Hausen/Rot Rottalgottesdienst: "Die Kapelle bleibt auf dem Stielberg!" - Pfiffiges Theaterstück der Geistlichen

Hausen/Rot / BAL 22.05.2013
Die Kult-Fernsehserie "Die Kirche bleibt im Dorf" sowie den gleichnamigen Kino-Film nahm sich die Geistlichkeit des Rottals am Pfingstmontag zum Vorbild für einen Gottesdienst im Grünen.

In Anlehnung an die Fernsehserie "Die Kirche bleibt im Dorf" wurde in diesem Jahr der beliebte Rottalgottesdienst kurzerhand unter das Motto gestellt: "Die Kapelle bleibt auf dem Stielberg." Mittelpunkt der ökumenischen Feier bei strahlendem Sonnenschein im Pfarrgarten von Hausen an der Rot war ein Stück, das in breit schwäbischer Mundart von Pfarrerin Barbara Koch, Pfarrerin Ursula Braxmaier und deren Mann Ulrich sowie den Pfarrern Andreas Balko und Tomy Thomas gespielt wurde. Pater Tomy Thomas blieb es dabei freilich erspart, schwäbisch zu sprechen, denn er durfte sich selbst spielen.

Zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken

Sein Part war es, eine fiktive Gemeindeversammlung im katholischen Hausen abzuhalten und seinen Schäfchen schonend beizubringen, dass ihre Stielbergkapelle demnächst in die Vereinigten Staaten transloziert werde. Dort wohne nämlich ein reicher Amerikaner, dessen familiäre Wurzeln bis nach Hausen reichten. Er wolle in den USA ein Freilichtmuseum aufbauen, das an die deutschen Einwanderer erinnert. Dazu fehle ihm nur noch - die Stielbergkapelle!

Er habe sich auch gleich nach Rottenburg an die Kirchenleitung gewandt. Angesichts unzähliger kirchlicher Gebäude, die verhalten werden müssten und knapper Kassen, habe sich die Diözese das Angebot von fünf Millionen Dollar nicht entgehen lassen wollen und dem Deal sofort zugesagt. Eine Million vom Kaufpreis werde der Gemeinde Hausen zukommen.

Hände gehen spontan nach oben

Ursula Braxmaier, Barbara Koch und Andreas Balko mischten sich als vermeintliche Gemeindemitglieder der Pfarrei unter das Publikum und kamen miteinander in eine Diskussion. War zunächst die Versuchung groß gewesen, dem Geschäft zuzustimmen - schließlich kann man mit einer Million einiges bewirken -, siegte doch schnell die Erkenntnis: "Mir gäbet onser Kapell net her!" Doch was tun? Vielleicht könnte man sie auf einen Tieflader packen und in Oberrot verstecken? Zu den Evangelischen? Nein, das geht auch nicht. Die rücken sie vielleicht nicht mehr heraus oder machen sie evangelisch! Schließlich hatten sie sich schon bei der Reformation die Bonifatius-Kirche "gekrallt". Dann kann man die Kapelle auch gleich an die Amis verkaufen.

Doch dann findet Ulrich Braxmaier eine uralte schwäbische Bibelübersetzung in der Stielbergkapelle, die zur Einmütigkeit aufruft. Dies bewirkt die Erkenntnis: "Evangelische und Katholische müssen zusammenhalten, wenns brenzlig wird." Also: "Was soll der alte Scheiß mit dem Streit?" Und so beschließt man, dem Vorhaben noch eins draufzusetzen: Man wird die Kapelle im evangelischen Pfarrgarten verstecken. Von den Kirchenführern in Rottenburg wird niemand auf die Idee kommen, sie gerade dort zu suchen. Und wenn Gras über die Sache gewachsen ist, holt man die Kapelle wieder auf den Stielberg zurück.

Der Entschluss steht fest, und der Antrag kommt zur Abstimmung. Man kann leicht erraten, wie sich die fiktive Gemeindeversammlung entschieden hat: Natürlich gingen alle Hände spontan nach oben!

Musikalisch gestaltet wurde der abwechslungsreiche und heitere Gottesdienst auf schwungvolle Weise von den Posaunenchören des Rottals.