-out. "Wir haben in den letzten Jahren so viel schlechte Erfahrungen gemacht mit Investoren, die den Gewinn rausziehen und nicht reinvestieren, dass wir uns sagen, das können wir selber besser." Es gebe da viele Instrumente, betonte Reese und gab sich wie Kebekus zuversichtlich, denn: "Das Unternehmen ist ja eigentlich gesund."